So sieht der Kreisel mit 250 Metern Durchmesser heute aus: 66 000 Autos passieren jeden Tag den Verkehrsknotenpunkt, in einigen Jahren sollen es rund 94 000 sein. Im Hintergrund die Skyline Frankfurts.
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So sieht der Kreisel mit 250 Metern Durchmesser heute aus: 66 000 Autos passieren jeden Tag den Verkehrsknotenpunkt, in einigen Jahren sollen es rund 94 000 sein. Im Hintergrund die Skyline Frankfurts.

Umbau beginnt im Februar

Der Kaiserlei-Kreisel kommt weg

  • Olaf Kern
    VonOlaf Kern
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Der Verkehr an der Nahtstelle zwischen Frankfurt und Offenbach nimmt zu. Gleichzeitig soll der Gewerbestandort Kaiserlei ausgebaut werden. Dafür muss der Kreisel weichen – ein Mega-Projekt.

Europas größtes Rondell und Alptraum aller Autofahrer: Statistisch gesehen kracht es jeden dritten Tag am Kaiserlei-Kreisel. Meist bleibt es zwar bei Blechschäden, doch die hatten die Planer sicher nicht im Sinn, als sie einst den Verkehr aus dem Osten Frankfurts nach Langen und Darmstadt mit der Verbindung von Frankfurt Sachsenhausen über Offenbach nach Hanau lenken wollten. Die 1965 eröffnete Drehscheibe war ursprünglich für wenige Tausend Wagen im Monat ausgelegt. Damals galt der Kreisel mit 250 Metern Durchmesser als einer der größten seiner Art. 1972 kam noch eine Brücke hinzu, die den Durchgangsverkehr der A 661 auf eine zweite Ebene führte. Heute passieren täglich 66 000 Autos das Nadelöhr. In einigen Jahren könnten es schon 94 000 Fahrzeuge pro Tag sein. Der Kreisel kranke schlicht an seiner Größe diagnostizierten die Stadtverantwortlichen. Was also tun?

„Am offenen Herzen“

Wo andernorts noch Verkehrskreisel gepriesen werden, baut man ihn jetzt in Offenbach mit viel Aufwand wieder zurück. Um den Verkehrsknoten, der auch Zubringer für den Frankfurter Flughafen ist, leistungsfähiger zu machen, sollen künftig Kreuzungen den Rundverkehr ersetzen. Parallel werden die Anschlüsse an die Bundesautobahn 661 (A 661) neu gebaut.

Der gesamte Umbau ist derzeit das größte Verkehrsinfrastrukturprojekt im Straßenbau in Hessen, logistisch und finanziell ein Mega-Vorhaben. Die Gesamtkosten betragen rund 37 Millionen Euro. Der Bund beteiligt sich mit 8,8 Millionen Euro und das Land Hessen mit 15,6 Millionen Euro. Die kommunalen Anteile liegen bei 12,8 Millionen Euro, wovon Frankfurt den größten Teil übernommen hat. Viele Jahre der Planung gingen voraus, etliche Verzögerungen auch. Im Februar sollen tatsächlich die Bagger rollen, wie gestern erklärt wurde. Drei Jahre sind für die Arbeiten veranschlagt, möglichst ohne größere Einschränkungen für den Verkehr, hofft Markus Eichberger, Amtsleiter des Offenbacher Amts für Verkehrsmanagement. Dennoch: „Ganz ohne Störungen wird es nicht gehen, wir operieren am offenen Herzen.“

Die Bauarbeiten sind in fünf Bauphasen eingeteilt. Die wichtigsten Änderungen: In Zukunft wird die vierspurige Strahlenbergerstraße mit den Anschlüssen an die A 661 Richtung Flughafen, Bad Homburg und Darmstadt direkt verbunden. Allein dafür sind etliche Hundert Bohrpfähle 60 Meter tief in den sandigen Boden einzurammen.

Streitpunkt neue Halle

Zweitens soll zukünftig der Verkehr zwischen Frankfurt und Offenbach hauptsächlich über die Berliner Straße laufen, die mit der Kaiserleipromenade unter der A 661 hindurch verbunden wird. Die verlängerte Kaiserleipromenade, die wie auch die Strahlenbergerstraße beidseitig über Fahrradwege verfügen wird, soll bereits im Oktober 2017 für den Verkehr frei gegeben sein.

Über einzelne Baumaßnahmen und Umleitungen soll im Internet über eine eigens geschaltete Seite () informiert werden. Im Dezember 2019 wird der Kaiserlei-Kreisel in der letzten Bauphase endgültig außer Dienst gehen, nach mehr als 50 Jahren.

Offenbach verspricht sich vom Umbau nicht nur Entlastungen im Verkehr, sondern auch einen Schub für die Erschließung des Gewerbestandorts Kaiserlei. Die Stadt gewinnt 18 Hektar Fläche hinzu, dringend benötigt für neue Gewerbeansiedlungen. Nur rund 2000 Menschen wohnen dort. Ein Knackpunkt dabei: Frankfurt und Offenbach schlossen 2012 eine Absichtserklärung zur Weiterentwicklung des Geländes.

Frankfurt möchte dort eine Multifunktionshalle bauen für rund 13 0000 Besucher. Offenbach lehnt die Pläne ab. Es geht die Furcht vor einem neuen Verkehrsinfarkt trotz Umbaus um. Für die Arena gibt es mindestens zwei Interessenten. Die US-amerikanische Anschutz-Gruppe ist einer davon. Frankfurt hält an der Idee bislang fest. „Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass wir das Projekt fortführen werden“, verlautet aus dem Büro von Sportdezernent Markus Frank (CDU). Wann die Gespräche abgeschlossen werden, ließ eine Sprecherin offen. Der Sprecher der Stadt Offenbach sagte gestern, es gebe in Sachen Multifunktionshalle „nichts Neues“.

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