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Kalte Gebäude, dunkle Fassaden: Kirchen bereiten sich vor

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Kirche
Blick auf das Kreuz einer evangelisch-lutherischen Kirche in der Abenddämmerung. © Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Auch in den Kirchen werden zum Energiesparen die Heizungen gedrosselt. Kreative Ansätze sollen einem erneuten Rückgang der Besucherzahlen vorbeugen - etwa Gottesdienste am Lagerfeuer.

Frankfurt/Main - Verlagerte oder verkürzte Gottesdienste, ausgeschaltete Beleuchtung: Auch die Kirchen in Hessen sparen Energie. Um den Gläubigen den Kirchgang im Herbst und im Winter dennoch zu ermöglichen, könne etwa die Länge der Gottesdienste reduziert werden, heißt es bei der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Auch in der Corona-Pandemie erprobte Online- oder Outdoor-Formate könnten wieder zum Einsatz kommen. Zudem sei der Umzug in leichter beheizbare Gemeindehäuser möglich, erklärt auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Vor allem kleinere evangelische Gemeinden machten dies bereits seit Jahren, sagt EKHN-Sprecher Volker Rahn. Im Gegensatz zu katholischen Christinnen und Christen brauchten Protestantinnen und Protestanten für einen Gottesdienst keinen geweihten Raum. Die Gemeinden sind aufgerufen, die Temperaturen in ihren Gebäuden abzusenken und die Fassadenbeleuchtungen auszuschalten.

„Kirchenbesuchende sind seit Jahren an frische Gottesdienste gewohnt“, sagte Rahn. Denn in den Kirchen herrsche schon bisher unter der Woche eine geringere Grundtemperatur, zum Gottesdienst sollen es nicht mehr als 15 Grad sein. Die Gemeinden sollen zudem Menschen verstärkt in den Blick nehmen, „die durch die dramatisch gestiegenen Energiepreise besonders betroffen sind“, sagte Rahn. Kirchliche Gebäude könnten auch als Wärmestuben dienen. Ob und wie die Gemeinden selbst zusätzliches Geld für Heizkosten erhalten, sei offen.

Dass nach zwei Corona-Jahren erneut weniger Menschen zu den Gottesdiensten kämen, sei möglich. „Die Gemeinden sind deshalb aufgerufen, neben digitalen Übertragungen auch wieder besondere Formate wie Gottesdienste unter freiem Himmel oder an ungewöhnlichen Orten neu zu beleben“, sagt der Sprecher.

Dies hat auch die EKKW ihren Gemeinden empfohlen, eine Idee sind Gottesdienste am Lagerfeuer. Denkbar seien auch Kooperationen benachbarter Gemeinden. Die EKKW schlägt ihren Gemeinden vor, die Temperatur in den Kirchen unter die bisher empfohlenen maximal 15 Grad zu senken.

Hinsichtlich der Zahl der Gottesdienstbesucher äußerte sich EKKW-Sprecherin Anja Berens optimistisch: „Von einem Rückgang durch kalte Kirchen gehen wir nicht automatisch aus. Damit wäre zu rechnen, wenn wir nicht gelernt hätten, uns auf die Herausforderungen des Alltags und solcher Krisen einzustellen. Kirche hat auch durch die Corona-Pandemie viel gelernt und neue Wege eingeschlagen.“ Entscheidend für die Menschen sei ohnehin der Inhalt, sagte Berens. „Wo sie Trost finden und gute Begegnung, halten sie es gewiss aus, auch wenn die äußeren Umstände ungemütlich sind.“

Energiesparen ist für die katholischen Gemeinden des Bistums Limburg nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine ein Thema. „Wir waren die erste Diözese, die sich einem bistumsweiten Umweltmanagement nach strengen europäischen Richtlinien angeschlossen hat. Die Pfarreien sind also bereits sensibilisiert und es gibt bereits viele kreative Initiativen“, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle. Denkverbote werde es dabei nicht geben. „Alles ist möglich.“

Bistumsweit gibt es das Ziel, dass ein Drittel der Energiekosten eingespart werden. Die übrigen Kostensteigerungen sollen dann von den Pfarreien und vom Bistum getragen werden. Pfarreien seien eingeladen zu überlegen, ob eine vollständige Schließung von Kirchengebäuden möglich ist. „Natürlich muss die Kirche dann frostsicher gemacht werden“, hieß es. Geprüft sollte auch werden, ob Gottesdienste in kleinere und effizient zu beheizende Räume verlegt werden könnten. „Auch wenn Kirchen weitergenutzt werden, sollte überlegt werden, ob die Heizungsanlage ausgeschaltet werden kann.“

Im Bistum Limburg gibt es den Angaben zufolge seit einigen Jahren einen Zentraleinkauf für Energie. Kirchengemeinden konnten von Rahmenverträgen profitieren und fast alle Pfarreien machten davon Gebrauch, hieß es. Im vergangenen Jahr wurden über die Rahmenverträge 62,1 Millionen Kilowattstunden abgerechnet; 36 Prozent des jährlichen Gasverbrauches entfallen statistisch auf die Monate Oktober bis Dezember. „Bei einer Gaspreisumlage in Höhe von 2,879 Cent pro Kilowattstunde rechnen wir bis zum Jahresende mit einem nicht budgetierten Mehraufwand in Höhe von etwa 650.000 Euro für das Bistum und seine Pfarreien“, sagte Schnelle. „Auf ein Jahr gerechnet würde die Umlage sich auf fast 1,8 Millionen Euro belaufen.“ dpa

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