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Kammerjäger: Vermehrt Rattensichtungen

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Ratte
Eine Ratte läuft aufgeschreckt über einen Platz. © picture alliance/dpa/Symbolbild

Normalerweise sind sie überwiegend in der Kanalisation, doch vom Hunger getrieben kommen sie auch mal durch die Toilette gekrochen. Kammerjäger gehen von vermehrten Rattensichtungen aus. Größere Kommunen haben dies noch nicht festgestellt.

Darmstadt - Sie sind nicht wirklich possierliche Tiere und verbreiten Krankheiten. In Hessen hat es dem Verband der Kammerjäger zufolge in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Rattensichtungen gegeben. „Wir haben mehr zu tun“, sagte der Vorsitzende des Schädlingsbekämpfer-Verbandes in Hessen, Björn Kleinlogel, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei nicht bedingt durch die Jahreszeit. Hintergrund sei vielmehr eine vor Jahren verschärfte und später auch im nationalen Recht umgesetzte EU-Verordnung. Konnten früher die Köder einfach in die Kanalisationen gehängt werden, müssten sie heute kontrolliert und Reste auch später wieder entnommen werden, damit sie nicht ins Wasser gelangen.

„Die Vorgaben führen dazu, dass sich die Kosten für die Gemeinden verdreifacht bis verfünffacht haben“, sagte Kleinlogel. Da werde eine allgemeine und regelmäßige Bekämpfung auch zu einer Kostenfrage. „Die neue Regelung ist durchaus sinnvoll.“ Das Gift der toxischen Köder könne sich durch den Wasserkreislauf auch zum Beispiel in anderen Tieren ansammeln. Die Rodentizide führen bei Ratten dazu, dass die Blutgerinnung gehemmt wird und die Tiere einige Tage später innerlich verbluten.

„Den Ratten geht es auch bei uns gut“, sagte Kleinlogel. Oberirdisch würden sie aber erst herumlaufen, wenn die Population schon größer ist und das Futter im Kanal knapp wird. Dann könnten sie es aber auch bis in die Wohnungen der Menschen schaffen, zum Beispiel durch die Toilette. „Das passiert regelmäßig.“

Unlängst hat die Stadt Limburg wegen der „allgemein steigenden Rattenpopulation“ eine Rattenbekämpfung durchgeführt. Man könne die Tiere zwar nicht zählen, aber dies sei der Eindruck von den Rückmeldungen gewesen, sagte Sprecher Johannes Laubach. In der ersten Junihälfte sei im gesamten Kanalnetz und an betroffene Stellen des Lahnufers gegen die Tiere vorgegangen worden. Auch in diesem Jahr solle es zwei Rattenbekämpfungen geben.

Auch im südhessischen Weiterstadt gab es dieses Jahr bereits vermehrt Rattensichtungen. „Das ist auch ein Corona-Problem“, sagte Bürgermeister Ralf Möller (SPD). Die Menschen hätten nicht in die Restaurants gehen können und hätten draußen dann Pizza oder Döner gegessen. Die Essensreste seien dann meist liegen geblieben und hätten Ratten angelockt. Die Stadt gehe in der Regel drei Mal im Jahr gegen die Tiere vor. Nach drei Monaten merke man dann aber, dass die Ratten wieder rauskommen. „Wir haben immer wieder mal ein Problem damit. Momentan ist alles in Ordnung.“

Größere Städte wie Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Darmstadt oder Fulda sehen derzeit grundsätzlich kein vermehrtes Auftreten von Ratten, ergab eine Umfrage. „Grundsätzlich ist dies nicht festzustellen, jedoch kommt es auf Grund verstärkter Bautätigkeit im Stadtbereich zu vermehrten Sichtungen und damit zu vermehrten Meldungen von Ratten“, heißt es in Wiesbaden. Auch in Kassel will man nicht von mehr Nagern sprechen. „In Kassel gibt es - wie in jedem urbanen Raum, in dem viele Menschen eng zusammenleben - auch viele Schadnager.“ Und auch in Darmstadt heißt es: „Ratten gibt es immer wieder. Ein vermehrtes Aufkommen in Grünflächen in diesem Jahr ist bis jetzt nicht feststellbar.“ Die Städte sind nur im öffentlich Raum für die Bekämpfung zuständig, für die privaten Grundstücke sind die Eigentümer zuständig.

Unisono fordern die Kommunen ihre Bürgerinnen und Bürger auf, Müll, insbesondere Lebensmittelreste nicht unachtsam zu entsorgen oder an öffentlichen Plätzen einfach liegen zu lassen. „Grundsätzlich leben Ratten in der Regel in der Kanalisation, sind aber immer dann für Menschen zu sehen, wenn das Nahrungsangebot sie nach oben an die Erdoberfläche lockt. Deshalb gilt: Je weniger Essensreste, Müll und sonstige Verunreinigungen herumliegen, desto weniger Ratten interessieren sich für diese Bereiche“, mahnte die Stadt Fulda.

Ratten können dem Umweltbundesamt zufolge mehr als 100 verschiedene Krankheiten auf Menschen übertragen. Zudem sind sie Überträger von Tierseuchen. Wie viele der Nager in den Kanalisationen der Städte leben, kann man Kleinlogel zufolge nicht sagen. „Schätzungen sind Kaffeesatzleserei.“ dpa

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