Flughafen Kassel Airport
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Das Terminal des Kassel Airports.

Kassel Airport will Defizit weiter senken

Auch im zweiten Pandemiejahr verzeichnet der Kassel Airport deutlich weniger Passagiere als in der Zeit vor Corona. Dennoch will der Regionalflughafen sein Defizit weiter senken.

Calden/Wiesbaden - Der dauerdefizitäre Regionalflughafen Kassel will seinen Verlust trotz Corona-Pandemie und sinkender Passagierzahlen für 2021 und 2022 reduzieren. Das sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Wiesbaden der Deutschen Presse-Agentur. „Kassel Airport verringert das Defizit Jahr für Jahr“, sagte er. 2020 habe der Verlust 5,47 Millionen Euro betragen, 2019 noch 5,6 Millionen Euro.

Wie in der gesamten Tourismus-Branche sei die Nachfrage aufgrund der Verunsicherung der Kunden in der Corona-Pandemie gesunken, sagte eine Flughafen-Sprecherin. Aktuell gehe man davon aus, dass bis Ende des Jahres rund 37.500 Passagiere den Airport genutzt haben werden. Vor der Pandemie waren 130.000 Passagiere pro Jahr in Kassel gezählt worden. 2020 waren es etwa 27.500.

„In den letzten Monaten war die Nachfrage wieder angestiegen, durch die aktuelle Virus-Variante stagniert die Nachfrage“, sagte die Sprecherin. Die Kunden buchten meist eher kurzfristig oder verschöben Reisepläne ins nächste Jahr.

Die anderen Geschäftsbereiche, etwa die Allgemeine Luftfahrt oder die Entwicklung des Gewerbestandorts, hätten sich über das gesamte Jahr 2021 gut entwickelt, sagte sie. Gerade während der Corona-Krise habe sich das Geschäftsmodell des Kassel Airport bewährt, erläuterte der Sprecher des Finanzministeriums. „Die Geschäfts- und Privatflüge, die Vermietung und Verpachtung von Flächen: All das ging und geht trotz Corona recht gut weiter.“

Man gehe davon aus, dass durch die steigenden Impfquoten 2022 die Ausbreitung des Virus weiter eingedämmt und wieder entspanntes Reisen möglich sein wird und die Nachfrage steigt. So wird der Sommerflugplan 2022 um ein weiteres Ziel ergänzt. Die Airline Corendon fliegt den Angaben zufolge erstmals ab Kassel vom 4. Juni bis 29. Oktober zweimal pro Woche nach Antalya in der Türkei.

Die deutschen Regionalflughäfen standen schon vor Corona als unprofitabel in der Kritik. Die Pandemie hat ihre Lage noch verschärft. So rutschte der Flughafen Frankfurt-Hahn, an dem das Land Hessen 17,5 Prozent der Anteile hält, Mitte Oktober in die Insolvenz. Auch der Kassel Airport gilt wegen seines Dauerdefizits als politischer Zankapfel.

Einen Vergleich mit dem Flughafen Hahn lehnte das Finanzministerium ab. Der Airport in Calden stehe anders da, sagte der Sprecher. „Kassel Airport ist eine Infrastrukturmaßnahme für Nordhessen.“ Das Land Hessen ist mit 68 Prozent der größte Anteilseigner, weitere Gesellschafter sind die Stadt und der Kreis Kassel mit je 14,5 Prozent. Die Gemeinde Calden hält drei Prozent.

Auch das Geschäftsmodell des Kassel Airport ist dem Sprecher zufolge nicht mit dem des Hahn zu vergleichen. Es basiere nicht auf Billigfliegern und Luftfrachtflügen, sondern umfasse neben der Allgemeinen und der Kommerziellen Luftfahrt auch den Betrieb und die Weiterentwicklung des Gewerbegebiets. „Der Flughafen bietet und schafft Arbeitsplätze, bringt dem Land und der Region Steuereinnahmen und besitzt gute weitere Entwicklungsmöglichkeiten“, betonte er. Wie bei jedem Infrastrukturprojekt, gelte es auch beim Kassel Airport langfristig zu denken.

Die vieldiskutierte Rückstufung des Flughafens zum Verkehrslandeplatz lehnte die schwarz-grüne Landesregierung erst kürzlich erneut ab. Sie würde eine gezielte Entwicklung des Kassel Airport beeinträchtigen, hieß es in einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD. „Bei einer Rückstufung mit Einschränkung des Flugverkehrs würde sich zwar auch der Verlust reduzieren, aber die regional- und beschäftigungspolitischen Effekte, die die Landesregierung mit dem Ausbau verbunden hat, würden nicht mehr erreicht werden können.“

Wenig Perspektive für die Entwicklung des Kassel Airport sieht hingegen die Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler. „Der Flughafen versucht, sein Ergebnis durch Kurzarbeit, den Verkauf von Immobilien oder die Einrichtung von Corona-Testzentren zu verbessern“, sagte die Professorin für Betriebswirtschaft mit besonderem Schwerpunkt Luftverkehrsmanagement an der Frankfurt University of Applied Sciences. 2019 habe der Airport die Passagierzahlen zwar gesteigert, „aber die Coronakrise hat diesen kleinen Fortschritt bereits wieder zunichte gemacht.“

Selbst unter Berücksichtigung der Passagierzahlen von 2019 bleibe er immer noch hinter den Erwartungen der ursprünglichen Planung von rund 600 000 Flugreisenden pro Jahr zurück. „Langfristig bleibt der Flughafen vermutlich in der Verlustzone und wird Schwierigkeiten haben, die Beihilfe-Leitlinien der EU zu erfüllen“, prognostizierte sie.

Die Luftverkehrsleitlinien sehen vor, dass Betriebsverluste kleinerer Regionalflughäfen unter bestimmten Voraussetzungen noch bis 2024 mit öffentlichen Mitteln gedeckt werden dürfen. Danach soll die Subventionierung des laufenden Betriebs enden und die Standorte müssen sich selber tragen. dpa

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