Nordhessen

Sechs spannende Fakten zu den Märchen der Brüder Grimm

  • vonAxel Schwarz
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Von Kassel aus haben die Brüder Grimm ab 1806 mit dem Sammeln ihrer Märchen begonnen. Das sind die sechs spannendsten Fakten. 

  • Die Brüder Grimm haben ab 1806 von Kassel aus mit dem Sammeln von Märchen begonnen
  • Die Handexemplare der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm wurden 2005 ins Unesco-Weltdokumentenerbe aufgenommen
  • Die Handexemplare werden in der Grimmwelt in Kassel aufbewahrt

Kassel - Jedes Kind kennt die Märchen der Brüder Grimm. In Kassel werden die Handexemplare der „Kinder- und Hausmärchen“ aufbewahrt. Am 17. Juni 2005 wurden sie in die Liste des Unesco-Weltdokumentenerbes aufgenommen. Sie gelten als erste systematisch und wissenschaftlich aufbereitete Märchensammlung weltweit. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist eigentlich ein Handexemplar?

Ein Handexemplar ist ein Sonderdruck in Buchform mit breitem Korrekturrand. Auf diesem tragen die Autoren beziehungsweise Herausgeber Änderungen, Anmerkungen und Ergänzungen für die Überarbeitung ein. Es ist also eine Kombination aus gedrucktem und handgeschriebenem Wort in einem Band. Das Handexemplare der  „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm werden in der Grimmwelt in Kassel aufbewahrt. 

Brüder Grimm: Sechs spannende Fakten über die Märchen

Was sind Beispiele für solche Anmerkungen von Wilhelm und Jacob Grimm?

Bei der ersten Begegnung von Rotkäppchen mit dem Wolf heißt es im Drucktext des Märchens: „Der Wolf gedacht bei sich, das ist ein guter fetter Bissen.“ Dies spitzten die Brüder Grimm handschriftlich etwas dramatischer zu: „Dem Wolf wässerte das Maul und er gedacht bei sich...“

Auch als Gretel ihr Brüderchen Hänsel aus dem Stall der Hexe befreit, wurde die Beschreibung von den Brüdern Grimm per Anmerkung blumiger gemacht: „Gretel lief zum Hänsel, machte ihm sein Thürchen auf und Hänsel sprang heraus – handschriftlich ergänzt: „wie ein Vogel aus dem Käfig“ – und sie küssten sich einander und waren froh.“

Brüder Grimm: Grausame Märchen wurden gestrichen

Das Märchen „Tischlein, deck dich!“ ist weltweit bekannt. Eine handschriftliche Notiz gibt Aufschluss über die Herkunft des Märchens. Der Kasseler Forscher Prof. Dr. Holger Ehrhardt hat das Rätsel um das Märchen der Brüder Grimm gelöst.

Wurden dabei auch grausame Details aus den alten Erzählungen entschärft?

Ja, manches war den Herausgebern der „Kinder- und Hausmärchen“ dann doch zu heikel. So wurde etwa das gesamte Märchen „Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben“ schließlich gestrichen. In ihm sehen zwei Kinder, wie ihr Vater ein Schwein schlachtet, und ahmen dies an ihrem Brüderchen nach. Nach einer tragischen Kettenreaktion sind am Ende alle Familienmitglieder tot. Dieses Märchen der Brüder Grimm erschien in der 2. Auflage nicht mehr.

Rotkäppchen um 1910: Diese alte Illustration stammt aus der Feder von J. Felix Elßner.

Wie viele Handexemplare gibt es in Kassel?

In der Grimmwelt in Kassel gibt es persönliche Arbeitsexemplare der Erstausgaben beider Teile der Kinder- und Hausmärchen 1812 und 1815 der Brüder Grimm sowie der zweiten Ausgabe von 1819 und 1822 und dem dazugehörigen Anmerkungsband mit handschriftlichen Anmerkungen und Änderungen der Grimms. Die Bücher sind in einer Vitrine der Dauerausstellung zu sehen.

Märchen der Brüder Grimm: Handschriften befinden sich bei Genf

Gibt es auch die Handschriften der Brüder Grimm noch, nach denen die Märchenbücher erarbeitet wurden?

Ja. Die Brüder Grimm haben diese Schriften, nach denen die Märchenbücher erarbeitet wurden, Ende Oktober 1810 Clemens Brentano geschickt. Nach Brentanos Tod gingen die Schriften an einen Abt, der sie an das elsässische Trappistenkloster Ölenberg weitergab. Dort wurden sie im Ersten Weltkrieg wiederentdeckt. 

1953 wurden die Handschriften der Brüder Grimm in New York versteigert und von der Fondation Martin Bodmer erworben. Bodmer (1899 – 1971) war ein Schweizer Privatgelehrter, Sammler und Mäzen. In der von ihm gegründeten Bibliotheca Bodmeriana in Cologny bei Genf befinden sich die Handschriften der Märchen heute.

Brüder Grimm teilten sich Arbeit an Märchen auf

Die Universitätsbibliothek Kassel hat Briefe von Wilhelm Grimm gekauft. 16.600 Euro hat sie dafür ausgegeben. Die Schriftstücke stammen aus der Zeit, in der er in Kassel lebte.

Wie haben die Brüder Grimm ihre Arbeit bei der Märchen-Herausgabe aufgeteilt?

Die Brüder Grimm haben beide an der Märchen-Herausgabe mitgearbeitet. Jacob Grimm hat die meisten der Märchentexte geschrieben – mindestens 48, die Zahl ist nicht klar auszumachen, da manche Autoren nicht zuzuordnen sind. Wilhelm Grimm übernahm 14 Märchen, sieben Texte wurden von diversen Gewährsleuten verfasst. 

Durch den Versuch einer originalgetreuen Wiedergabe waren die Bücher der Brüder Grimm anfangs nur schwer zu lesen. Wilhelm Grimm überarbeitete immer wieder, um die Märchentexte publikumsfreundlicher zu machen. Damit setzte er sich gegen Jacob durch, der die Märchen unbearbeitet lassen wollte – so wie sie den Grimms von ihren Beiträgern erzählt wurden.

Rubriklistenbild: © Grimmwelt/Daniel Rothen/nh

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