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Hier gilt bis auf weiteres Tempo 30: Der Asphalt der Loßbergstraße ist auch nach der wiederholten Erneuerung des Asphalts nicht griffig genug

Tempo 30 bleibt

Straße in Kassel zweimal saniert - trotzdem sind weiterhin Mängel vorhanden

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Die Sanierung der Loßbergstraße droht zur bundesweiten Lachnummer zu werden: Auch nach der zweiten Erneuerung des Asphalts innerhalb kurzer Zeit ist die Fahrbahndecke immer noch mangelhaft.

Dies ergab ein Test, der kürzlich stattfand und nun ausgewertet wurde. Deshalb gilt bis auf unbestimmte Zeit dort weiter Tempo 30. Nun will die Stadt erneut Gespräche mit der Baufirma führen, wie hna.de* berichtet.

Seinen Anfang nahm die groteske Geschichte im Jahr 2013. Damals wurden die Loßbergstraße in Kirchditmold sowie die anschließende Heßbergstraße und der Abschnitt auf der Berliner Brücke für 5,5 Millionen Euro saniert. Vier Jahre später verhängte die Stadt in dem Bereich ein Tempo-30-Limit. Bei einer Überprüfung des Straßenbelags hatte die Straßenverkehrsbehörde festgestellt, dass dieser nicht die nötige Griffigkeit hat. Fahrer könnten bei höherer Geschwindigkeit mit ihren Autos ins Schleudern geraten, so die Argumentation.

Kassel: Straßenbelag fiel durch die Prüfung

Weil die Gewährleistungsfrist für die Bauarbeiten damals noch nicht abgelaufen war, musste die beauftragte Baufirma Rohde, die ihren Hauptsitz in Korbach hat, auf eigene Kosten nachbessern. So wurde im Frühjahr 2018 der komplette Asphalt wieder abgefräst und erneuert.

Doch der Aufwand sollte sich nicht gelohnt haben. Schon bei einem ersten Test im Herbst 2018 fiel der neue Straßenbelag wieder durch die Prüfung. Das Risiko, dass Autofahrer insbesondere in der Kurve zur Harleshäuser Straße die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren, bestand weiter.

So blieb der Stadt nichts anderes übrig, als auf die Mithilfe der Autofahrer zu hoffen. Diese sollten in den zurückliegenden Monaten den obersten Mörtelfilm der Straße abfahren. Dadurch, so die Stadt, verbessere sich die Griffigkeit der Straße. Doch auch Hunderttausende Autos, die seitdem auf der Straße unterwegs waren, konnten offenbar nichts am mangelhaften Zustand ändern. Denn als nun fast ein Jahr später ein neuer Fahrbahntest stattfand, war das Ergebnis abermals negativ.

„Die erforderliche Griffigkeit wird weiter nicht erreicht“, so der Stadtsprecher. In Gesprächen mit der Baufirma solle im Oktober erörtert werden, wie mit den vorliegenden Ergebnissen umgegangen werde. „Grundsätzlich ist es unser Ziel, dass der Mangel behoben wird“, so der Sprecher. Bis dies geschehen sei, werde weiterhin in den Straßenabschnitten Tempo 30 gelten, wie hna.de* berichtet. Auf der Straße sind täglich 28 000 Fahrzeuge unterwegs. Auf HNA*-Anfrage wollte sich die Firma Rohde nicht zu dem Fall äußern. Die Loßbergstraße ist heute Thema im Ortsbeirat Kirchditmold. 

Straße in Kassel muss wieder saniert werden: Fragen und Antworten

Die Loßbergstraße in Kirchditmold sorgt seit Jahren für Probleme, berichtet hna.de*. Seit ihrer Sanierung im Jahr 2013 genügt die Griffigkeit der Fahrbahn nicht mehr den Vorgaben. Auch eine Erneuerung der Asphaltdecke im vergangenen Jahr brachte keinen Erfolg. Wegen der Mängel gilt dort nach wie vor Tempo 30. Wir erklären, was es mit der Griffigkeit auf sich hat und wie sie getestet wird.

Was versteht man unter Griffigkeit der Fahrbahn?

Diese beschreibt den Reibungswiderstand zwischen Reifen und Fahrbahn. Dabei ist die Rauheit in der Kontaktfläche zwischen Fahrbahn und Reifen entscheidend. Die Griffigkeit – in der Formel 1 spricht man gerne von Grip – hat einen starken Einfluss auf die Verkehrssicherheit. 

Ist sie zu gering, besteht die Gefahr, dass Autos insbesondere in Kurvenbereichen ins Schleudern geraten. Besonders wenn die Straßenoberfläche durch Regenwasser nass wird – was die Griffigkeit weiter reduziert – steigt das Risiko eines Unfalls. Mit steigender Geschwindigkeit der Autos nimmt die Griffigkeit ebenfalls ab.

Wie wird die Griffigkeit getestet?

Nach Auskunft des Deutschen Asphaltverbandes stehen dafür unterschiedliche Messverfahren zur Verfügung. Bei manchen werden Messfahrzeuge eingesetzt, bei anderen wird mit einer stationären Apparatur die Griffigkeit des Asphalts untersucht. Bei allen Verfahren wird überprüft, ob die jeweiligen Grenzwerte der Testverfahren (diese sind nicht einheitlich) eingehalten werden. Die Loßbergstraße wurde zunächst mit zwei unterschiedlichen Verfahren getestet. Es fand sowohl eine dynamische wie eine stationäre Messung statt. 

Beide erbrachten dasselbe Ergebnis. Zuletzt wurde die Griffigkeit vor allem mit dem SRT-Verfahren überprüft. Dabei schwingt ein an einem Stativ hängendes Pendel über der Fahrbahnoberfläche. Die Reibung an der Kontaktfläche beeinflusst den Schwung des Pendels und ermöglicht Rückschlüsse auf die Griffigkeit. Bei ihrer Untersuchung haben sich die Fachleute vor allem auf die kritischen Kurvenbereiche zur Harleshäuser Straße und zur Heßbergstraße konzentriert.

Warum werden solche Tests gemacht und zu welchem Zeitpunkt?

Solche Tests kommen bei der Abnahme von Hauptverkehrsstraßen zum Einsatz oder sie werden etwa dann durchgeführt, wenn es bei Straßen aufgrund von vermehrten Unfällen Zweifel an der Griffigkeit gibt. Für die Messverfahren gibt es genaue Vorgaben, zu welchen Jahreszeiten und bei welchen Bedingungen diese zu erledigen sind. So haben Temperatur und Witterung Einfluss auf die Griffigkeit. Nach Auskunft des Asphaltverbandes werden nach dem Winter höhere Griffigkeitswerte erreicht als im Frühherbst. Längere Trockenperioden könnten durch Staub oder Blütenpollen zu schlechteren Messergebnissen führen.

Von Bastian Ludwig

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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