Umstrittene Äußerungen zu Homosexualität: Prof. Dr. Ulrich Kutschera und sein Verteidiger Markus Sittig im ersten Anlauf des Prozesses im Juni 2019.
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Umstrittene Äußerungen zu Homosexualität: Prof. Dr. Ulrich Kutschera und sein Verteidiger Markus Sittig im ersten Anlauf des Prozesses im Juni 2019.

Verfahren neu aufgerollt

Uni-Professor aus Kassel wegen Volksverhetzung vor Gericht

  • Katja Rudolph
    vonKatja Rudolph
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Ein Uni-Professor aus Kassel muss erneut auf der Anklagebank Platz nehmen: Ihm wird Volksverhetzung vorgeworfen.

  • Uni-Professor aus Kassel steht wegen Volksverhetzung vor Gericht
  • Prozess muss noch einmal von vorne beginnen
  • Dr. Ulrich Kutschera darf vorerst weiter an der Uni Kassel lehren

Dabei geht es um Äußerungen über Homosexuelle, denen der Wissenschaftler in einem Interview unter anderem eine grundsätzliche Neigung zum Kindesmissbrauch unterstellte.

Im vergangenen Juni war der Prozess nach einem Verhandlungstag geplatzt*. Grund war, dass Richter und Staatsanwalt keinen Fortsetzungstermin innerhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Zeitraums von drei Wochen gefunden hatten.

Kassel: Prozess wegen Volksverhetzung - Elf Zeugen und ein Sachverständiger müssen erneut aussagen

Nun muss das Verfahren gegen den nicht nur in Kassel umstrittenen Uni-Professor von vorne beginnen. Alle Aussagen von vergangenem Jahr dürfen nicht mehr verwendet werden. Das heißt auch, dass elf Zeugen und ein Sachverständiger erneut vor Gericht befragt werden müssen. Neben dem Vorwurf der Volksverhetzung, Beleidigung und Verleumdung wird dem Uni-Professor eine mutmaßliche Fahrerflucht vorgeworfen.

Zu dem Unfall, der sich bereits im September 2017 ereignete, wurden im ersten Anlauf des Verfahrens allein sieben Zeugen gehört. Schon damals – fast zwei Jahre nach dem Vorfall – konnten sich viele kaum noch an Details des Unfalltages erinnern.

Uni-Professor aus Kassel nannte die Homo-Ehe ein "mögliches Horror-Kinderschänder-Szenario"

Auch die Veröffentlichung des strittigen Interviews* auf dem österreichischen Internetportal „kath.net“ liegt inzwischen fast drei Jahre zurück. Darin hatte Uni-Professor Kutschera aus Kassel unter anderem gesagt, die sogenannte Homo-Ehe eröffne ein „mögliches Horror-Kinderschänder-Szenario“.

Prozess wegen Volksverhetzung: Professor wird weiterhin an Universität Kassel lehren

In wenigen Tagen wird der Uni-Professor Kutschera 65 Jahre alt. Bis zu seiner Entpflichtung im kommenden Jahr wird er noch an der Universität Kassel lehren, wo er seit 1992 eine Professur für Pflanzenphysiologie innehat. Wegen seiner Äußerungen zur Homosexualität sowie zu den Rollenbildern der Geschlechter und der Genderforschung ist der Professor auch an der Universität Kassel und unter den Studenten hoch umstritten.

Uni Kassel bietet Studenten eine Alternative zu dem Uni-Professor an

Seit dem Sommersemester 2018 hat das Präsidium einen weiteren Dozenten für die Evolutionsbiologie eingestellt, damit Studenten, die das Wahlpflichtmodul zum Thema belegen wollen, eine Alternative zu Kutschera haben. Das bestätigte eine Sprecherin der Universität Kassel auf Anfrage unserer Redaktion.

Für die Vorlesung und das begleitende Seminar, die jeweils im Sommersemester angeboten werden, hat der Evolutionsbiologe Dr. Sven Bradler von der Universität Göttingen einen Lehrauftrag. Dafür stellt die Universität Kassel nach Angaben jährlich rund 2750 Euro zur Verfügung.

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