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„Zusammen sind wir stark“: Unter diesem Motto fand am 27. Juni eine Kundgebung vor dem Regierungspräsidium Kassel in Gedenken an den ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke statt.

Gegendemos für elf Orte angemeldet

Kasseler Bündnis will Zeichen gegen Rechtsextreme setzen

Nach dem Mord an Walter Lübcke planen Rechtsextreme am Samstag eine Versammlung in Kassel. Die Stadt versucht, dies zu verhindern.

In Kassel stellt man sich die Frage: Darf die von der rechtsextremistischen Partei „Die Rechte“ angemeldete Demo am kommenden Samstag, 20. Juli, in Kassel stattfinden – ausgerechnet am 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler?

Die Stadt Kassel will die Demo, die unter dem Motto „Gegen Pressehetze, Verleumdung und Maulkorbfantasien“ steht, jedenfalls verbieten. Ob sie der Partei „Die Rechte“ bereits eine Verbotsverfügung zugestellt hat, darauf gab es am Montag keine Antwort aus dem Rathaus. Stadtsprecher Michael Schwab sagte nur, dass es noch keine Neuigkeiten gebe. Wenn dies der Fall sei, werde die Stadt auf die Medien zugehen.

Bei der Kasseler Polizei bereitet man sich derweil darauf vor, dass die Demonstration der rechtsextremen Partei am Samstag tatsächlich stattfinden wird. Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Werner stelle man sich durchaus auf 400 bis 500 Teilnehmer der Demo ein, die von Christian Worch angemeldet worden ist. Worch ist ein führender Kader der Neonazi-Szene.

Zudem gebe es bereits elf Anmeldungen für Gegendemonstrationen, so Werner. An mehreren Standorten im Stadtgebiet. Dazu hat das Kasseler Bündnis gegen Rechts aufgerufen. Die Polizei geht davon aus, dass sich auch überregionale Antifa-Gruppen an den Gegendemonstrationen beteiligen.

Auch die vor einem Dreivierteljahr von dem Unternehmen Wintershall in Kassel gegründete Initiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ will dem angekündigten Aufmarsch von Neonazis mit kreativem Protest begegnen. Banner der Initiative sollen auf Hauswänden rund um den Hauptbahnhof, dem potenziellen Aufmarschplatz der Neonazis, angebracht und in der Innenstadt (Treppenstraße) und an vielen Sichtachsen platziert werden.

Auch das Haus der Sozialwirtschaft (Treppe 4) will mit der Initiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ Flagge zeigen. Um 12 Uhr beginnt deshalb am Samstag ein Straßenfest am Obelisken. „Wir malen die Straße bunt, spielen Musik, zeigen Gesicht und jeder kann seinen Handabdruck für die Demokratie hinterlassen“, so Rosa-Maria Hamacher, Regionalgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Kassel sei vielfältig und es gebe vielfältige Formen des Protests. Die Teilnahme am Straßenfest sei eine Möglichkeit, um gegen die rechtsextreme Demo ein Zeichen zu setzen.

Lesen Sie dazu auch: Eine Stadt steht auf gegen Rechts: Demonstration mit Tausenden Teilnehmern in Kassel

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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