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Keine Einigung mit Piloten: Lufthansa prüft neue Airline

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Trotz Corona-Krise und Ukraine-Krieg können sich Lufthansa und ihre Piloten nicht auf einen Zukunftsplan einigen. Stattdessen soll es eine neue Airline richten, von der die Kunden möglichst wenig mitbekommen.

Frankfurt/Main - Im Strategiestreit mit ihren Stammpiloten setzt die Lufthansa auf die Gründung einer neuen Airline, die im Europaverkehr wesentliche Aufgaben der bisherigen Kerngesellschaft übernehmen könnte. Der MDax-Konzern treibt nach eigenen Angaben die Planungen für einen neuen Flugbetrieb (AOC) nach deutschem Recht voran. Zuvor war in der vergangenen Woche eine viertägige Tarifklausur in Wiesbaden mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ohne grundsätzliche Einigung geblieben.

Der geplante Betrieb soll Zubringerflüge für die Drehkreuze München und Frankfurt abwickeln und Arbeitsplätze für die bislang unversorgten Piloten der in der Corona-Krise eingestellten Tochter Germanwings bieten, heißt es in einem Schreiben an die Belegschaft, das am Dienstag in Frankfurt bekannt wurde. Es geht um rund 240 Pilotinnen und Piloten, denen sonst Ende März die Entlassung droht. Laut VC will der Konzern für den neuen Flugbetrieb den Markennamen Lufthansa nutzen.

Ende dieses Monats laufen die kurzfristigen Vereinbarungen zu Kurzarbeit und Sanierungsbeiträgen der rund 5000 Piloten bei Lufthansa und Lufthansa Cargo aus. Der Konzern hatte vor wenigen Wochen erklärt, trotz eines Personalüberhangs auf die zunächst angekündigte Entlassung von bis zu 1100 Beschäftigten zu verzichten. Dies setzte aber Vereinbarungen über die Piloten der Germanwings sowie der Lufthansa Cargo voraus, die auch über allgemeine Kosteneinsparungen in den Cockpits zu erreichen wären. Für die Germanwings-Kräfte funktioniere der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen nicht, weil der Flugbetrieb beendet sei, sagte eine Konzernsprecherin auf Anfrage. Man wolle und werde für die Mitarbeiter Lösungen finden.

Die VC hat sich bislang immer heftig gegen Versuche gewehrt, das Kerngeschäft unter der Marke Lufthansa an andere Flugbetriebe auszulagern, deren Piloten weniger verdienen. Dennoch wurde das Geschäft der Eurowings und der Langstreckentochter Eurowings Discover ausgeweitet, die auch weiterhin Piloten einstellen wollen. Zudem fliegt die Tochter Lufthansa Cityline mit kleineren Maschinen ebenfalls Zulieferverbindungen in die Drehkreuze.

VC-Präsident Stefan Herth bezeichnete die Strategie, immer neue Plattformen zu gründen und auch wieder zu schließen, als kurzsichtig und unkreativ. „Stattdessen sollte sich Lufthansa unbedingt auf die Verbesserung ihrer Produktqualität und auf effizientere Strukturen konzentrieren, statt ihr Heil in immer neuen Plattformen zu suchen.“ Die Lufthansa Group müsse ganzheitlich neu ausgerichtet werden.

VC-Tarifvorstand Marcel Gröls sprach sich gegen eine zusätzliche „Lufthansa light“ aus: „Eine weitere Zersplitterung der Tariflandschaft ist nicht in unserem Interesse und kann auch nicht im Interesse der Lufthansa liegen. Wir arbeiten deshalb an einem gemeinsamen Weg, der Lösungen für alle Beschäftigten-Gruppen in den Konzern-Cockpits bietet.“

Laut Lufthansa und VC kam es in der vergangenen Woche dennoch zu Teileinigungen. So sollen die rund 20 Fluglehrer der verkleinerten Bremer Verkehrsfliegerschule zur Lufthansa übernommen werden. Über einen Abfindungsprogramm bei der Frachtgesellschaft müsse noch weiter gesprochen werden. Es wurden weitere Termine vereinbart. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will am kommenden Donnerstag die Konzernbilanz für das Jahr 2021 vorstellen.

Auch die Flugbegleitergewerkschaft Ufo kritisierte die Pläne. Eine neue Plattform bedrohe die Arbeitsplätze massiv, da bereits angekündigt worden sei, dass zu sehr viel geringeren Kosten produziert werde, erklärte der UFO-Vorsitzende Daniel Kassa Mbuambi. „Auch eine Aufspaltung der Lufthansa-Passage in Lang- und Kurzstrecke wird dort erneut zu Personalüberhängen und letztlich damit auch zur Vernichtung von tarifierten Arbeitsplätzen führen.“ dpa

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