Schulserie

Im Keller der Schule schimmelt's, oben wird gelernt

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Schule soll Spaß machen, aber dazu muss das Gebäude intakt sein. Manche Schulen im Rhein-Main-Gebiet sind in einem beklagenswerten Zustand. Eine davon ist die Friedrich-Fröbel-Schule im Frankfurter Stadtteil Niederrad. Die Elternsprecherin dort sagt: ?Den Kindern fehlt wohl die Lobby.?

Der Keller ist versperrt. Ein Zettel im Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes teilt lapidar mit, dass das Betreten des Untergeschosses verboten ist. „Wir wissen nicht genau, was da unten ist“, sagt Sandra Lonquich, Schulelternsprecherin an der Friedrich-Fröbel-Schule im .

Vor vier Jahren wurde Schimmelbefall im Keller des Verwaltungsgebäudes festgestellt. Seither darf der Keller der nicht mehr genutzt werden. Unmittelbar über dem Keller befinden sich Sekretariat, Schulleitung, Lehrerzimmer und mehrere Unterrichtsräume. Täglich lernen, spielen und arbeiten hier Hunderte Menschen.

Die Stadt Frankfurt hat verschiedene Versuche unternommen, den Schimmel zu bekämpfen. Unter anderem wurde eine Luftschleuse aufgestellt. Außerdem, erzählt die Schulelternsprecherin, seien Gutachten erstellt worden. Aber: „Die Ergebnisse liegen weder der Schulleitung noch uns Eltern vor.“

Das städtische Amt für Bau und Immobilien auf Nachfrage teilt mit: „Der Untersuchungsbericht hat festgehalten, dass eine (…) ungenügende Abdichtung gegen eindringende Feuchtigkeit vorliegt“. Eine Sanierung des Kellerbereiches werde derzeit „betrachtet“.

Der Keller ist nicht das einzige Problem der Fröbel-Schule. Der Hausmeister-Bungalow im Garten ist ebenfalls gesperrt. Schwarzer Schimmel liegt auf den Wänden. Das einsturzgefährdete Gebäude darf nur mit Atemschutzmaske betreten werden.

Und dann ist da das Raumproblem: 320 Grundschüler werden zurzeit unterrichtet, in 15 Klassen. Der Platz reicht schon lange nicht mehr: Container auf dem Schulhof dienen als behelfsmäßige Unterrichtsräume. Jetzt schon ist klar, dass die Schülerzahlen in den kommenden Jahren steigen werden.

Die Friedrich-Fröbel-Schule ist kein Einzelfall. Viele hessische Schulen sind marode. Warum ist das so? Wer mit Schülern, Lehrern, Eltern und Politikern spricht, stellt fest:

Es fehlt nicht am guten Willen

. Es fehlt auch nicht an Projekten. Und möglicherweise fehlt es nicht mal am Geld. Es fehlt schlicht an politischem Durchsetzungswillen.

Fabian Pflume ist Mitglied der hessischen Landesschülervertretung. Er kennt die Zustände aus eigener Erfahrung: Ein ganzer Trakt der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden war monatelang gesperrt, nachdem das Regenwasser durch die Decke sickerte. „Aus Schülersicht sind diese Zustände bestürzend“, sagt er. „Wie soll man lernen, wenn man nicht auf die Toilette gehen kann? Wenn die Turnhalle gesperrt ist? Wenn Schimmel an den Wänden wächst?“ Man hört Pflume die Empörung an. „Wenn ich Entscheidungen treffen dürfte – ich würde jeden überschüssigen Cent in die Schulen stecken“, sagt er. „Wie kann man nicht sehen, dass das eine sinnvolle Investition ist?“

An der Fröbel-Schule in Niederrad kämpfen Schüler, Eltern, Lehrer und Politiker seit langem für eine Verbesserung der Zustände. Immer wieder erzielen sie kleine Erfolge. So sind die Schultoiletten vor einigen Jahren grundsaniert worden. Aber über die Zukunft des Gesamt-Komplexes herrscht Unklarheit. „Wir sind derzeit an der Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie, um die Situation an der Schule ganzheitlich anzugehen“, teilt das Amt für Bau und Immobilien mit. Bis wann die Ergebnisse vorliegen sollen, ist unklar.

„Der Sanierungsstau an den hessischen Schulen ist gewaltig“, sagt Fabian Pflume. Für den baulichen Zustand und die Ausstattung der Schulen sind in Hessen die Schulträger zuständig, das heißt die Kreise und für Frankfurt die Stadt selbst. „Sie alleine können das überhaupt nicht schaffen. Da müssen alle zusammenarbeiten.“ Aber das ist leichter gesagt als getan: In der deutschen Bildungspolitik herrsche ein Durcheinander der Zuständigkeiten. Jeder wolle überall mitreden – von den Kommunen über die Schulämter und Länder bis zum Bund. „Das macht die Sache ziemlich kompliziert“, sagt Pflume.

An der Fröbel-Schule verschärft sich das Problem im Wochentakt. Denn die Raumnot wächst. Im Zuge der Umwandlung der Bürostadt Niederrad in ein Wohngebiet werden zahlreiche neue Grundschüler erwartet. Die Stadt hat deshalb angekündigt, 2019 eine weitere Grundschule in Niederrad gründen zu wollen, im neuen Lyoner Quartier. Bloß gibt es diese Schule noch nicht, auch nicht auf dem Papier. Die Folge: Zurzeit melden Eltern ihre Kinder in der Fröbel-Schule an.

Helfen würden jetzt verbindliche Sanierungs-Zusagen. Aber die gibt es auch nicht. Denn die Stadt koppelt die Sanierung der Fröbel-Schule an die Kapazitäten der neu zu gründenden Grundschule. Das heißt: Solange es die neue Grundschule nicht gibt, wird über die Sanierung der Fröbel-Schule nicht entschieden. „Man verbaut sich mit bürokratischen Hürden Möglichkeiten, das Problem zu bekämpfen“, sagt Fabian Pflume.

Das im vergangenen Jahr neu gegründete Amt für Bau und Immobilien in Frankfurt sollte dort helfen: Erstmals sollen alle Zuständigkeiten in Sachen Schulsanierungen unter einem Dach gebündelt werden. Das soll die Bürokratie verschlanken und effizienter machen. Aber das Amt ist erst ein paar Monate alt, viele Stellen sind noch nicht besetzt. Amtsleiter Michael Simon hofft, dass die vakanten Stellen bis Herbst besetzt werden können.

Der Fröbel-Schule hilft das im Augenblick freilich wenig. Schulelternsprecherin Sandra Lonquich ist enttäuscht. „Niederrad und vor allem den Kindern fehlt wohl die Lobby“, sagt sie.

Die Situation ist vertrackt. Was tun? Lonquich denkt pragmatisch: „Aufgeben ist keine Option. Wir müssen uns Gehör verschaffen – und einfach weitermachen. Aber an die Zuständigen appelliere ich nach Goethe: Der Worte sind genug gewechselt, nun lasst uns endlich Taten sehen!“

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