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Kind in Sack erstickt: Lebenslange Haft für Mutter gefordert

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Vor dem Hanauer Landgericht läuft der Prozess gegen die Mutter des 1988 gestorbenen Jan H. Es ist der zweite Prozess in Zusammenhang mit der Hanauer Sekte, ind er die Mutter Mitglied war. (Symbolbild)
Ein Mikrofon in einem Gerichtssaal. © Friso Gentsch/dpa

Im Prozess gegen die Mutter eines vierjährigen Jungen, der in einem Sack erstickt ist, hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe für die Angeklagte wegen gemeinschaftlichen Mordes gefordert. Zudem plädierte Oberstaatsanwalt Dominik Mies am heutigen Donnerstag vor dem Landgericht Hanau auf die Verhängung eines neuen Haftbefehls gegen die 61-Jährige.

Hanau - Laut Anklage soll die Frau am 17. August 1988 ihr Kind in einen Sack gesteckt, diesen über dem Kopf verschnürt und in die Obhut einer mutmaßlichen Sektenchefin gegeben haben. Das Kind soll an seinem Erbrochenen erstickt sein.

Indem die Frau den Jungen in den Sack gesteckt, diesen über dem Kopf verschnürt und den Raum verlassen habe, habe sie den Tod des Jungen billigend in Kauf genommen, sagte Mies in dem Plädoyer. Zugleich sei das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe erfüllt: Durch die Tötung des Kindes sei die Machtposition der mutmaßlichen Sektenanführerin, die ein System aufgebaut habe, gefestigt und auch die Bedeutung der Angeklagten innerhalb dieses Systems gestärkt worden. „Für das System ein vierjähriges Kind zu töten, das steht nun wirklich auf sittlich niedrigster Stufe“, sagte Mies.

Laut Anklage soll die mittlerweile 75 Jahre alte mutmaßliche Sektenchefin dem Jungen nach dem Leben getrachtet und der Mutter des Jungen eingeredet haben, dass ihr Sohn die „Reinkarnation Hitlers, ein Machtsadist und von den Dunklen besessen“ sei. Auch habe die mutmaßliche Sektenanführerin der Gemeinschaft mehrfach prophezeit, dass der Junge bald „vom Alten“ - gemeint sei Gott gewesen - geholt werde.

Für den Nachmittag wurden auch die Plädoyers der Verteidigung erwartet. Gegen die Angeklagte war vor einigen Monaten ein Haftbefehl außer Vollzug gesetzt worden, da aus Sicht des Gerichts nach aktuellem Stand kein dringender Tatverdacht mehr bestand für einen gemeinschaftlichen Mord. Auch für eine Beihilfe zum Mord gebe es „keine gewichtigen Anhaltspunkte“, hieß es seinerzeit.

Bereits vor rund zwei Jahren war in dem Fall die mutmaßliche Sektenchefin wegen Mordes verurteilt worden, doch hob der Bundesgerichtshof diese Entscheidung im Mai dieses Jahres auf und verwies das Verfahren zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts Frankfurt. dpa

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