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Wir wollen malen, also malen wir: Alltag in der Kindertagesstätte Pauline in Wiesbaden.

Kindertagesstätte Pauline

Die Kinder machen, was sie wollen

In einer Serie stellen wir fünf verschiedene pädagogische Konzepte in hessischen Kindertagesstätten vor. Heute: die evangelische Kindertagesstätte Pauline in Wiesbaden. Hier treffen Kinder unterschiedlichen Alters in offenen Gruppen aufeinander. Gespielt wird, was die Kinder gerade wollen.

Die Arche Noah ist ein großes Schiff, randvoll gefüllt mit Dinosauriern und einem Hai. Ein kleines Ferkel ist auch da, es versteckt sich vor den Dinos. Denn: „Die Dinos sind böse“, sagt Leopold. Das Ferkel hat Angst vor den Dinos, sagt der Vierjährige. Aber einmal, da habe das Ferkel auf dem Rücken eines gehörnten Dinos gesessen, einem der bösen mit einem gezackten Panzer und „der Dino hat nix gemerkt, denn er hat fest geschlafen und geschnarcht“, sagt Leopold. Als die Kinder dann erfahren, dass etwas über sie aufgeschrieben wird, erklärt der Blondschopf plötzlich: „Ich kann schon meinen Namen schreiben“ und buchstabiert: „L-E-O“. Und der dreijährige Oscar fügt nachdrücklich hinzu: „Ich wünsche mir eine Garage für meine Autos.“

Wir sind in der evangelischen Kindestagesstätte Pauline in Wiesbaden an der Schiersteiner Straße. Draußen rauscht der Autoverkehr vorbei, während drinnen im Hinterhaus und im angrenzenden Garten an die hundert Kinder zwischen zwei bis sechs Jahre spielen. Heute sind viele mit Erkältung zu Hause, es ist gegen neun Uhr. Einige Eltern bringen gerade ihre Kinder vorbei, die Großen machen heute einen Ausflug ins Schloss Freudenberg, die ganz Kleinen sind in den Krippengruppen mit bis zu zehn Kindern untergebracht.

„Bei den ganz Kleinen kommt es in erster Linie darauf an, dass sie viel

Geborgenheit spüren

“, erklärt Kita-Leiterin Sonja Strauch. Die größeren Kinder ab drei Jahren werden in der Kita Pauline nach einem offenen Konzept betreut: Es gibt keine festen Gruppen. Die Kinder können, je nach Interesse, in verschiedenen Räumen, die thematisch geordnet sind, frei oder mit Anleitung spielen. Und selbst darüber entscheiden. „Wir haben zum Beispiel einen Rollenspielraum, da gibt es Puppen, einen Kaufladen und verschiedene Möglichkeiten zum Rollenspiel.“

Als wir dort hineinschauen, sitzen drei Mädchen gerade an einem Tisch und gucken, als hätten wir sie gerade unterbrochen. „Die drei spielen zusammen seit ein paar Wochen fast immer da drin, wir lassen ihnen diesen Raum für sich“, meint Strauch und schließt die Tür. In einem der anderen Räume, dem Bauraum sitzt Ben und baut ganz alleine aus Kapla-Steinen einen Turm. „Das ist es auch, was mich an der Arbeit mit den Kindern so fasziniert“, meint Strauch: „Das ist zum Beispiel total gut für Bens Konzentration, dieses ruhige Spiel mit den Steinen.“

Der hintere Teil des Raums liegt voll mit Baukunstwerken aus Lego- und Kapla-Steinen und überall liegen Zettel mit durchgestrichenen Händen herum. „Das sind die Zeichen dafür, dass es nicht weggeräumt werden soll. Einmal in der Woche räumen wir aber alle Klötzchen zusammen vom Boden, denn es muss ja auch mal geputzt werden“, so Strauch.

Draußen im Gang spielen die Zwillingsbrüder Ilyias und Krystallies gerade mit Max und ihren „Feuerkanonen“ aus weichem Kunststoff in einer Hängematte. Im Kreativraum nebenan wird gebastelt, ein Geschenk für die Eltern. Susan verziert gerade ihr Bild mit glitzernden Aufklebern. Max setzt sich dazu. „Willst du auch was basteln für deine Eltern?“, fragt ihn Strauch. Aber Max ist noch unentschlossen. Lisa aber weiß genau was sie will. Strauch soll ihr einen Schmetterling malen. Strauch animiert Lisa: „Such doch mal eine schöne Farbe aus.“ Das kleine Mädchen mit dem Pferdeschwanz wählt hellblau. Und Strauch fängt an zu malen, erst den langgezogenen Rumpf mit zwei Fühlern: „Ne Nacktschnecke!“, ruft Leopold, der auch vorbeigekommen ist.

Hinten an der Wand geht es richtig zur Sache. Samuel, mit einem Plastiklatz mit zwei Ärmeln vor Farbe geschützt, die Erzieherin Ester Mallon ihm angezogen hat, und einem Luftballon voll Wasser bewaffnet, malt damit ein Bild für seine Eltern. Die dickflüssigen Farben hat er zuvor selbst ausgewählt: Rot, Pink und Lila. Vorsichtig nimmt er nun den Ballon am dünnen Ende zwischen die Fingersitzen und tupft damit auf die Farbe und dann auf das weiße Blatt, es entsteht ein buntes Muster aus kreisrunden rot-pink-lilanen Tupfen.

Jedes Kind hat in der Kita einen Bezugserzieher, der über alle Entwicklungsschritte des Kindes Bescheid wissen muss und auch Ansprechpartner ist für die Eltern, erklärt Strauch. Doch manchmal sei es bei dem offenen Konzept nicht einfach, Informationen über das jeweilige Kind rechtzeitig weiterzugeben. Denn alle Erzieher teilen sich die Arbeit thematisch auf und sind so in ihren Bereichen dann auch für alle Kinder zuständig, die zu ihnen zum Spielen kommen. Die Erzieher wechseln sich mit den Themen ab: Die Kinder können teilnehmen, müssen es aber nicht. „Wenn dann einer partout nicht basteln will, gibt es auch mal kein Geschenk für die Eltern“, sagt Erzieherin Mallon. Was selten vorkomme. „Wir motivieren natürlich und regen an, mitzumachen. Und wenn die Kinder sehen, dass andere Kinder basteln, wollen sie das meist auch.“

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