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Nadia Röwe, Ernährungswissenschaftlerin

Interview

Kinder und vegane Ernährung: Ist das gut?

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Im Sommer soll in Frankfurt die erste vegane Kita aufmachen. Viele Bürger fragen sich, ob die vegane Ernährung überhaupt gut ist für Kinder. Wir haben bei der Ernährungswissenschaftlerin Nadia Röwe vom Bundeszentrum für Ernährung nachgefragt.

Ist eine vegane Ernährungsweise für Kinder geeignet?

Nadia Röwe: Vegane Ernährung ist für Kinder nicht geeignet, da sie sich noch im Wachstum befinden. Bei ihnen ist deshalb die ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen besonders wichtig. Der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel oder gar -gruppen kann zu Nährstoffunterversorgung führen.

Welche Nährstoffe sind das?

Röwe: Bei der veganen Ernährung ist der kritischste Nährstoff Vitamin B12. Außerdem besteht das Risiko einer Unterversorgung von Protein beziehungsweise unerlässlichen Aminosäuren, langkettigen Omega-3-Fettsäuren, einigen Vitaminen wie Vitamin D und Riboflavin und Mineralstoffen wie Kalzium, Eisen, Iod, Zink und Selen.

Was muss man beachten, wenn man seine Kinder vegan ernährt?

Röwe: Wenn man ein Kind dennoch vegan ernährt, sollte das Kind dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen, denn wir nehmen das Vitamin fast ausschließlich über die tierischen Produkte auf. Außerdem sollte die Versorgung mit Vitamin B12 regelmäßig ärztlich überprüft werden. Zusätzlich sollten gezielt nährstoffdichte und angereicherte Lebensmittel ausgewählt werden. Weiter sollte gegebenenfalls die Versorgung mit weiteren kritischen Nährstoffen regelmäßig ärztlich überprüft werden. Bei einem Nährstoffmangel sollte die Ernährung umgestellt, Nährstoffpräparate eingenommen oder angereicherte Lebensmittel verzehrt werden – bis der Mangel behoben ist. Und zu guter Letzt sollten sich die Eltern von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft beraten lassen. Denn durch bestimmte Kombinationen können die pflanzlichen Nährstoffe für den Körper leichter verwertbar gemacht werden.

Wie zum Beispiel?

Röwe: Tierische Proteine kann der Körper besser verarbeiten als pflanzliche. Aber in bestimmen Kombinationen kann die Aufnahme von pflanzlichem Protein verbessert werden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn man Hülsenfrüchte mit Vollkorngetreide zusammen isst. Genauso bei eisenreichem Gemüse wie Brokkoli, Feldsalat oder Fenchel. Kombiniert man es mit Vitamin C, also einem Apfel oder einer Kiwi zum Nachtisch oder einem Glas Orangensaft zum Essen, kann es der Körper besser nutzen.

Welche Menge tierischer Produkte benötigt ein Kind am Tag? Reicht es z.B. morgens ein Glas Milch zu trinken?

Röwe: Nein, es reicht für ein Kind nicht aus, morgens ein Glas Milch zu trinken. Kalzium ist beispielsweise wichtig für die Knochendichte und in großen Mengen in Milchprodukten enthalten. Je dichter die Knochen im Kindesalter werden, umso besser klappt es mit den Knochen im Alter. Wenn bereits als Kind eine Unterversorgung vorliegt, kann man das nicht mehr richtig aufholen. Es wird empfohlen, drei Portionen Milch und Milchprodukte am Tag zu essen. Eine Portion ist eine Hand voll. Da in eine Kinderhand weniger als in eine erwachsene Hand passt, ist die Menge dementsprechend geringer. Ein Beispiel, um auf drei Portionen zu kommen: Morgens zum Frühstück ein kleines Glas Milch, zum Nachtisch beim Mittagessen einen kleinen Joghurt und zum Abendrot eine Scheibe Käse. Außerdem wird empfohlen, in der Woche eine Eier-Speise, eine Fisch-Speise und bis zu drei Fleisch-Speisen zu essen. Vegetarisch geht es auch.

 

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