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Prozess

Kindermörder stellt Befangenheitsantrag gegen psychiatrischen Gutachter

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Für großen Wirbel sorgte gestern Medien-Meldungen („Focus“, „Bild“) dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft für den verurteilten Kindermörder Magnus Gäfgen zehn weitere Jahre Haft gefordert habe.

Für großen Wirbel sorgte gestern Medien-Meldungen („Focus“, „Bild“) dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft für den verurteilten Kindermörder Magnus Gäfgen zehn weitere Jahre Haft gefordert habe.

Zum Hintergrund: Das Landgericht Frankfurt hatte Gäfgen 2003 wegen der Ermordung des Bankierssohns Jakob von Metzler zu lebenslanger Haft verurteilt und dabei die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Nadja Niesen, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, dementierte gegenüber dieser Zeitung, dass die Staatsanwaltschaft „zehn Jahre weitere Haft“ für Gäfgen gefordert habe.

„Ich weiß nicht, woher diese Zahl stammt“, sagte Niesen und verweist darauf, dass Gäfgen bereits zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde. Für die Staatsanwaltschaft gebe es deshalb keinen Grund, „zwischendurch“ ein anderes Strafmaß festzustellen. Obwohl das Landgericht Frankfurt bei der Strafzumessung für Gäfgens Mordtat, die besondere Schwere der Schuld festgestellt hat, beantragte Gäfgen nach mittlerweile 15 Jahre Haft jetzt seine Freilassung auf Bewährung.

Ein Gutachten des Göttinger Psychiaters und Sachverständigen Georg Stolpmann könnte Gäfgen einen Strich durch die Rechnung machen. Der habe, so war aus Justizkreisen zu erfahren, festgestellt, dass sich an der Gefährlichkeit Gäfgens auch nach langen Jahren in der Haft nichts wesentliches geändert habe. Er habe seine Tat noch immer nicht „verarbeitet“, hieß es. Das hätten Justiz-Experten herausgefunden, in dem sie Gäfgen „spezielle Fragen“ gestellt hätten. Diese Experten attestierten dem Kindermörder ebenfalls, ein „guter Schauspieler“ und „Menschenfänger“ zu sein.

Laut „Focus“ komme Gutachter Stolpmann in seinem 72-seitigen Bericht aus dem Sommer des vergangenen Jahres zu dem Schluss, dass Gäfgen seine Tat, deren Vorgeschichte und die Motive noch nicht vollständig aufgearbeitet habe. Aus psychiatrisch-psychologischer Sicht sei in den „entscheidenden Punkten“ bei dem verurteilten Mörder keine positive Entwicklung erkennbar.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Gäfgen erneut einen Menschen töten könnte, stuft er laut dem Magazins als „relativ gering“ ein. Hinsichtlich anderer Straftaten bestehe jedoch ein „erhöhtes Risiko“. Deshalb müsse die sozialtherapeutische Behandlung auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden.

Gegen den Gutachter Stolpmann hat Gäfgen inzwischen einen „Befangenheits“-Antrag gestellt, über den die Strafvollstreckungskammer beim Landgericht Kassel letztlich entscheide.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat sich, wie Sprecherin Niesen sagte, gegen eine vorzeitige Haftentlassung Gäfgens ausgesprochen. Wie lange der Verurteilte noch im Gefängnis bleiben solle, werde die Staatsanwaltschaft während der Hauptverhandlung beantragen.

Für Gäfgens Frankfurter Anwalt Ulrich Endres waren besagte Medien-Meldungen „völlig neu“. Sein Mandant sei in der „Vollstreckung“ und „es laufe alles seinen Gang“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Nach Ansicht von Endres, könne ein Gericht erst nach 25 Jahren prüfen, ob Gäfgen aus der Haft entlassen werde oder nicht. Für Gäfgens Kindermord sei nämlich eine besondere Schwere der Schuld festgestellt worden.

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