Messe im Trierer Dom
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Bischof Stephan Ackermann (M) hält am ersten Weihnachtstag eine Messe im Trierer Dom.

Kirchen stellen Corona und Leid der Flüchtlinge in Fokus

In ihren Weihnachtspredigten sprachen die Vertreter der Kirche über die Nöte in der Corona-Pandemie an - und thematisieren das Leid der Flüchtlinge.

Mainz/Limburg/Darmstadt - Vertreter der Kirchen haben zu Weihnachten das immer neue Leid in der Corona-Pandemie und das Schicksal von Flüchtlingen in den Mittelpunkt gerückt. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sieht angesichts der Corona-Pandemie noch kein Ende der gesellschaftlichen Debatten. „Wir feiern Weihnachten in einer Zeit vieler verwundeter Seelen“, sagte Kohlgraf nach einem vorab verbreitet Text seiner Weihnachtspredigt am Samstag im Mainzer Dom. Die einen seien selbst an dem Virus erkrankt, hätten Sorge um ihre berufliche und existenzielle Zukunft oder einen Menschen durch den Tod verloren. Andere Menschen fühlten sich verletzt durch ihnen nicht einsichtige Corona-Regeln, sie fühlten sich ausgegrenzt und herabgesetzt. Die Folgen seien laut wahrnehmbar.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung ging in seiner Predigt ebenfalls auf die Corona-Pandemie und die Sorgen vieler Menschen ein: „Wir sind in einer Zeit, in der sehr vieles auf uns lastet. Die Pandemie macht große Sorgen. Die Nerven sind sehr strapaziert. Manche machen sich viele Sorgen um die eigene Zukunft oder auch um die Zukunft der Kinder und Enkelkinder.“ Gerade jetzt brauche es viele Menschen, die nicht nur an sich selbst denken, so Jung.

In seiner Weihnachtspredigt betonte Jung die „magnetische Kraft“ von Weihnachten. „An Weihnachten geht es im Tiefsten um das Geheimnis des Lebens“, hieß es in dem vorab verbreiteten Text der Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag. „Es ist ein Fest, an dem es um die tiefsten Fragen des Lebens geht.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sprach in seiner Weihnachtspredigt über Selbstzweifel. Viele Menschen auch in privilegierten Gesellschaften wie Deutschland litten darunter, sagte der Bischof am Samstag im Limburger Dom. Er frage sich, wie es dann erst denjenigen gehen müsse, denen die Lebensgrundlagen systematisch entzogen würden.

„Die flüchten müssen, weil Versteppung und Dürre, Fluten und andere Katastrophen ihren Lebensraum vernichten oder weil sie seit Kindertagen immer nur Krieg und Angst kennen - und dann an den Grenzen Europas auch noch benutzt werden im Kalkül eines autokratischen Machthabers.“ Damit spielte Bätzing auf die Lage der zwischen Belarus und Polen gestrandeten Flüchtlinge an.

Weiter fragte Bätzing: „Wie kommen die mit sich selbst klar, denen man nachstellt, nur weil sie beeinträchtigt sind, eine andere Hautfarbe haben, eine andere Geschlechtsidentität, weil sie anders glauben oder einer anderen kulturellen Prägung angehören? Der Glaube könne dabei helfen, sich selbst zu akzeptieren, sagte Bätzing. Denn nach christlicher Überzeugung dürfe sich jeder Mensch so wie er sei von Gott angenommen fühlen.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann rief in seiner Predigt an Heiligabend die Gläubigen dazu auf, ihr Leben bewusst und konsequent von Gott her zu denken. „Gott ist in diese Welt gekommen auf eine ganz neue Weise und konkret wie nie zuvor“, sagte er nach einem vorab verbreiteten Text. „Gott bricht mit seiner Gegenwart ein in unsere Zeit, und er nimmt diese Gegenwart nie wieder zurück. Gott ist gekommen, um zu bleiben.“

Ackermann erinnerte an eine Aktion von Christinnen an der Ahr, die im Advent eine „Herbergssuche anders“ gestartet hatten: Menschen konnten ihre Krippen spenden für die, die in der Flutkatastrophe im Juli ihre Familienkrippe verloren hatten. Es sei dabei nicht nur darum gegangen, irgendwelche „Ersatzkrippen“ zu beschaffen, sondern Krippen weiterzuschenken, die selbst schon eine Geschichte hatten. Wer eine Krippe anschaue, schaue nicht nur auf ein Damals, sagte der Bischof. „Der schaut ebenso auf unser Heute und das Morgen.“

In seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag im Trierer Dom schlug Ackermann den Bogen zwischen vergangenen Jahrhunderten und der aktuellen Pandemie. „Stellen wir uns nur einmal die Situation der nach wie vor andauernden Pandemie in früheren Jahrhunderten vor: Wie sehr hätte man versucht, den Willen Gottes dafür verantwortlich zu machen“, sagte Ackermann. „Und tatsächlich gab es zu Beginn des letzten Jahres vereinzelte Stimmen, die irrigerweise in der Situation eine Strafe Gottes sehen wollten.“

Der Fortschritt der Wissenschaften habe dazu geführt, dass Gott viel seltener und viel später zur Erklärung von Geschehnissen in der Welt herangezogen werde, das sei eine gute Entwicklung, sagte Ackermann. Gott sei heute viel weniger der „Lückenbüßer-Gott“, der er in der Vergangenheit oft habe sein müssen, wenn Menschen eine rationale Erklärung gefehlt habe oder Gott verantwortlich gemacht worden sei für Ereignisse, deren Ursprung im Verhalten der Menschen gelegen hätten. Gott sei derjenige, „der uns mit Verstand begabt hat und uns die großartige Möglichkeit gibt, die Geheimnisse der Welt und des Lebens tiefer zu entdecken und zu durchdringen und damit die Welt menschenfreundlicher zu gestalten“. dpa

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