1. Startseite
  2. Hessen

Kitas wegen Omikron unter Druck: Ruf nach Teststrategie

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Kit für einen Corona-Schnelltest
Ein Kit für einen Corona-Schnelltest liegt auf einem Federmäppchen. © Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die Omikron-Variante des Coronavirus greift in Hessens Kitas um sich. Neben vielen Kindern stecken sich zunehmend auch Beschäftigte an, so dass Einrichtungen teilweise oder ganz schließen müssen. Auch im Landtag wird jetzt der Ruf nach einer Testpflicht laut.

Wiesbaden - Die Omikron-Welle macht den Kindertagesstätten in Hessen schwer zu schaffen. Zahlreiche Infektionsfälle bei den Kindern und zunehmend auch beim Personal, Diskussionen mit den Eltern im Fall von Schließungen und uneinheitliche Quarantäneregeln bedeuteten eine Belastungsprobe für die Erzieherinnen und Erzieher, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen, Thilo Hartmann, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Um für einen besseren Infektionsschutz in den Kitas zu sorgen, forderte Hartmann analog zu den Schulen eine einheitliche Teststrategie und eine Priorisierung der Einrichtungen bei PCR-Testungen. Auch im hessischen Landtag plädierten mehrere Oppositionsfraktionen am Donnerstag für striktere Test-Vorgaben bei Kita-Kindern.

Nach den Worten Hartmanns liegen zwar keine genauen Zahlen zu Krankheitsfällen beim Kita-Personal vor, doch träten diese seit Jahresbeginn deutlich gehäuft „und in seither ungebrochen steigender Tendenz auf“. Auch der Hessische Städte- und Gemeindebund sprach von einer Häufung der Krankheitsfälle beim Kita-Personal.

Die Inzidenz bei Kita-Kindern unterscheide sich in den meisten Landkreisen nur leicht von der allgemeinen Infektionslage, erklärte Hartmann. „Dass sie im Vergleich zu Schulkindern geringer ist, ist möglicherweise auch darauf zurückzuführen, dass in den Kitas nicht so gleichmäßig und regelhaft wie in Schulen getestet wird.“ Insgesamt sei das Corona-Virus in der vergangenen Woche bei 3500 hessischen Kindern im Alter von bis zu 4 Jahren nachgewiesen worden. Wie im Schulbereich liege der Fokus des Infektionsgeschehens auf dem Rhein-Main-Gebiet.

Müssen Einrichtungen coronabedingt schließen, so fallen die Reaktionen der Eltern nach den Worten Hartmanns sehr unterschiedlich aus. „Sie reichen vom Unverständnis und Ablehnung bis hin zum Vorwurf, warum die Einrichtung so lange geöffnet gewesen sei.“ Insgesamt sei der Diskussionsbedarf sehr groß, in manchen Einrichtungen stehe das Telefon tagelang nicht still.

Als „hochproblematisch“ kritisierte der GEW-Vorsitzende, dass das hessische Sozialministerium den Kommunen bezüglich der Quarantäne-Anordnungen im Infektionsfall keine Vorgaben mache. „Zum einen entzieht sich das Ministerium der Verantwortung, unpopuläre, aber notwendige Maßnahmen zu treffen. Zum anderen verschärft die Heterogenität der Maßnahmen den Druck auf das pädagogische Personal vor Ort, welches die Entscheidungen den Eltern kommunizieren und rechtfertigen muss.“

Auch der hessische Elternbund pochte auf landesweit einheitliche Quarantäne-Regeln für die Kitas. Für Eltern, die etwa in Orten an Landkreisgrenzen lebten, sei es schwer nachvollziehbar, wenn für die Kita im Nachbarort andere Regeln gälten als in der Einrichtung im eigenen Wohnort, erklärte Birgid Oertel, Vorstandsmitglied des Elternbundes Hessen. Das führe zu vielen Diskussionen für die Erzieherinnen und Erzieher, die ohnehin belastet genug seien.

Im Landtag sprachen sich Vertreter von FDP und SPD für eine flächendeckende Testpflicht aus. Die Linksfraktion plädierte dafür, dass jede Kita verbindlich zwei Mal wöchentlich Tests ermöglichen muss. Alle drei Fraktionen machten sich zudem dafür stark, dass das Land die Tests bezahlt. Derzeit werden die Kosten für drei Corona-Tests pro Woche für Kita-Kinder zur Hälfte vom Land getragen. Die Tests sind freiwillig.

„Es ist offenkundig, dass eine 50-prozentige Kostenübernahme nicht ausreicht. Die Kommunen oder privaten Träger, die die andere Hälfte tragen müssen, haben bislang nur einen Bruchteil der zur Verfügung stehenden Landesmittel verwendet“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende René Rock.

Vom Sozialministerium hieß es zu den Quarantäne-Regeln, diese gingen auf einen gemeinsamen Beschluss des Bundes und der Länder zurück. Die Entscheidung, ob und inwieweit eine Kita oder Kita-Gruppe unter Quarantäne gestellt werde, treffe jeweils das zuständige Gesundheitsamt nach Beurteilung des Einzelfalls. Der Anteil der betreuten Kinder habe in der vergangenen Woche laut Corona-Kita-Studie des Berliner Robert Koch-Instituts und des Deutschen Jugendinstituts in Hessen bei 87 Prozent gelegen - „das entspricht dem Bundesdurchschnitt“, so das Ministerium.

Daraus gehe auch hervor, dass die Impfquote des pädagogischen Kita-Personals in hessischen Kitas über 90 Prozent liege und damit deutlich über dem Wert der Gesamtbevölkerung. „Das ist aus hessischer Sicht erfreulich.“

Die Folgen der Infektionswelle zeigen sich etwa in der Landeshauptstadt Wiesbaden, die bereits vor Tagen bei der Sieben-Tage-Inzidenz die Schwelle von 2000 überschritten hatte. Nach Regelungen des Gesundheitsamtes gelten hier bei einer infizierten Person in der Kita alle Kinder und Mitarbeiter aus der gleichen Kindergartengruppe als enge Kontaktpersonen und müssen in Quarantäne, wie Sozialdezernent Christoph Manjura mitteilte.

Dies führe regelmäßig dazu, dass Gruppen innerhalb der Einrichtungen geschlossen oder das Betreuungsangebot reduziert werden müsse. Das war am Dienstag dieser Woche in 51 von 190 Wiesbadener Einrichtungen der Fall. Sieben Kitas waren zu diesem Zeitpunkt ganz geschlossen.

In Fulda hingegen muss seit Mittwoch nicht mehr die ganze Kita-Gruppe in Quarantäne, sondern nur das infizierte Kind oder der infizierte Betreuer, wie ein Pressesprecher der Stadt erklärte. So wolle man Schließungen ganzer Gruppen verhindern. Zu viele Infektionen unter den Mitarbeitern könnten jedoch zu eingeschränkten Betreuungszeiten führen. Trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1613,7 am Mittwoch habe es bislang ausreichend Personal gegeben, „um das Betreuungsangebot nahezu uneingeschränkt aufrecht zu erhalten“, betonte der Sprecher. „Wir halten die Kitas so lange wie möglich und so umfänglich wie möglich offen.“ dpa

Auch interessant

Kommentare