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Klassenfahrten boomen wieder

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Von: Christiane Warnecke

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Gruppenerlebnisse in der Natur - wie hier am Hoherodskopf - sollen das Gemeinschaftsgefühl der Schüler stärken. FOTO: DJH
Gruppenerlebnisse in der Natur - wie hier am Hoherodskopf - sollen das Gemeinschaftsgefühl der Schüler stärken. © Björn Reschabek

Trotz Einschränkungen setzen die Schulen wieder auf mehrtägige Gemeinschaftserlebnisse

Frankfurt -Hessens Schüler müssen seit Beginn der Corona-Pandemie mit vielen Einschränkungen leben. So sind auch viele Klassenfahrten ausgefallen oder wurden storniert. Das Infektionsrisiko in vollen Reisebussen und Sammelunterkünften in Jugendherbergen schien einfach zu hoch. Doch inzwischen sind Klassenfahrten nach Auskunft der hessischen Landesregierung wieder erlaubt. "Seit September sind wieder Fahrten im Inland möglich, seit Februar auch wieder ins Ausland", berichtet Philipp Bender, Sprecher des hessischen Kultusministeriums. Und die Möglichkeit werde auch wieder rege in Anspruch genommen

Es gibt allerdings noch einige Auflagen. So sind die Schulen gehalten, nur stornierbare Reisen zu buchen oder eine entsprechende Rücktrittsversicherung abschließen. "Das Land übernimmt nicht mehr die Stornierungskosten", betont Bender. In den ersten Monaten der Pandemie hatte das Land sämtliche Stornierungskosten getragen. Das habe zehn Millionen Euro gekostet, berichtet der Ministeriumssprecher.

Inzwischen haben sich auch die hessischen Jugendherbergen auf die Bedürfnisse der Schulen unter Pandemiebedingungen eingestellt. Schulklassen können bis Ende 2022 ohne Risiko buchen. "Generelle Absagen sind mit der Flexrate kostenlos bis 28 Tage vor Anreise möglich, coronabedingte Absagen sogar bis zum Anreisetag", versichert Knut Stolle, Marketingleiter beim hessischen Jugendherbergsverband.

So boomt das Geschäft mit den Klassenfahrten inzwischen wieder. Für das laufende Jahr erwartet Stolle eine genauso hohe Gästezahl wie 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie. Nur bei den Jugendlichen in der Sekundarstufe zwei seien die Buchungszahlen noch etwas niedriger. Auch der Landeselternbeirat beobachtet wieder ein großes Interesse an Klassenfahrten - trotz der noch bestehenden Testpflicht.

Unterwegs gelten die gleichen Testregeln wie im Klassenraum. "Es handelt sich um eine schulische Veranstaltung, nur an einem anderen Ort", erläutert Bender.

Was manche Eltern mit ihrer Zustimmung zögern lässt, ist die Regel, dass sie ihre Kinder am Zielort abholen müssen, falls diese unterwegs positiv auf Corona getestet werden. Das sei aber die ganz große Ausnahme, sagt Jugendherbergssprecher Stolle. Es handele sich um drei bis fünf Fälle pro Woche in allen hessischen Jugendherbergen zusammen, da die Kinder ja auch vor der Abfahrt getestet würden und Infizierte gar nicht erst mitfahren dürften. Vor diesem Hintergrund "sollten es sich die Schulen aber gut überlegen, ob eine Reise ins Ausland wirklich nötig ist", gibt der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Volkmar Heitmann, zu bedenken.

Für Klassen, die darauf verzichten, in die Ferne zu schweifen, haben die hessischen Jugendherbergen ihre Angebote ausgeweitet - pandemiebedingt mit Veranstaltungen in kleinen Gruppen und draußen. Denn viele Kinder hätten einen enormen Nachholbedarf an sozialem Miteinander, begründet Stolle. Aus Sicht vieler Lehrer- und Schülerverbände seien die Fahrten für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen sehr wichtig. "Klassenfahrten integrieren wichtige Entwicklungsschritte in die Schulzeit und schaffen Erlebnisse, die ein Leben lang im Kopf bleiben", sagt Stolle und ergänzt: "In vielen Gesprächen, die wir mit Lehrpersonen, Wissenschaftlern und Bildungsexperten geführten haben, wurde uns bestätigt, dass eine Klassenfahrt, insbesondere mit Blick auf die aktuelle Lage, keine Zeitverschwendung ist." Im Gegenteil: Sie sei ein großer Gewinn für das Gemeinschaftsgefühl.

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