Plastikmüll versuchen die Hessen zu vermeiden. Foto: Marlene Diehl und Hanna Feige

Junge Zeitung

Mit kleinen Taten Großes bewirken

Wie sich die Hessen für den Klimaschutz engagieren. Ein Artikel von den JUNGE-ZEITUNG-AUTORINNEN HANNA FEIGE UND MARLENE DIEHL

Bad Vilbel – In Zeiten von Greta Thunberg und „Fridays For Future“ drängt sich immer mehr die Frage auf, was jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen kann. Laut einer selbst geführten Umfrage unter Besuchern des Tags der offenen Tür am Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel offenbart die umweltschonenden Strategien der befragten Vilbeler. Auffällig ist, dass von den 67 Teilnehmern besonders die 13- bis 18-Jährigen verschiedene Aspekte zu einem klimafreundlicheren Leben bedenken. Vor allem achtet die jüngere Generation auf einen geringeren Konsum von Plastik und eine häufigere Nutzung von Fahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln. Allerdings können viele Jugendliche auch kein Auto fahren.

Verzicht auf Fleisch

Jedes zweite Mädchen der 15- bis 18-Jährigen verzichtet entweder auf Fleisch oder hat zumindest den Konsum reduziert. Ältere Befragte denken eher über ein Elektro- oder Hybridauto nach und wollen sparsamer Heizen sowie ihren Stromverbrauch reduzieren. Auch der Kauf von Bio-Lebensmitteln sowie von regionalem oder saisonalem Obst und Gemüse wurde oft genannt. Über alle Altersgruppen hinweg wollen die meisten Plastik reduzieren. Dabei reichen die Möglichkeiten von Papierverpackungen und Wachstüchern anstelle von Alu- oder Frischhaltefolie bis hin zur Vermeidung von Mikroplastik in Kosmetik und dem Einkaufen mit Stoffbeuteln.

Wichtig scheint Vielen auch das Wiederverwenden von Kleidung zu sein. Alle Altersgruppen wollen außerdem stärker den ÖPNV oder das Fahrrad nutzen, um Schadstoffe zu reduzieren. Weniger Engagement findet sich im Klimaaktivismus und Spenden an Umweltorganisationen. Trotzdem leistet so mancher auch Aufklärungsarbeit oder beteiligt sich an Umweltschutzprojekten.

Plastik wird gemieden

Nadine Fischer (29) achtet besonders auf einen klimafreundlichen Einkauf. „Ich versuche, Plastiktüten zu vermeiden, sowie regional und saisonal einzukaufen. Das ist aber gar nicht so einfach, wenn alles in Plastik verpackt ist.“ Die Lehrkraft am Georg-Büchner-Gymnasium findet es wichtig, mehr zu hinterfragen: „Nur weil es als „grün“ ausgewiesen wird, muss es noch lange nicht klimafreundlich sein. Wenn man zum Beispiel auf grünen Strom umsteigt, bekommt man trotzdem ein Gemisch aus erneuerbarer Energie und herkömmlichem Kohlestrom. “, erklärt die Lehrerin.

Cornelius Klodt (20) findet, das jetzige Klimapaket sei ein Kompromiss und als Zeichensetzung zu verstehen. „Ich bin mir sicher, dass die Maßnahmen in Zukunft noch härter werden. Man muss langsam beginnen“, meint der Politikwissenschaftsstudent. Er selbst ist viel mit dem Fahrrad unterwegs und versucht, Fleisch nur bewusst zu konsumieren. Dass die aktuelle Klimapolitik Deutschlands hingegen total spartanisch sei, betont Schülerin Melanie Sherriffs (17). „Man muss härtere Maßnahmen ergreifen und sich nicht so viel auf die Wirtschaft konzentrieren, obwohl die natürlich auch wichtig ist“, äußert sie sich. „Ich esse nur noch selten Fleisch, und wenn, dann auch nur Bio.“ Außerdem vermeide ihre Familie Plastikflaschen und spende regelmäßig an Organisationen, die im Regenwald Bäume pflanzen.

Kommentar von Hanna Feige und Marlene Diehl

Fakt ist, dass wir etwas an unserem Lebensstil ändern müssen, wenn wir weiterhin auf dieser Erde ein gutes Leben führen möchten. Aber was können wir in unserem Alltag verändern, um nachhaltiger zu leben? Der bewusste Konsum von tierischen Produkten ist ein wichtiger Schritt Richtung Nachhaltigkeit, genauso wie ein bedachter, sparsamer Einkauf. Wir überlegen uns genau, warum und ob wir etwas kaufen. Wichtig ist uns dabei auch, auf Plastik zu verzichten. Dabei befinden wir uns in guter Gesellschaft, wie die Umfrage zeigt. Alltagshandlungen, wie das Trennen von Müll oder der Verzicht auf Plastikbeutel, sind für viele Vilbeler eine Selbstverständlichkeit. Erfreulich ist für uns,, dass sich viele Menschen mit ihrem Einfluss auf die Umwelt auseinandersetzen. Aufwendigere Aktionen wie Klimaaktivismus sind weniger vertreten. Während Schüler eher für das Klima demonstrieren, scheint es, als lehne sich die ältere Generation zurück. Da zeigt sich Nachholbedarf.

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