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Die Polizeioberkommissarin kann sich 11 104 Nachkommastellen der Kreiszahl Pi merken.

Portrait

Kommissarin Susanne Hippauf ist ein Zahlen-Genie

In Zeiten, in denen kaum mehr jemand zwei Telefonnummern auswendig weiß, sticht eine junge Frau aus Offenbach besonders heraus: Sie kann sich Tausende Zahlen merken. Gerade trainiert sie für den nächsten Rekord. Mit dabei: Angela Merkel, Donald Trump und ihre Oma.

Zahlen, seitenweise Zahlen. Susanne Hippauf blättert in ihrem Übungsblock, auf dem sie Tausende Nachkommastellen der Kreiszahl Pi notiert hat. Mehr als 11 000 davon sind im Gedächtnis der Polizistin gespeichert. Keine andere Frau kann sich ausweislich der Weltrangliste derzeit einen größeren Abschnitt der auf Billionen Stellen errechneten Reihenfolge merken. Und bald sollen es noch viel mehr sein. Denn die Offenbacherin bereitet sich darauf vor, den deutschen Meistertitel zurückzuerobern, den ihr erst vor wenigen Wochen ein Konkurrent aus Nordrhein-Westfalen abgenommen hat.

„Ich konnte mir schon immer gut Zahlen merken“, sagt Hippauf, die als Oberkommissarin beim Polizeipräsidium in Frankfurt arbeitet. Die Idee zu dem ungewöhnlichen Hobby entstand vor etwa drei Jahren bei einem internen Bewerbungsverfahren: „Da war auch ein Gedächtnistest dabei und ich wollte mich vorbereiten.“ Die Polizistin realisierte rasch, dass sie in Sachen Gedächtnis ein besonderes Talent hat und es packte sie der Ehrgeiz: „Ich wollte testen, was ein Gehirn leisten kann.“

Bei ihrer ersten Meisterschaft im Mai 2016 errang sie prompt den süddeutschen Vize-Titel. Im März 2018 stellte die 37-Jährige dann bei einer Meisterschaft in Emden einen deutschen Rekord auf. Fünfeinhalb Stunden lang schrieb sie genau 11 104 Nachkommastellen der mit 3,14 beginnenden Zahl Pi auf.

Um sich die zu merken, hat Hippauf die Zahlen von 0-99 auf 100 Menschen verteilt. Darunter sind etwa Prominente, die in einem bestimmten Jahr geboren sind, wie Bela B. von der Band Die Ärzte, der so die „62“ erhielt. Die Personen postiert sie an einer Strecke, die sie sich ausdenkt. So prägt sich die 37-Jährige eine Reise von Ort zu Ort und Mensch zu Mensch ein. Beim Pi-Memorieren, wie ihr Hobby auch heißt, geht sie dann im Geist den Weg ab.

„Das macht einfach total viel Spaß“, berichtet die Polizistin. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump helfen ihr so beim Lernen, ebenso wie Freunde und Bekannte. Auch Fußballspieler und ihre Oma sind dabei. Ein Abschnitt der fantasievollen Gedankenreise lautet beispielsweise: „Angela Merkel sonnt sich am Strand vor Kapstadt, während meine Oma ins Wasser rennt und Bastian Schweinsteiger einen Kopfsprung macht.“

Wenn sie auf Reisen sei, denke sie immer an ihre Gedächtnisrouten, berichtet die 37-Jährige. „Da steckt bestimmt schon mein halbes Leben darin.“ Mithilfe dieser sogenannten Loci-Technik (das lateinische „locus“ bedeutet „Ort“) lassen sich auch andere Inhalte auswendig lernen und längerfristig speichern. Sie soll bis auf das antike Griechenland zurückgehen, damals sollen sich auf dieser Weise Redner ihren Text eingeprägt haben.

Um sich den deutschen Rekord zurückzuholen, der seit Mitte September bei 15 320 Nachkommastellen liegt, will Hippauf jetzt bis zur Marke von 20 000 vordringen. „Da ändere ich meine Technik und gehe in Viererblocks vor“, sagt die Polizistin. Dann präge sie sich auch Objekte ein und positioniere sie auf der Wegstrecke zusätzlich neben den Personen. Beim Lernen der riesigen Zahlenmenge werde sie auch auf ihren Sommerurlaub in den USA zurückgreifen und die Erlebnisse einarbeiten, sagt Hippauf.

Zum offiziellen Weltrekord ist allerdings selbst dann noch Luft nach oben: Er steht bei mehr als 70 000 Nachkommastellen und wird von einem Mann aus Indien gehalten – der ausweislich der Weltrangliste im Jahr 2015 mehr als 17 Stunden zum Aufzählen brauchte. „Wenn man genug Zeit hat, sich vorzubereiten, ist das schon möglich“, sagt die Polizistin dazu.

(dpa)

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