Vogelschutzwarte in Frankfurt

Kraniche auf der Flucht vor dem Winter

Noch immer sind Kraniche über Hessen auf ihrem Weg nach Süden unterwegs. Tausende flüchten vor der Kälte und Schnee in Nord- und Ostdeutschland in Richtung Süden.

Mitten im Winter sind immer noch Kraniche über Hessen auf ihrem Weg nach Süden unterwegs. "Es sind aber nur noch ein paar Tausend", sagte Gerd Bauschmann von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur. Etwa 120 000 bis 130 000 der Vögel seien bereits in der spanischen Extremadura angekommen.

Wegen Kälte und Schnee in Nord- und Ostdeutschland haben sich die Kraniche auf den Weg in Richtung Süden gemacht. Durch die Vereisung der Gewässer, den gefrorenen Boden und die Schneedecke hätten die Vögel Schwierigkeiten, noch genug Nahrung zu finden, sagte der Leiter des Kranich-Informationszentrums, Günter Nowald, in Groß Mohrdorf bei Stralsund. Auch fehlten geschützte Plätze zum Übernachten.

Wegen des milden Wetters im Dezember verharrten bislang mehr als

10 000 Kraniche in Deutschland, darunter im Großraum Berlin und in der Diepholzer Moorniederung (Niedersachsen). Kleinere Trupps blieben auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie in der Wetterau in Mittelhessen.

Die Kraniche ziehen auf ihrer Route von Skandinavien und dem Baltikum zu ihren Winterquartieren im Südwesten Spaniens über Hessen. "Hessen ist ein zentrales Zugland", sagte Biologe Bauschmann. In den Steineichenwäldern der Extremadura lebten sie im Winter von den Eicheln und flögen nachts auf schwimmende Reisfelder in der Nähe. "Da kommt kein Fuchs hin." Der Rückflug nach Norden habe noch nicht begonnen, könne aber bereits Ende Januar losgehen. "Die Hochzeit ist allerdings erst im Februar und März."

Trotz der milden Temperaturen: "Bei uns in Hessen überwintern sie nicht", sagte der Vogelfachmann. Aber manche legten eine Rast ein. "Einige bleiben vielleicht ein bisschen länger, wenn es noch keinen Schnee gibt und sie genug zu fressen finden." Denn der Flug koste Energie.

In der Wetterau etwa gebe es noch einige kleinere Schlafplätze, von denen sich die Kraniche auch mal Richtung Norden aufmachten, um auf den Stoppelfeldern Erntereste von Getreide oder Mais zu suchen. "Das sind aber nur kleinere Trupps von 100 bis 300 Tieren." Diese Kraniche flögen recht tief und meistens am Vormittag. Die Zugvögel Richtung Süden seien dagegen vor allem nachmittags zu beobachten. Sie fliegen in V-Formationen von 60 bis 200 Tieren und verständigen sich mit lautem Trompeten.

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