Prozessauftakt wegen Mordes
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Ein Justizmitarbeiter, der Angeklagte und die Anwälte des Angeklagten warten auf den Prozessbeginn.

Kranke Frauen zum Suizid getrieben?: Angeklagter schweigt

In Selbsthilfeforen im Internet soll ein Mann seine Opfer gesucht und gefunden haben. Eine der Frauen brachte sich um, die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord vor.

Limburg - Der grauhaarige Mann auf der Anklagebank im Limburger Amtsgericht sitzt auf seinem Stuhl, als ginge ihn das alles nichts an. Die Beine nach vorne gestreckt, die Hände gefaltet auf den Bauch gelegt, hört er sich am Freitagmorgen zumindest äußerlich ruhig die Anklagen an, die zwei Staatsanwälte abwechselnd vorlesen. Es geht um Mord und versuchten Mord. Der aus Löhnberg (Kreis Limburg-Weilburg) stammende Mann soll drei psychisch kranke Frauen zum Suizid gedrängt haben - eine von ihnen brachte sich um.

Das Motiv des Deutschen laut Anklagebehörde: sexuelle Befriedigung. Ihm droht eine lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Sein Mandant werde sich erstmal nicht zu den Vorwürfen äußern, sagt einer seiner beiden Rechtsanwälte. Dies werde er später in der Verhandlung nachholen.

Der 62-Jährige habe seit seiner Jugend eine Vorliebe für sadistischen Sex, so die Staatsanwaltschaft. Zunächst habe er Hinrichtungsszenarien bei Prostituierten ohne vorherige Absprache ausgelebt und dabei Frauen in Todesangst versetzt. Spätestens im Jahr 2007 soll er auf entsprechenden Internetseiten gezielt nach psychisch kranken Frauen gesucht haben, um an diesen seine sadistischen Fantasien auszuleben. Er soll sie gedrängt haben, sich entweder selbst zu töten oder sich von ihm umbringen zu lassen. Wegen eines ähnlichen Vorwurfs ist er bereits einmal verurteilt worden, die Strafe von sieben Jahren sitzt er derzeit ab.

Nun in dem aktuellen Prozess geht es um drei Frauen aus dem Raum Limburg, Nürnberg und Bremen, die Taten liegen Jahre zurück. So soll er bereits 2012 einer aus dem Kreis Limburg-Weilburg stammenden Frau, die er in einem Selbsthilfeforum kennengelernt hatte, angeboten haben, sie zu töten. Ein Termin war bereits vereinbart, einen Tag vorher vertraute sich die am Borderline-Syndrom leidende Frau jedoch ihrer Mutter an. Diese alarmierte die Polizei, die Frau wurde in eine Psychiatrie gebracht.

Auch das nächste mutmaßliche Opfer rettete sich. Sie war ebenfalls psychisch krank, soll aber aus eigenem Antrieb keine Suizidabsichten gehabt haben, als sie von dem Angeklagten im Jahr 2015 in einem Selbsthilfeforum kontaktiert wurde. Er soll immer wieder betont haben, dass es ihr sehr schlecht gehe, sie ihre Medikamente nicht nehmen und sich umbringen solle. Er selbst wolle am Telefon dabei sein. Laut Anklage hatte die Frau im Raum Nürnberg schon alles für ihre Selbsttötung vorbereitet, im allerletzten Moment jedoch abgebrochen.

Drei Monate später brachte sich in Bremen eine psychisch kranke Frau auf die gleiche Art um, wie es die Nürnbergerin fast getan hätte. Der nun Angeklagte soll sie dazu getrieben haben. Die Staatsanwaltschaft sieht hierbei einen Mord, da die Frau in ihrem psychischen Zustand nicht in der Lage gewesen sei, dies aus eigener Entschlusskraft zu tun.

Es ist bereits der dritte Anlauf des Prozesses. Die beiden ersten im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 waren wegen der Auswirkungen der Pandemie gescheitert. Verhandlungstermine sind bis Anfang kommenden Jahres geplant. dpa

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