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Krieg in der Ukraine erschwert Kriegsgräberpflege

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Russische Kriegsgräber
Ein Grab- und Gedenkstein erinnert an die osteuropäischen Opfer während des Zweiten Weltkriegs. © Thomas Frey/dpa

Soldatenfriedhöfe sollen ein Ort der Mahnung sein. Der Krieg in der Ukraine belastet allerdings die internationale Kriegsgräberfürsorge. Und in Südhessen wurde ein Friedhof nach Beginn des Angriffs Ziel von Vandalismus.

Kassel/Groß-Zimmern - Der Krieg in der Ukraine hat für die Arbeit der Kriegsgräberfürsorge schwerwiegende Folgen. „Wir müssen feststellen, dass nach fast 30 Jahren guter Zusammenarbeit die Versöhnungsarbeit in Scherben liegt“, sagte Diane Tempel-Bornett, Sprecherin des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel. Die Kriegsgräberstätten in Russland würden weiter gepflegt, auch Exhumierungen könnten in vielen Bereichen noch durchgeführt werden. „Das sind wir auch den Angehörigen schuldig.“

Allerdings gebe es dort keine feierlichen Einbettungsveranstaltungen mit offiziellen Delegationen und Geistlichen. Die Beziehung zu Russland spielt bei der Kriegsgräberfürsorge eine besondere Rolle, weil die Opferzahlen im Zweiten Weltkrieg im Osten sehr viel größer waren als im Westen.

Auch in Deutschland liegen sowjetische Soldaten begraben. Um die Friedhöfe kümmern sich in der Regel die Kommunen. In Hessen gibt es etwa sowjetische Soldatenfriedhöfe in Bad Orb (Main-Kinzig-Kreis), in Herleshausen (Werra-Meißner-Kreis) sowie in Groß-Zimmern (Kreis Darmstadt-Dieburg). Auf letzterem sind nach Angaben der Gemeinde mehr als 400 sowjetische Kriegsgefangene begraben, die zwischen 1941 und 1945 in einem benachbarten Lazarett ums Leben kamen.

Kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs hatte es in Groß-Zimmern einen Fall von Vandalismus gegeben. Konkret war dort Anfang März ein Gedenkstein des Friedhofs beschädigt worden - der oder die Täter sollen versucht haben das Wort „Russische“ von der Steintafel abzuschlagen. Laut dem Ordnungsamt Groß-Zimmern war Anzeige gegen unbekannt erstattet worden.

Sabine Mannitz vom hessischen Landesvorstand des Volksbunds betonte nach dem Vorfall, dass auf dem Friedhof Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Sowjetunion bestattet sind - auch Ukrainer, die als Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit nach Hessen verschleppt wurden und hier an den Folgen verstarben. „Selbst wenn es ausnahmslos Russen wären, bliebe die Beschädigung des Gedenksteins aber schockierend“, erklärte sie.

Insgesamt sei solch ein Vandalismus wegen des aktuellen Kriegs in der Ukraine bisher aber die Ausnahme, heißt es beim Volksbund in Kassel. Allerdings fallen traditionell deutsch-russische Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag auch im Inland aus.

Zudem seien deutsch-russische Projekte wie die Klärung von Soldatenschicksalen vorerst auf Eis gelegt, auch die offiziellen Kontakte ruhten, sagte die Sprecherin: „Was wir in Russland noch machen, ist die technische Kriegsgräberpflege.“ Soldaten aus den Weltkriegen würden weiter exhumiert und bestattet. Allerdings: „In der Russischen Föderation ist es schwieriger geworden, in manchen Gebieten ist es möglich, in anderen kaum.“ Bisher wurden im laufenden Jahr 4900 Tote der Weltkriege in Russland geborgen, sonst waren es 10.000 pro Jahr.

In der Ukraine arbeite man noch bis Ende November in Gebieten, in denen nicht gekämpft werde. Man wolle die Mitarbeitenden nicht in Gefahr bringen. Ein besonderes Erlebnis sei zudem gewesen, dass ukrainische Soldaten beim Bau von Verteidigungsanlagen auf die Gebeine deutscher Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg stießen und sich die Zeit genommen hätten, diese zu exhumieren und an die Kriegsgräberfürsorge zu übergeben. „Das hat uns beeindruckt - und auch sehr angerührt“, sagte die Sprecherin.

Der Volksbund betreut nach eigenen Angaben insgesamt 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten. Im Inland liegt die Gedenkarbeit vor allen in den Händen der Landesverbände der Kriegsgräberfürsorge.

Zum Volkstrauertag am kommenden Sonntag werde aber nicht nur an die Toten der Vergangenheit sondern auch der aktuellen Opfer von Krieg und Gewalt gedacht, betonte der Volksbund. „Denn seit dem 24. Februar, dem Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine, erleben wir nur zwei Flugstunden entfernt, dass Krieg als Mittel der Politik eingesetzt wird.“ dpa

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