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Kritik aus hessischer FDP nach Flugblatt-Aktion in Tann

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Mit ihrer Flugblatt-Aktion haben sich drei FDP-Kommunalpolitiker aus Tann in der Rhön, die Sorgen um den örtlichen Tourismus durch die Präsenz von Menschen mit Behinderung äußerten, auch in ihrer eigenen Partei heftige Kritik eingehandelt. Die in dem Flugblatt formulierten Aussagen der drei Mandatsträger seien „nach unserer Überzeugung grundfalsch“, erklärte der Generalsekretär der FDP Hessen, Moritz Promny, auf Anfrage.

Wiesbaden/Tann - In dem Flugblatt hatten die Kommunalpolitiker geäußert, die Kernstadt von Tann entwickele sich „zunehmend zu einer "Sonderwelt", da die Präsenz des Tanner Diakoniezentrums allgegenwärtig ist“. In dem Zentrum werden Menschen mit Behinderung betreut, es umfasst laut Homepage sowohl Wohngruppen als auch ambulante Hilfen in eigenen Wohnungen sowie eine Tagesstätte. In dem Flugblatt hieß es, selbst langjährige Gäste kehrten „dem Luftkurort den Rücken, weil gerade im Marktplatzbereich eine Konzentration von Touristen und Klienten des Tanner Diakoniezentrums vorliegt und Berührungspunkte unausweichlich sind“. Und weiter: „Das mit dem Krankheitsbild der Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen einhergehende Verhalten, wie z. B. mangelnde Distanz, können und möchten viele Touristen nicht aushalten.“

Promny erklärte dazu: „Die Äußerungen stehen im krassen Gegensatz zur Position der Freien Demokraten: Menschen mit Behinderung sind für uns selbstverständlich ein gleichberechtigter und gleichwertiger Teil unserer Gesellschaft. Engagement, wie es die Diakonie in Tann und viele andere Einrichtungen zeigen, begrüßen wir ausdrücklich und unterstützen es.“

Unterzeichnet war das Flugblatt von Stadtrat Klaus Dänner und Stadträtin Brunhilde Fischer (beide FDP) sowie der FDP-Fraktionsvorsitzenden Andrea Willing. Sie hatte einem Zeitungsbericht zufolge betont, es handele sich um eine „Personen- und keine Partei-Initiative“. Der Tanner Bürgermeister Mario Dänner (parteilos) hatte von diskriminierenden Äußerungen gesprochen, mit denen „Fakten bewusst falsch dargestellt“ würden, um das Diakoniezentrum in ein schlechtes Licht zu rücken. Auch der Geschäftsführer der Tanner Diakoniezentrum gemeinnützige GmbH, Stefan Burkard, hatte sein Unverständnis über die Aktion geäußert und erklärt: „Alle Menschen haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Dies ist ein Grundrecht für jeden Menschen.“ dpa

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