SRH übernimmt Privat-Uni EBS

„Kritisch geprüft“

Als Elite-Schmiede wurde sie gegründet, nun hat die frühere European Business School einen neuen Eigentümer. Der will kräftig investieren und das Angebot in eine bisher ungewohnte Richtung ausdehnen.

Die krisengeschüttelte Wiesbadener Privatuniversität EBS wird von einer Stiftung übernommen und ausgebaut. Neuer Eigentümer wird der Heidelberger SRH-Konzern, ein Betreiber von Krankenhäusern und Hochschulen. SRH habe die Daten und Bücher der EBS kritisch geprüft, sagte Vorstandschef Christof Hettich gestern in Wiesbaden. „Wir denken, dass man darauf aufbauen kann.“ Es seien aber Veränderungen nötig. Beim neuen Eigentümer gibt es bereits Überlegungen über den Aufbau einer dritten Fakultät.

Der Konzern steckt den Angaben zufolge insgesamt 18 Millionen Euro in die EBS. Rund 3,6 Millionen Euro davon seien als Kaufpreis geflossen, der Rest stehe für Investitionen zur Verfügung, sagte Hettich. SRH wisse um die Vorgeschichte der EBS und habe „Respekt vor der Aufgabe“.

Die chronisch klamme private EBS mit Standorten in Oestrich-Winkel und Wiesbaden für Business- und Jurastudenten hat bereits für viel Aufregung gesorgt. Wegen einer umstrittenen Millionenförderung war sogar ein Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag eingesetzt worden. Die EBS hatte zwischenzeitlich einen Schuldenberg von 20 Millionen Euro angehäuft.

Heute sei die Lage stabil und es werde für das laufende Jahr eine schwarze Null erwartet, sagte der bisherige EBS-Geschäftsführer Holger Follmann. Er kündigte am Donnerstag an, seinen Posten zu räumen und künftig als Berater für SRH tätig zu sein. Gesellschafter der EBS Universität waren bislang die private Stiftung zur Förderung der EBS Universität sowie die Ehemaligenvereinigung EBS Alumni. Die Fachbereiche der neuen Fakultät sind noch nicht festgelegt, vorstellbar sei der Bereich Gesundheit und Psychologie, sagte Jörg Winterberg, Chef des zuständigen SRH-Tochterunternehmens. Zugleich seien Investitionen unter anderem in das zur Universität gehörende Schloss Reichartshausen im Rheingau geplant.

Dann soll die Hochschule allerdings alleine zusehen, wie sie schwarze Zahlen schreibt, etwa mit der Einwerbung von Drittmitteln und der Hilfe von Sponsoren. Die vorhandenen Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Der Heidelberger SRH-Konzern basiert auf einer gemeinnützigen Stiftung, die 1966 gegründet wurde und ab 1971 unter dem Namen Stiftung Rehabilitation Heidelberg firmierte. Heute gehören zum stark wachsenden Konzern 13 Krankenhäuser. Zweites Geschäftsfeld ist der Bildungsbereich, inklusive der EBS sind es zehn Hochschulen, eine davon in Paraguay. Die EBS ist die erste Universität im Verbund. Der Konzern zählt rund 12 000 Mitarbeiter, machte vergangenes Jahr 840,7 Millionen Euro Umsatz und verdiente unter dem Strich 55,3 Millionen Euro.

Die EBS wurde 1971 in Offenbach als Fachhochschule für Wirtschaft gegründet. Das ambitionierte Projekt mit dem Aufbau einer Jura-Fakultät in Wiesbaden wird von Christopher Jahns betrieben, der 2006 mit 36 Jahren Rektor wird.

Er kann neben der Stadt Wiesbaden, die Universitätsstadt werden will, die schwarz-gelbe Regierung unter Ministerpräsident Roland Koch (CDU) dafür gewinnen. Minister und Abgeordnete sitzen in Gremien der EBS, die 25 Millionen Euro zum Aufbau der Fakultät erhalten soll.

Wenige Monate nach Gründung der Law School im Juni 2010 gibt es Berichte über Geschäfte zwischen der EBS und der Firma BrainNet, an der Jahns beteiligt ist. Gegen Jahns, der kurzzeitig inhaftiert wird, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue. Er wird im April 2011 von der EBS gefeuert. An der Jura-Fakultät schreiben sich im September 2011 nur 88 Studenten ein. Ende Dezember 2012 bestätigt Jahns’ Nachfolger Millionenverluste der EBS. Das Land hat seit 2009 rund 23 Millionen Euro in die Jura-Fakultät gesteckt. Der Rechnungshof bemängelte, das Land habe vor Vergabe der Gelder die Bonität der EBS nicht ausreichend geprüft. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags hat sich 2013 dem Vorgang gewidmet. Die Opposition hatte Schwarz-Gelb vorgeworfen, die finanziellen Probleme der EBS frühzeitig gekannt zu haben. Dies hat die Regierung zurückgewiesen.

Das Untreue-Strafverfahren gegen Jahns platzte im Oktober 2014. Das Landgericht Wiesbaden stellte wegen Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten den Mammutprozess ein – vorläufig.

Nach dem Abgang von Jahns zerschleißt die private Uni bei rund 20 Millionen Euro Schulden gleich zwei neue Präsidenten. 2015 erklärt sich die Stiftung des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp zu einer Millionenspende für die hoch verschuldete Uni bereit, wenn die Alumni (ehemalige Studenten) der EBS sich ebenfalls an der Rettungsaktion beteiligen. Ende 2015 weist die EBS wieder ein positives Eigenkapital aus.

(lhe,red)

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