1. Startseite
  2. Hessen

Kultusminister Lorz setzt weiter auf Präsenzunterricht

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Alexander Lorz (CDU)
Alexander Lorz (CDU) spricht. © Sven Braun/dpa/Archivbild

Die Omikron-Welle hat längst die Schulen erfasst - mit steigenden Corona-Infektionszahlen. Kultusminister Lorz setzt weiter auf gemeinsames Lernen - und sieht gute Gründe dafür.

Wiesbaden - Kultusminister Alexander Lorz (CDU) will hessischen Schülern weiter den Präsenzunterricht in ihren Klassen ermöglichen. Es gebe in Hessen zwar insgesamt stark steigende Corona-Zahlen und an dieser gesamtgesellschaftlichen Entwicklung nähmen natürlich auch die Schulen teil, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Die Schulen seien in der Regel aber nicht die Orte, wo Infektionen entstehen, sondern die Orte, wo diese festgestellt werden. Er halte daher an der Präsenz im Unterricht in den Schulen fest.

Lorz verwies auf das engmaschige Testen an den Schulen, damit gebe es quasi keine Dunkelziffer. „Die Schulen sind das größte Testzentrum dieser Republik“, sagte der Minister. Über Kinder und Jugendliche gebe es den besten Überblick was Infektionen angeht. „Die Infektionen, die wir in der Schule feststellen, sind im überwiegenden Teil im privaten Umfeld erfolgt.“

Schulen seien von allen öffentlichen Orten in der Corona-Pandemie mit am besten abgesichert, erklärte Lorz. „Das ist auch der Grund, warum ich mit gutem Gewissen Kinder und Jugendliche weiter in die Schule schicken kann.“

In Hessen gebe es zwar seit April 2021 die Möglichkeit, dass Eltern ihre Kinder vom Präsenzunterricht abmelden können, sagte der Minister. Das hänge mit der Corona-Testpflicht in den Schulen zusammen. Wenn Eltern diese ablehnen, müssten die Schülerinnen und Schüler am Schultor abgewiesen werden. Um den Kinder das zu ersparen, gebe es die Möglichkeit der Abmeldung vom Unterricht.

„Das macht mich nicht glücklich, weil die Kinder später dann wieder an das Lernen in der Klasse herangeführt werden müssen“, sagte der Kultusminister. Die Abmeldequote sei mit landesweit rund 0,3 Prozent aber sehr niedrig. „Ich möchte natürlich, dass die Schüler alle in den Präsenzunterricht gehen, weil ich weiß, wie wichtig der soziale Kontakt mit anderen Kindern ist.“

Es gebe derzeit eine geschlossene Schule in Hessen, teilte der Kultusminister mit. Das sei eine kleine Schule mit nur wenigen Klassen in Nordhessen. Ansonsten seien etwa 100 von den insgesamt mehr als 30 000 Klassen und Lerngruppen wegen hoher Corona-Infektionszahlen im Distanzunterricht.

Von Einschränkungen seien derzeit vor allem die Schulamtsbezirke im Rhein-Main-Gebiet betroffen, sagte Lorz. Überall dort, wo es generell hohe Corona-Inzidenzen gebe, sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch in den Schulen mehr Kinder und Jugendliche morgens vor dem Unterricht positiv getestet werden. Aber dies könne eben auch an anderen Orten geschehen. „Natürlich wird es in den nächsten Wochen weiter lokal, regional und temporär zu Einschränkungen des Unterrichtsbetriebs kommen, wenn die Infektionszahlen noch weiter steigen.“

Rund 3,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler (25 000) sind derzeit wegen einer eigenen Corona-Infektion oder als enge Kontaktperson zu einem Infizierten in Quarantäne, bei den Lehrkräften beträgt dieser Wert 2,2 Prozent (1300). „Die Situation ist schwierig, sie ist nicht schön, aber sie ist im Moment jedenfalls noch gut beherrschbar“, sagte Lorz.

Eine Ausweitung der Testpflicht würde nach Einschätzung des Ministers keinen zusätzlichen Schutz bieten. Derzeit werden die Kinder und Jugendlichen dreimal pro Woche in der Schule getestet. Bei einem Infektionsgeschehen wird zur täglichen Testung übergegangen. Die Gesundheitsexperten sagten, dass ein noch häufigeres Testen keinen Sinn mache, erklärte Lorz.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte, angesichts der hohen Inzidenzwerte in der Schülerschaft könne nicht mehr von durchgehendem Präsenzunterricht gesprochen werden. Der individuelle Unterrichtsausfall in diesem Maße könne nicht länger wirksam kompensiert werden, teilte der hessische GEW-Vorsitzende Thilo Hartmann mit. „Der Druck auf Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler erreicht dadurch ein nicht mehr tragbares Ausmaß.“

Der Landeselternbeirat von Hessen (LEB) hatte Ende vergangener Woche vom Kultusminister gefordert, den Schulen freie Hand in der Gestaltung der Unterrichtsorganisation zu geben. Dabei müssten Wechsel- und Distanzunterricht als Optionen eingeschlossen sein. „Diesbezügliche Entscheidungen müssen zwingend in der Schulkonferenz, also unter Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, der Lehrkräfte und der Eltern getroffen werden, nicht etwa durch die Schulleitung alleine“, erklärte der LEB. dpa

Auch interessant

Kommentare