Justiz
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Ein Justizbeamter steht in einem Gerichtssaal.

Kunden um halbe Million Euro betrogen: Haftstrafe

Er hat Senioren zum Kauf von Gold überredet und dieses dann zu seinen Gunsten verkauft: Ein spielsüchtiger ehemaliger Bankberater, der Kunden um knapp eine halbe Million Euro betrogen hat, ist zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Kassel sah es als erwiesen an, dass der Mann Kunden der Sparkasse Werra-Meißner im nordhessischen Eschwege um insgesamt 460.

Kassel - 000 Euro gebracht hat, um mit dem Geld, seine immer stärker werdende Spielsucht zu befriedigen. Zuvor hatten die „HNA“ und das „Handelsblatt“ berichtet.

Wie ein Sprecher am Dienstag mitteilte, sprach die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts den 44-Jährigen am Montag unter anderem wegen Unterschlagung in neun Fällen, Betrugs in 22 Fällen und Urkundenfälschung schuldig. Zudem ordnete sie an, die rund 460.000 Euro einzuziehen.

Der Mann habe zuvor umfassend gestanden und sogar Vorgänge eingeräumt, die nicht einmal die Innenrevision der Sparkasse bis dahin aufgedeckt hatte, teilte der Sprecher mit. Er hat demnach ab 2013 Kunden zu Hause besucht und sie dazu gebracht, in Gold zu investieren. Dabei habe er den Eindruck erweckt, dieses werde in ein Depot der Sparkasse gegeben. „Stattdessen hatte der Angeklagte das Gold aber selbst verwahrt und später bei Bedarf sukzessive verkauft“, erläuterte der Sprecher.

In zwei weiteren Fällen habe er seinen durchweg betagten Kunden Belege zur Unterschrift vorgelegt, vermeintlich um eine Beratungsleistung zu quittieren. In Wahrheit habe es sich aber um Anweisungen für Barabhebungen gehandelt. Der Angeklagte soll damit im Namen seiner Kunden jeweils 30.000 und 40.000 Euro abgehoben haben. Bekannt geworden war der Betrug im Jahr 2019.

Mit dem Urteil blieb das Landgericht Kassel hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurück, die in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von vier Jahren gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

Neben dem umfassenden Geständnis sei bei der Urteilsfindung auch ein psychiatrisches Sachverständigengutachten berücksichtigt worden, erläuterte der Sprecher. Danach habe die Kammer ab Juni 2018 eine schwere Spielsucht und eine narzisstische Persönlichkeitsstörung festgestellt. Ab September 2018 sah das Gericht auch eine erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit und somit eine eingeschränkte Schuldfähigkeit als erwiesen an.

Den betroffenen Kunden ist laut der Sparkasse Werra-Meißner kein materieller Schaden entstanden. Das habe man gemeinsam mit der Versicherung schon vor geraumer Zeit sicherstellen können, teilte die Bank mit. Sie bestätigte zudem, mit ihrem ehemaligen Mitarbeiter einen Vergleich vor dem Arbeitsgericht geschlossen zu haben. Demnach muss er Schadensersatz in Höhe von 650.000 Euro leisten. dpa

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