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Kunert setzt ein Zeichen gegen die Gewalt

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Von: Christiane Warnecke

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Lukas Kunert. FOTO: Elinor
Lukas Kunert. © ©2017 Hannes Kutza

Ein Unternehmer aus der Rhön vermittelt unter "#Unterkunft Ukraine" Wohnungen für Flüchtlinge

Gersfeld -"Als am 24. Februar der Krieg in der Ukraine ausbracht, war meiner Frau und mir sofort klar: Wir wollen etwas tun, um der Gewalt etwas Menschliches entgegenzustellen", berichtet Lukas Kunert. Der 30 Jahre alte Jungunternehmer aus der Rhön rief zusammen mit einigen Mitstreitern noch am selben Tag die Plattform "#Unterkunft Ukraine" ins Leben, um Kriegsflüchtlingen zu helfen. Inzwischen ist Kunerts Initiative mit vielen weiteren Organisationen vernetzt und kooperiert mit dem Bundesinnenministerium bei der Vermittlung von Unterkünften an Geflüchtete aus der Ukraine.

"Mein Frau kommt aus Russland und wir haben uns in der Ukraine kennengelernt", erzählt Kunert. "Wir sind beide völlig entsetzt darüber, wie man so etwas tun kann", sagt er über Putins Krieg.

"Am Mittag des 24. Februar saßen wir mit einigen Kollegen zusammen und haben den Beschluss gefasst, das Projekt zu starten. Wir wollen den Menschen aus der Ukraine signalisieren, dass sie hier willkommen sind", versichert Kunert. "Auch die Programmierer in meinem FinTech-Startup haben gesagt: Wir sind dabei. So ging noch am gleichen Abend die Seite online, in der man sich eintragen kann, wenn man eine Unterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung stellen möchte", sagt der 30-Jährige.

Inzwischen seien viele Tausend Unterkünfte vermittelt worden. Genauer beziffern könne er es nicht wegen der vielen unterschiedlichen Kooperationen mit Landkreisen, Städten, dem Innenministerium, "aber vor allem auch mit NGOs, die vor Ort mit unseren Daten Unterkünfte organisieren, beispielsweise mit "Leave No One Behind", die an Bahnhöfen aktiv sind". "Wenn Familien dort ankommen, können die Helfer direkt in unserer Datenbank schauen, welches Angebot in der Zielstadt am passendsten wäre. Sie können die Familien dann direkt telefonisch ankündigen", erklärt Kunert.

"Wir haben inzwischen auch ein Callcenter aus Freiwilligen gegründet, die das Angebot an Unterkünften auf der einen Seite und die Anfragen nach Unterkünften auf der anderen Seite telefonisch zusammenführen", berichtet er. Dabei ist es Kunert wichtig zu betonen: "Wir vermitteln ausschließlich kostenfreie Unterkünfte für Menschen auf der Flucht aus der Ukraine".

"Die Hilfsbereitschaft so vieler Menschen ist für mich ein echter Hoffnungsschimmer in dieser Situation. Sie zeigt, dass wir Menschen nicht nur Kriege anfangen, sondern ihnen auch solche Zeichen der Menschlichkeit entgegensetzen können", resümiert Kunert. "Ich sehe es auch als Aufgabe der Zivilgesellschaft an, hier direkt und unmittelbar zu helfen", betont er.

Die politische Diskussion über eine Registrierung der Flüchtlinge, um einem möglichen Kontrollverlust entgegenzuwirken, ist für den Unternehmer zweitrangig. "Priorität muss es haben, dass Kinder und Frauen nicht auf zugigen Bahnhöfen übernachten müssen, sondern direkt eine Unterkunft bekommen, um das Erlebte verarbeiten zu können", sagt er.

Kunerts Idee ist nach eigener Aussage auch im Kontext des Zukunftsdorfs Sonnerden in der Rhön entstanden, in dem er lebt. Das genossenschaftliche Mehrgenerationenprojekt versteht sich nach Auskunft der Bewohner nicht als Kommune, sondern als "ideologiefreies, liberales Umfeld für Leute, denen Nachhaltigkeit und sinnorientiertes Wirtschaften am Herzen liegt". Neben Kunert leben weitere Unternehmer, aber zum Beispiel auch Ärzte und Personalvermittler dort zusammen im Grünen.

Das Hilfe-Portal der Bundesregierung

Kunerts Aktion "#Unterkunft Ukraine" gehört zum Hilfe-Portal "Germany4Ukraine.de" - dem zentralen Informationsangebot der Bundesregierung für geflüchtete Menschen aus der Ukraine. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) betont: "Wir wollen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine eine zentrale, sichere und digitale Anlaufstelle bieten." Die Informationen und Leistungen des Portals sind auf Ukrainisch, Russisch, Englisch und Deutsch verfügbar. Neben Informationen zur Unterbringung gibt es dort auch Hinweise zu Arbeitserlaubnis, Aufenthaltsrecht, Schulbesuch, Studium sowie medizinischer Versorgung. ch

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