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Monets „Heuhaufen“ wurde 2019 für 97 Millionen Dollar verkauft.

Kunstmarkt

Kunstmarkt-Report 2019: Verkauf von Kunstwerken erzielt weniger Umsatz

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Kunstmarkt-Bilanz: Kunstwerke erzielten 2019 nicht mehr so hohe Preise wie in den Vorjahren. Teuerstes Kunstwerk erzielt Einnahmen von 97 Millionen Dollar.

  • Die Messe Art Basel und die Schweizer Großbank USB haben ihren jährlichen Kunstmarkt-Report veröffentlicht
  • Demnach gehen auf dem Kunstmarkt die Umsatzzahlen weltweit zurück
  • Das teuerste Kunstwerk 2019 wurde für 97 Millionen Dollar verkauft
  • Drei Ziffern zeigen den eindeutigen Trend: Am 14. Mai vergangenen Jahres ging bei Sotheby’s in New York Claude Monets „Heuhaufen“ von 1891 zum Zuschlagspreis von97 Millionen Dollar weg – kein Kunstwerk wurde 2019 für mehr Geld verkauft. Im Jahr zuvor hingegen war der Hammer bei einer Nackten von Amedeo Modigliani von 1917 erst bei 139 Millionen Dollar gefallen; im November 2017 war ein „Salvator Mundi“, angeblich von Leonardo da Vinci, sogar bei 400 Millionen Dollar zugeschlagen worden (mit Gebühren macht das in Summe mehr als 450 Millionen).

    Kunstmarkt 2019: Weltweiter Umsatz mit Kunstwerken sinkt

    Auch insgesamt schrumpfte der weltweite Kunstmarkt-Umsatz im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 64,1 Milliarden Dollar (57,6 Milliarden Euro). Das geht aus dem neuen Kunstmarkt-Report der Messe Art Basel und der Schweizer Großbank UBS hervor. Dagegen habe die Zahl der weltweiten Kunstmarkt-Transaktionen mit 40,5 Millionen (plus zwei Prozent) ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht, was im Umkehrschluss bedeutet: Der Durchschnittspreis pro verkauftem Werk sank um rund sieben Prozent.

    Kunstmarkt 2019: Umsatzeinbruch bei öffentlichen Auktionen mit Kunstwerken

    Besonders deutlich, um 17 Prozent, brach der Umsatz bei öffentlichen Auktionen ein – auf noch 24,2 Milliarden Dollar. „Die Verlangsamung war weitgehend angebotsorientiert, da eine geringere Anzahl sehr hochpreisiger Lose zum Verkauf angeboten wurde“, heißt es in der von der Kulturökonomin Clare McAndrew verfassten Studie. Werke über einer Million Dollar steuerten 55 Prozent zum gesamten Umsatz bei, obwohl sie nach Stückzahl weniger als ein Prozent der verkauften Kunst ausmachten. Die Auktionshäuser steuerten gegen das Umsatzminus an, indem sie „private sales“ ausbauten – allein 1,8 Milliarden Dollar machten diese vertraulichen Geschäfte zuletzt bei den Marktführern Christie’s und Sotheby’s aus.

    Auch der Online-Markt verlangsamte sich nach fünf Jahren mit teils stürmischem Wachstum mit einem geschätzten Umsatz von 5,9 Milliarden Dollar.

    Umsatzentwicklung aus Verkauf von Kunstwerken im Kunstmarkt 2019: Galerien verzeichnen leichtes Wachstum

    Der Umsatz im Galerie-Bereich stieg hingegen im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf schätzungsweise 36,8 Milliarden Dollar. Das moderate Wachstum wurde weiterhin durch das obere Segment des Marktes angetrieben, also durch Großgaleristen wie Gagosian, Pace, White Cube oder Hauser & Wirth mit Filialen überall auf der Welt: Diese Galeriekonzerne (Jahresumsätze über 30 Millionen Dollar) wuchsen um 16 Prozent.

    Ein Spiegelbild dieser Entwicklung: Die Zahl der Galerie-Neueröffnungen ist weiter gesunken und hält sich mittlerweile mit den Schließungen die Waage. Die Galeristen waren aber optimistisch für 2020: 42 Prozent erwarteten Wachstum, nur 25 Prozent ein Minus. Neue Käufer zu finden, nannten sie als die größte Herausforderung.

    Kunstmarkt 2019: Mehr Kunstwerke von Frauen

    Ein Trend sowohl in Museen als auch Galerien und Auktionen war die Neubewertung lange unterschätzter Künstler aus nicht-europäischen Ländern – und vor allem von Künstlerinnen. Die Frauenquote im Künstlerstamm der Galerien stieg im Primärmarkt (also ohne Wiederverkäufe) binnen Jahresfrist um fast ein Zehntel auf 44 Prozent, der Anteil weiblicher Künstler am Umsatz von 32 auf 40 Prozent. Am wenigsten Frauen hatten übrigens europäische und asiatische Galerien im Angebot.

    Ebenfalls ungebrochen bei Auktionen war die Popularität des Segments Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst: Sie kam nach Umsätzen auf 53 Prozent des Auktionsmarktes. Arbeiten aus den letzten 20 Jahren machten knapp ein Viertel dieses Segments aus, solche lebender Künstler knapp die Hälfte.

    Verkauf von Kunstwerken in 2019: Messen bleiben für Kunstmarkt wichtig

    Kunstmessen blieben ein wichtiger Teil des Marktes, mit einem stabilen Gesamtumsatz von 16,6 Milliarden Dollar. Das waren immerhin 45 Prozent des gesamten weltweiten Händlerumsatzes. Ein Siebtel dieses Umsatzes wurde direkt vor den Messen, zwei Drittel während der Messen und ein Fünftel danach erzielt. Bei den großen Galerien steuerten Kunstmessen knapp die Hälfte zum Gesamtgeschäft bei, umso schmerzlicher ist für sie derAusfall der für März geplanten Art Basel Hongkong wegen des Coronavirus.

    Der weltweit größte Kunstmarkt war 2019 unverändert die USA mit stabilen 44 Prozent Marktanteil. Großbritannien und China verzeichneten Rückgänge um rund ein Zehntel, behaupteten aber global die Plätze zwei und drei. Frankreich war der Brexit-Gewinner, auf das Land entfallen nun sieben Prozent, auf Deutschland oder die Schweiz lediglich zwei Prozent Marktanteil. Der EU-Kunstmarkt insgesamt verliert durch den Brexit an Bedeutung. Der deutsche Markt litt jüngst unter einer Mehrwertsteuererhöhung und gesetzlichen Exportverschärfungen.

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