Stecker vorhanden, Autos und Ladestationen noch gesucht: Die Elektromobilität kommt in Hessen nur schleppend voran.
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Stecker vorhanden, Autos und Ladestationen noch gesucht: Die Elektromobilität kommt in Hessen nur schleppend voran.

Wende zur E-Mobilität

Ladehemmung

Alle reden von Elektromobilität – aber immer noch sind die leisen Autos Exoten auf Hessens Straßen. Und auch Strom-Tankstellen gibt es nicht an jeder Ecke. Von Hessens Ministern ist keiner mit einem reinen E-Auto unterwegs.

Von SABINE RÄNSCH (DPA)

Tanken an der Steckdose, lautlos ohne Abgase durch die Landschaft gleiten – klingt attraktiv, ist aber in Hessen wie in ganz Deutschland noch wenig verbreitet. Zu Jahresanfang seien landesweit 1966 reine Elektro-Autos zugelassen gewesen, 460 mehr als im Jahr zuvor, berichtet das Wirtschaftsministerium in Wiesbaden. Über ganz Hessen verteilt gebe es 590 öffentliche Ladestationen, hinzu kämen private in Firmen oder Verwaltungen. Insgesamt sind in Hessen nach Zahlen des Statistischen Landesamts gut 4 Millionen (2014) Kraftfahrzeuge zugelassen.

Der ADAC betreibt eine Ladestation in der Nähe der Frankfurter Messe. „Die Nachfrage ist extrem gering“, sagt Sprecher Cornelius Blanke. „Die drei, die dort tanken, kennen wir persönlich.“ An den Gründen für die schleppende Zunahme der Zulassungszahlen habe sich seit Jahren nichts geändert, die Nachteile für die Autofahrer seien einfach zu groß: Unzureichende Reichweite, zu lange Ladezeiten und zu hohe Preise. Bei Kälte im Winter fresse die Heizung die Hälfte der Kilometer-Leistung auf, im Sommer die Klimaanlage. E-Fahrzeuge seien sicher noch keine vollwertigen Autos.

Anderswo werde mehr für die E-Mobilität getan, sagt Blanke. So gebe es in Japan besondere Parkplätze für Elektroautos, und sie dürften auch die Busspur nutzen – echte Vorteile im dichten Großstadtverkehr.

Abseits der öffentlichen Straßen scheint es besser zu laufen: Der Flughafenbetreiber Fraport hat nach eigenen Angaben derzeit 320 E-Fahrzeuge in seiner insgesamt 3000 Fahrzeuge umfassenden Flotte, darunter PKWs, Kleinbusse, Förderbandwagen und Schlepper. Die Nachteile des öffentlichen Straßenverkehrs gibt es auf Deutschlands größtem Flughafen nicht. Die Reichweite spielt keine Rolle, denn auf dem Vorfeld werden die E-Fahrzeuge immer nur für kurze Distanzen eingesetzt, Aufladen ist auch kein Problem – die Stromversorgung ist flächendeckend, getankt werden kann während der nächtlichen Flugpause. Die mit 8,1 Millionen Euro Bundesmitteln geförderte Initiative „E-PORT AN“, getragen von Fraport und Lufthansa, will den Anteil der E-Fahrzeuge bei der Flugzeugabfertigung weiter erhöhen.

Das Land fördert die Elektromobilität in diesem Jahr nach Auskunft des Wirtschaftsministeriums mit 1,5 Millionen Euro. Für 2017 seien 2,3 Millionen Euro eingeplant, sagt Ministeriumssprecher Marco Kreuter. Bei der Landesverwaltung selbst stehen 70 E-Autos für die Bediensteten bereit. Bei den Kabinettsmitgliedern hat sich die E-Mobilität noch nicht durchgesetzt.

Keiner der Minister fährt ein reines E-Auto. Nach Auskunft der Staatskanzlei sind nur Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) mit Strom unterwegs, zumindest teilweise. Ihre Dienstwagen sind Hybrid-Fahrzeuge mit einer Elektro-Komponente. Das Umweltministerium betont, der Strom für das Auto komme ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Auch Staatskanzleichef Wintermeyer (CDU) ist mit einem Hybrid-Wagen unterwegs.

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