1. Startseite
  2. Hessen

Handkäs-Eis und Co.: Brüder aus Hessen feiern mit ungewöhnlichen Eissorten Erfolge

Erstellt:

Kommentare

pku_Eiszeit7_230922_4c_1
Auch das klassische Schokoeis haben die Macher der »Eiszeit« im Angebot. Doch mit ihrem »Eis der Woche« oder speziellen Saisonsorten versuchen Jakob Rauber (Foto) und sein Bruder Elia aus Lahnau bei Gießen den Kunden immer wieder einzigartige Geschmackserlebnisse zu bieten. © Patryk Kubocz

Zwei junge Brüder aus Lahnau bei Gießen haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Mit ihren außergewöhnlichen Eissorten sind sie auch über Hessen hinaus erfolgreich.

Lahnau – Wenn man mit Jakob Rauber über Eiscreme und ihre Herstellung spricht, dann wird eines schnell deutlich: Für den 27-Jährigen ist der Verkauf der kalten Süßspeise mehr als nur ein Beruf. »Es macht einfach Spaß, mit Eis zu arbeiten und die Menschen in der Eisdiele zu bedienen«, sagt er.

Er und sein Bruder Elia sind die Gründer und Besitzer der Firma »Eiszeit« und der gleichnamigen Eisdielen. »Elia und ich haben einst mit einer ganz gewöhnlichen Eismaschine angefangen«, erinnert sich Rauber. »Wir stellen bereits seit über zehn Jahren Eiscreme selbst her.«

Lange Zeit versorgten sie lediglich Freunde und Familie mit ihren kreativen Sorten. Vor vier Jahren bot sich den Brüdern eine optimale Gelegenheit, um ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Jakob stand kurz vor dem Abschluss des BWL-Studiums, sein Bruder hatte das Abi gerade hinter sich gebracht. Beide waren dementsprechend kurz davor, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und wollten »etwas Neues und Aufregendes starten«, erzählt Rauber.

Junge Eishersteller aus Lahnau bei Gießen setzen auf regionale Produkte

Gesagt, getan - 2018 melden Jakob und Elia Rauber ihr Gewerbe an. Ihre erste Speiseeismanufaktur richteten sie noch im Keller des Elternhauses ein. »Ab dann ging es ans Ausprobieren und Perfektionieren der Eissorten«, sagt Rauber. Egal ob Vanille-, Erdbeer- oder Schokoeis - bei einigen Eissorten brauchten die Raubers Dutzende Versuche, um ein gutes Ergebnis zu erhalten. Dabei versuchten die Brüder von Anfang an, so viele regionale Bioprodukte wie möglich zu verwenden.

Auf lokal produzierte Zutaten zu setzen, das sei ihr Gebot, erzählen sie. Dadurch wisse man nicht nur, woher die Zutaten kommen, sondern »hat auch ein persönliches Verhältnis zum Lieferanten und kann jederzeit seine Produktionsstätten besuchen«, erzählt Jakob Rauber. Auch haben sie sich ein striktes Verbot für Aromen und Zusatzstoffe auferlegt und versuchen, den natürlichen Geschmack aus der Zutat zu holen. Selbst wenn dies gewöhnungsbedürftige Ergebnisse haben kann.

»Normalerweise kennt man es ja, dass Vanilleeis sehr gelb ist«, sagt Rauber. »Wir kochen die Vanilleschote aus. Aus den natürlichen Zutaten heraus konnten wir nie diese intensive gelbe Farbe erreichen.« Genau dies sei auch die Besonderheit des Speiseeises aus Waldsolms. Die Kunden erhalten genau das, was auf der Verpackung draufsteht. »Wenn wir ein Erdbeereis machen, dann kommen da auch bis zu 500 Gramm Erdbeeren rein«, versichert Rauber.

Ungewöhnliches Eis aus Lahnau bei Gießen: Handkäs-Eis sorgt für Furore

Nach der Perfektionierung der Eissorten stand für die Brüder die Eröffnung ihres ersten Eiscafés an. Diese war für Frühjahr 2020 geplant. Trotz eisiger Temperaturen und Schnee in der Nacht vor der Eröffnung sei die Schlange am ersten Tag sehr lang gewesen, erzählt Rauber. Für den Einstand in die Selbstständigkeit hatten die Brüder eine besondere Eissorte kreiert, die die Regionalität zelebriert. Nach einem Besuch der lokalen Käserei »Birkenstock« in Hüttenberg, die eine großer Handkäs-Produzent ist, war den Raubers klar, welche Sorte es für den Einstand sein sollte.

»Unser Handkäs-Eis hat dann für Furore gesorgt. Manche waren begeistert, andere ein wenig abgeschreckt«, sagt der Gründer. Auch für dieses Speiseeis brauchten die Brüder einige Versuche, um eine Ausgewogenheit zwischen süß und salzig zu finden. Laut Rauber war die Käserei von Anfang an ein großer Befürworter der ungewöhnlichen Süßspeise und unterstützte die jungen Unternehmer bei der Entwicklung des Rezepts. Diese gegenseitige Unterstützung ist für Rauber »etwas, was unsere regionalen Partner auszeichnet«. Um auch wirklich Handkäs mit Musik in Eisform anbieten zu können, entwickelte die ehemalige Mitarbeiterin Traude Ackermann, eine gelernte Konditorin, eine Zwiebelmarmelade, die als Topping zum Handkäs-Eis serviert wird. Ganz unabhängig vom Geschmackserlebnis, diese Kreativität brachte dem neuen Unternehmen Aufmerksamkeit und Reichweite.

Immer wieder versuchen die Raubers, mit ihrem »Eis der Woche« oder ihren Saisonsorten die Kunden zu überraschen und Einzigartiges zu schaffen. Dabei suchen die Brüder gerne nach Herausforderungen und tüfteln in ihrer Manufaktur, die mittlerweile nach Dorlar umgezogen ist, an neuen Konzepten und Ideen.

Eishersteller aus Lahnau bei Gießen starten durch

Die Produktentwicklung nehme sehr viel Zeit in Anspruch, sagt Jakob Rauber. »An der Entwicklung unserer zwei neuen Wintersorten sind wir bereits seit Juni beschäftigt«, erzählt er. Welche neuen Sorten die Kunden im Winter begeistern sollen, ist dabei noch geheim.

Neben dem Verkauf in den beiden Eiscafés hatte sich das junge Unternehmen noch ein weiteres Standbein aufgebaut: Sie verkauften und verkaufen ihr Eis in Bechern in Supermärkten. »Wir hatten dieses Konzept eigentlich als Alternative geplant, falls etwas Unerwartetes wie eine weltweite Pandemie ausbricht«, sagt Rauber und lacht. Dies sollte sich in den vergangenen zwei Jahren als Glücksgriff herausstellen. Während andere Eisdielen während der Lockdowns ähnlich vorgehen und ihr Eis ebenfalls in die lokalen Supermärkte bringen wollten, konnte die »Eiszeit« auf bereits vorhandene Infrastruktur und Kontakte zurückgreifen.

»Kurz vor der Pandemie ist auch der Hessische Rundfunk auf uns aufmerksam geworden und hat eine einwöchige Serie für die Nachrichten mit uns produziert«, erzählt Rauber. Dies habe ihre Bekanntheit explodieren lassen. Mittlerweile wird das Speiseeis der »Eiszeit« bis nach Bensheim und in Nordrhein-Westfalen vertrieben. Zwar sei der Verkauf des Eises in den Bechern ein Glücksfall für die Firma gewesen, doch für Jakob Rauber ist klar: »Die Arbeit in der Eisdiele und das Treffen mit Kunden macht einfach immer noch am meisten Spaß.« (Patryk Kubocz)

Auch interessant

Kommentare