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Felix Semmelroth hat gestern seine Arbeit als Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen aufgenommen.

Antisemitismus

Land setzt mit Ernennung von Felix Semmelroth Zeichen

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Zum ersten Mal in der Geschichte des Bundeslandes hat Hessen einen Antisemitismusbeauftragten. Für sein Amt hat sich Felix Semmelroth zwar eine Menge vorgenommen. Ob er dabei viel bewirken kann, hängt aber nicht nur von ihm allein ab.

Als Felix Semmelroth im Jahr 1949 in Kassel geboren wurde, waren das Nationalsozialistische Regime und der Holocaust gerade mal etwas mehr als vier Jahre Geschichte. Die Deutschen waren eher mit dem Wiederaufbau beschäftigt als mit der Vergangenheitsbewältigung, allem voran der Judenverfolgung. Und wohl auch in seinen kühnsten Träumen hätte sich in jenen Nachkriegszeiten der junge Semmelroth nicht vorstellen können, dass er eines Tages erster Antisemitismusbeauftragter Hessens werden würde.

Fast 69 Jahre später steht Felix Semmelroth am Montagvormittag in der Staatskanzlei in Wiesbaden und nimmt von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Ernennungsurkunde für ebendieses Amt in Empfang. „Dass es überhaupt dieser Funktion bedarf, zeugt davon, dass Judenfeinde sich wieder verstärkt öffentlich äußern“, sagt der hochgewachsene Mann im dunkelblauen Anzug.

In der Folge setzt er zu einem Diskurs über den Antisemitismus in Deutschland an und die Formen, in denen sich dieses offenbar nicht tot zu kriegende Phänomen heutzutage wieder äußere. Nicht nur das, öffentlicher und dreister werde er zur Schau gestellt, konstatiert Semmelroth.

Am schwierigsten sei aber der Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft, sagt Semmelroth. Der werde auch von gebildeten Menschen geäußert. Dazu komme in den letzten Jahren zunehmend der islamistisch begründete und der als Kritik am Staat Israel verkleidete Judenhass.

„Semmelroth soll als unabhängiges Bindeglied zwischen den jüdischen Gemeinden in Hessen und der Landesregierung Konzepte gegen den Judenhass entwickeln“, beschreibt Bouffier dessen Aufgabe. Zudem soll er die Maßnahmen der Landesregierung zur Bekämpfung des Antisemitismus verstärken. Und er soll Ansprechpartner für die Opfer sein und Kontakte zu Verbänden, Vereinen und Institutionen pflegen, die sich mit dem jüdischen Leben und dem Kampf gegen Antisemitismus in Hessen, in anderen Bundesländern und auf Bundesebene befassen.

Eine Aufgabe wie geschaffen für den 68-jährigen früheren Hochschulprofessor, ehemaligen Büroleiter der damaligen Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth und langjährigen Frankfurter Kulturdezernenten. Oder wie es Bouffier ausdrückt: Semmelroth sei eine geachtete Persönlichkeit, mit dem jüdischen Leben vertraut, und er habe sich bereits als Kulturdezernent dezidiert gegen Judenhass und für die historische Aufarbeitung des Holocausts eingesetzt.

Semmelroth selbst will in seiner Arbeit vor allem auf

Aufklärung

setzen. Vorurteilen nachgehen möchte er. Und: „Es ist wichtig, mit den Menschen zu sprechen“, sagt er. Und ja, natürlich seien auch die islamischen Gemeinden Partner in dieser Sache.

„Es wird keine leichte Aufgabe sein“, sagt Samuel Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Er sicherte ihm dabei genauso Unterstützung zu wie Jacob Gutmark, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen.

Ob ihm in seiner neuen Position viel Zeit bleibt, steht derzeit in den Sternen. Zunächst wird Semmelroth erst einmal für vier Monate in die Staatskanzlei einziehen, wo sein Amt angesiedelt ist. Innerhalb dieser Zeit werde er nicht imstande sein, „den Antisemitismus nachhaltig zu verdrängen“, weiß er. „Alles andere ist abhängig von den Wahlen.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Arbeit nicht fortgesetzt wird“, sagt Bouffier. „Unter meiner Führung wird sie fortgesetzt.“

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