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Mann behält Festplatte mit Kinderpornos nach Verurteilung

Beweise gegen 52-Jährigen entpuppen sich als „Altlasten“

Festplatte mit Kinderpornos nach Verurteilung behalten - mit Folgen

Dass die Vergangenheit einen einholen kann, merkt ein 52-Jähriger vor dem Langener Amtsgericht: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm den Besitz kinder- und jugendpornografischer Dateien vor. Das Verfahren gegen ihn wird aber gegen Zahlung von 2000 Euro eingestellt.

Langen – Im Laufe der mühseligen Aufarbeitung stellt sich heraus, dass die Dateien fast ausschließlich aus einem früheren Verfahren gegen den Angeklagten stammen. Die Krux: Er hatte die Datenträger mit den Kinderpornos zurückgefordert und behalten.

Der Mann, der als Experte im Bereich Internetsicherheit arbeitet, ist vorbestraft. Im März 2014 wurde er verurteilt, weil man bei ihm Kinder- und Jugendpornodateien auf Festplatten und Speichermedien fand. Nun wird ihm zur Last gelegt, dass bei der Wohnungsdurchsuchung in Langen am 21. Januar 2016 solches Material sichergestellt wurde: 26 Bilder, zehn Videos und Chatverläufe.

Der Mann äußert sich nur über seinen Anwalt. Der neu bestellte Verteidiger Christian Heinemann betont, es sei schwierig, sich in dem umfassenden Aktenmaterial zurechtzufinden. Auch wenn es sich um eine relativ geringe Menge handele, wie auch Richter Volker Horn sagt.

Erstes Verfahren: Bewährungsstrafe von sechs Monaten

Im ersten Verfahren, in dem der Angeklagte nach Berufung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt wurde, ging es um 1 128 Dateien. Im aktuellen Fall tauchen teils „Bilder, die wir alle schon kennen“ auf, so der Anwalt. Aufgeführt sind Dateien aus Ermittlungsakten zum alten Fall. Der Verteidiger macht keinen Hehl daraus, dass er missbilligt, dass sein Mandant die Festplatte behalten hat: „Elektronische Datenträger sind schlimmer als ein Elefantengedächtnis.“ Sie hätten nach dem Urteil vernichtet werden soll, betont er. Auch Richter Horn schärft dem Mann ein: „Jeder PC ist billiger als ein weiteres Strafverfahren.“

Wie der Weg der Dateien (erneut) zum Angeklagten verlief, soll ein Sachverständiger aufklären. Er stellt aber klar: Wer sie ursprünglich erstellt oder verbreitet habe, sei technisch nicht nachvollziehbar. Nur, wann sie zuletzt gespeichert oder verändert wurden – nicht unbedingt vom Angeklagten. Im Wirrwarr aus Dateiendungen, Caches und Cloudspeichern versucht Richter Horn, den Weg der Bilder und Videos zu rekonstruieren. Viele der Kinderporno-Dateien stammen von einem Clouddienst und wurden 2015 heruntergeladen. Wie sich herausstellt, sind es teils solche aus dem ersten Verfahren. Damals wurden die Dateien über jenes Programm getauscht. Viele weitere Bilder und Videos waren Gegenstand der früheren Verhandlung – und stammen von der Festplatte, die der Angeklagte behielt. „Wie kann man so doof sein?“, entfährt es dem Verteidiger.

Langen: Geschrumpfte Beweislast

Nachdem er wegen der geschrumpften Beweislast in Absprache mit Staatsanwalt Steffen Löwer nur die Geldauflage verhängt, betont Horn: „Die Geräte bleiben aber hier! Sonst sitzen wir in ein paar Jahren wieder hier.“ Dafür will der Anwalt sorgen – auch wenn sein Mandant nicht begeistert sei. „Diese Datenträger will keiner mehr haben!“

VON JULIA RADGEN

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