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Alle einsteigen! Zur sogenannten Roadshow der Hessen Agentur gehören nicht nur jede Menge Infos, sondern auch Rundfahren. Dabei fällt auf: Der Elektrobus, hier die Variante mit Batterie, ist unglaublich leise.

Stadtwerke informieren über alternative Antriebe

Schnupperstunde im „sauberen“ Bus

Sie werden mit Strom oder Wasserstoff betankt, sind umweltfreundlich und unglaublich leise – in immer mehr hessischen Städten sind bereits Elektrobusse unterwegs.

Langen – „E-Mobilität ist in aller Munde, aber noch viel zu wenig auf den Straßen“, findet Manfred Pusdrowski, Leiter der Langener Stadtwerke. Auch diese liebäugeln mit den emissionsfreien Bussen, aber die Technik ist für Pusdrowski noch nicht praktikabel – und vor allem zu teuer. „Die Reichweite der E-Busse ist für unsere Zwecke zu kurz und es gibt noch viele offene Fragen“, sagt er. Nichtsdestotrotz haben sich die Stadtwerke die sogenannte Roadshow der Hessen Agentur eingeladen, um die „sauberen Stadtbusse“ kennenzulernen.

Auf dem Stadthallen-Parkplatz steht ein Bus mit Batterie und ein Exemplar mit Brennstoffzelle. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie ihre modernen Diesel-Kollegen. Nur die Beschriftung verrät, dass hier alternative Antriebsmethoden genutzt werden. Und eine Besonderheit: Als der Fahrer das große Gefährt über den Asphalt lenkt, brummt nichts. Aus nächster Nähe kaum hörbar schnurrt der Koloss vom Parkplatz.

Elektrobusse live erleben und sich über die Technik und die Förderung informieren – das will die Hessen Agentur erreichen, die die Präsentation im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Energie und Wohnen organisiert. „In den meisten Kommunen herrscht Unsicherheit bei dem Thema E-Busse“, weiß Dirk Säuberlich, Fachmann für die Förderung von E-Bussen. Die Hessen Agentur berät zum einen Kommunen, Landkreise oder Verkehrsunternehmen, zum anderen übernimmt sie 40 Prozent der Kosten für den Aufbau eines Ladenetzes und die Anschaffung der E-Busse.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Busse stoßen kein CO2 aus und schonen das Klima. Auf der anderen Seite halten sie nicht so lange durch wie herkömmliche Fahrzeuge. Der E-Bus des niederländischen Unternehmens VDL, der in Langen vorgestellt wird, hat eine Batterie mit einem Speicher von 180 Kilowatt-Stunden. Damit kommt man rund 100 Kilometer weit – sofern die Temperatur mitspielt. Denn bei Minusgraden ist die Batterie schneller leer und der Fahrer muss mehr Stopps an E-Tankstellen einlegen. Schwierig, wenn es gilt, einen Linienfahrplan einzuhalten. Deshalb seien Busse mit Batterie für den Stadtverkehr in Langen und Egelsbach bislang nicht geeignet, sagt Pusdrowski, solche mit Wasserstoff schon eher.

Elektrisch buddeln Stadtwerke-Mitarbeiter auf dem Langener Friedhof mit diesem E-Bagger. Er hält komplett aufgeladen bis zu sieben Stunden lang durch.

Was die Anschaffung von E-Bussen angeht, ist der Stadtwerke-Chef daher noch skeptisch: „Erst müssen wir die finanzielle Unterstützung regeln – ohne Land und Bund geht es nicht.“ Den Druck, die alten Diesel austauschen zu lassen, habe man nicht, da im Stadtbusverkehr nur Fahrzeuge nach der Euronorm sechs unterwegs sind. Die Stadtwerke seien schon in vielerlei Hinsicht auf E-Mobilität umgestiegen sind – der Energieversorger verfügt über einen Fuhrpark an Elektro- beziehungsweise Erdgas-Autos, die Mitarbeiter der Straßenreinigung sind elektrisch unterwegs und auf dem Friedhof ist ein batteriebetriebener Bagger im Einsatz.

Zudem betreiben die Stadtwerke Ladesäulen für E-Autos in Langen und Egelsbach. Denn die Infrastruktur ist die Voraussetzung dafür, die E-Mobilität wirklich voranzutreiben, weiß Pusdrowski. „In den nächsten Jahren wollen wir bis zu 40 neue Ladesäulen für E-Fahrzeuge bauen“, sagt der Stadtwerke-Chef. Und bereits das kostet eine Menge Geld. „Ich könnte mir für den Übergang gut vorstellen, dass man Erdgas-Fahrzeuge benutzt, bis die Technologie noch weiterentwickelt ist“, meint der Stadtwerke-Leiter. Ganz gleich für welchen Antrieb man sich entscheide, es sei dringend geboten, dass Konzepte über Stadtgrenzen hinaus gefunden werden. „Wir müssen die Systeme vereinheitlichen, sonst funktioniert es nicht“, betont Pusdrowski.

VON JULIA RADGEN

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