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In Langen musste die Feuerwehr wegen des Unwetters 350 Einsätze in vier Tagen leisten. Nun stellt sich jedoch eine Entspannung ein. 

Bis zur absoluten Erschöpfung

Feuerwehr Langen leistet 350 Einsätze in vier Tagen

In Langen muss die Feuerwehr wegen des Unwetters 350 Einsätze in vier Tagen leisten.

Langen - Gestern zogen Stadtbrandinspektor Frank Stöcker und sein Stellvertreter Christian Buchold Bilanz: 350 Einsätze hat das Unwetter den Helfern beschert, die ehrenamtlichen Kräfte haben weit mehr als 3 000 Arbeitsstunden erbracht – „teilweise unter Gefährdung der eigenen Gesundheit und bis zur körperlichen Erschöpfung“, sagt Buchold.

Innerhalb kürzester Zeit hatten die Feuerwehr am Sonntagabend dutzende Hilferufe erreicht: umgestürzte Bäume auf Fahrzeugen und Häusern, abgedeckte Dächer, eingeschlossene Personen, defekte Aufzüge und herabgestürzte Starkstromleitungen. Der Einsatzplan für Flächenlagen lief unverzüglich an und dementsprechend übernahmen fünf Feuerwehrleute die Aufgaben in der Zentrale, um in der heftigen Startphase zumindest die Fälle herauszufiltern, bei denen Menschenleben in Gefahr waren oder akute Schäden befürchtet werden mussten. Auch fuhren sofort drei Führungsdienste unzählige Einsatzstellen an, um diese zu priorisieren und somit eine möglichst geordnete Bewältigung der Lage zu organisieren.

Langen: Unwetter wütete in Dieburger Straße 1 und bei B486 extrem

Von den rund 60 hochpriorisierten Einsatzstellen, die alleine am Sonntagabend zwischen 18 Uhr und Montagmorgen abgearbeitet werden mussten, stechen besonders das Hochhaus Dieburger Straße 1 (absturzbedrohte Fassadenteile im 19. Stock; unsere Zeitung berichtete) sowie die B 486 hervor: 

Sowohl zwischen Langen und Dreieich-Offenthal als auch zur Autobahn 5 hin wurden dutzenden Personen in ihren Pkw durch herabgestürzte Bäume und eine herabhängende Starkstromleitung die Fluchtmöglichkeiten genommen. Zudem drohten weitere umfallende Bäume Personen zu verletzen. Unter anderem waren Rollstuhlfahrer, Kleinkinder und in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen betroffen.

Langen: Wegen Unwetter war Infrastruktur nicht nutzbar

Als besondere Herausforderung kam hinzu, dass wichtige Teile der Infrastruktur, insbesondere die Zufahrtsstraßen, nicht genutzt werden konnten. Dadurch war es laut Buchold zu Beginn beispielsweise nicht möglich, ausreichend viele Rettungswagen an die Einsatzstellen zu beordern. Daraus resultierte, dass Verletzte (unter anderem mit Verletzungen der Halswirbelsäule) auf die Feuerwache gebracht werden mussten, um die primäre Versorgung zu gewährleisten.

 „Auch war in der ersten Phase die Kommunikation mit der übergeordneten Leitstelle nur bedingt möglich“, erklärt der Stellvertretende Stadtbrandinspektor. „Das begründete sich mit der enormen Anzahl der Einsatzstellen im gesamten Kreis Offenbach und der damit verbundenen Flut an Notrufen sowie der daraus resultierenden Disposition hunderter Einsatzmittel.“

Im weiteren Verlauf der Woche mussten dann noch rund 300 weitere Einsatzstellen abgearbeitet werden. Auch dabei handelte es sich um Gefahrensituationen, wie völlig abgeschnittene Gebäude, deren Bewohner dringend Medikamente benötigten, oder Bauteile sowie Dachziegel und Äste, die auf Verkehrswege oder Bauwerke zu stürzen drohten. 

Langen: Manche Einsätze der Feuerwehr dauerten mehrere Tage

Deutlich macht Buchold, dass einige Einsätze über mehrere Tage andauerten – diese aber nur als ein einzelner in der Statistik auftauchen. Einsatzstellen, die ausschließlich auf privatem Grund lagen und von denen keine Gefahr gemäß der gesetzlichen Regeln ausging, wurden durch die Feuerwehr gar nicht erst angenommen – die Eigentümer wurden an Fachfirmen verwiesen.

Stöcker und Buchold sind „außerordentlich stolz“ auf die Einsatzkräfte, „die – wie so häufig – persönliche Belange in den Hintergrund stellten und diese Mammutaufgabe mit einzigartigem Engagement, unermüdlich und im höchsten Maße professionell abgearbeitet haben“.

Gleichzeitig verweisen sie auf die gute Zusammenarbeit mit anderen Behörden und Institutionen wie Hessen Forst, Polizei und Kommunale Betriebe. Unterstützt wurden die Langener Einsatzkräfte vom DRK, dem Technischen Hilfswerk Neu-Isenburg sowie den Feuerwehren Frankfurt, Neu-Isenburg, Dreieich, Egelsbach, Rödermark, Mühlheim, Hainburg und Obertshausen.  

ble

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