Mein neues Leben als Ex-Banker

"Man darf nicht nur weglaufen"

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Im neuen Jahr einen Neustart wagen – darüber denken viele in diesen Tagen nach. Manche Banker mussten einen solchen Schritt bereits gehen, da in der Finanzmetropole Frankfurt auch bei Banken immer wieder Arbeitsplätze abgebaut werden. Einige von denen, die den Sprung in eine völlig neue Tätigkeit wagten, stellen wir in dieser Serie vor – so wie Thomas Laux, der früher Finanzprodukte vertrieb und heute an der Lahn Hausboote vermietet.

Die Toilette im schmucken Hausboot muss geleert, der Boden geschrubbt werden – in seinem früheren Leben hätte Thomas Laux beruflich nicht mit solchen Tätigkeiten zu tun gehabt. „Aber das kann man auch als Banker“, lacht der 54-Jährige. Und er wirkt nicht so, als ob ihm das etwas ausmacht.

Noch bis Frühjahr 2014 war Laux Vertriebschef bei einer Tochtergesellschaft einer Kölner Privatbank und hat mit seinem Team Investmentprodukte bei institutionellen Anlegern platziert. Die Auswirkungen der Finanzkrise brachten die Bank in eine Schieflage, es erfolgte eine Übernahme durch eine deutsche Großbank. „Im Rahmen von anhaltendem Kostendruck und Umstrukturierungen war schnell klar, dass weitere Veränderungen wahrscheinlich waren“, so Laux.

Irgendwann habe er über berufliche Alternativen nachgedacht. „Es war für mich die einmalige Gelegenheit, etwas ganz anderes zu wagen“, berichtet der gebürtige Hadamarer. 2012 machte er einen Hausboot-Urlaub mit Freunden in Frankreich, später eine Fahrradtour an der Lahn und hörte von schwimmenden Gartenhäuschen in Brandenburg – „und auf einmal hat sich das alles in meinem Kopf zusammengefügt“. Die Idee, einen Hausbootverleih auf der Lahn zu organisieren, war geboren.

So etwas gab es dort bisher nicht, obwohl diese Form des entspannten Urlaubs insbesondere in Ostdeutschland sehr beliebt ist. „Wenn keiner das vorher versucht hat, gibt’s entweder grundlegende Dinge, die dagegen sprechen – oder die Idee ist wirklich innovativ ...und vielleicht auch ein wenig verrückt“, so Laux. Doch die Zuversicht überwog. „Ich hätte in der Branche bleiben können, aber der Reiz etwas ganz Anderes und Eigenes auf die Beine zu stellen, war größer.“

Für ihn war der Zeitpunkt für den

Sprung ins Ungewisse

günstig: Sein Haus war abbezahlt, die Kinder erwachsen. „Doch bei aller unternehmerischen Abenteuerlust, darf der ökonomische Aspekt nicht vernachlässigt werden“, betont Laux. Ein Businessplan musste her, ein geeigneter Standort mit vorhandener oder nachrüstbarer Infrastruktur gefunden werden. Er musste auch die Ver- und Entsorgung der Boote, Zufahrtswege und Parkplätze für die Gäste berücksichtigen. Immerhin konnte er in seinem neuen Beruf vieles von dem anwenden, was er als Banker gelernt hatte: Kommunikation, die Mischung aus Spontaneität und Planung, der Umgang mit Finanzen. „Im Vergleich zu früher biete ich heute jedoch nicht mehr finanzielle Rendite an, sondern Erholung“, erklärt er. „Schwankungen gibt’s nur durch die sanften Wellen der Lahn – die Wellenbewegungen an den Kapitalmärkten bleiben außen vor. Und das ist gut so.“

Er selbst allerdings muss während der Hausbootsaison von Ende März bis Ende Oktober auf Urlaub weitgehend verzichten – um da zu sein, wenn mal ein Problem auftaucht oder eine Reparatur ansteht.

Trotzdem ist sein neues Leben für ihn befriedigender. „Die Leute sind hin und weg, wenn sie das Flusshäuschen sehen,“ freut er sich, „ich habe schon viele interessante Menschen kennengelernt und tolle Erlebnisse gehabt.“ Das wiegt für ihn auch die „finanzielle Diskrepanz“ zu seinem früheren Verdienst auf. Oft begegnet Laux Menschen, die so gestresst sind wie er selbst früher. „Wenn ich sie bei der Einweisung lobe, ist das für manche das erste positive Feedback der Woche“, hat er erfahren.

Weil die Fahrt mit dem Hausboot die Seele zur Ruhe bringt, plant Laux jetzt in der Winterpause seiner Boote nun weitere Projekte. „Die Hausboote und die Natur an der Lahn sind eine ideale Umgebung für Seminare und Coachings“, beschreibt der ausgebildete Coach seine Zukunftsvision.

Noch mehr Arbeit also für den Ex-Banker, der den ganzen Betrieb bisher überwiegend als One-Man-Show gestemmt hat, aber künftig Mitarbeiter beschäftigen wird. Die Buchungen für die Saison 2016 erfolgen bereits, die Anschaffung eines weiteren „Flusshäuschens“ ist geplant.

Wer ebenfalls von einem Neuanfang träumt, sollte laut Laux von seiner Idee wirklich überzeugt sein, gut recherchieren und finanziell solide planen. „Man sollte Gespräche mit Fachleuten führen, sich aber auch nicht von den ersten Zweiflern verunsichern lassen. Nicht zu unterschätzen: ein Partner, der hinter einem steht und das Vorhaben mit trägt – so wie es meine Frau tut.“ Vor allem aber, so sein wichtigster Ratschlag, „sollte man nie vor etwas weglaufen, sondern immer zu einem Ziel hin.“

Mehr Informationen zu den Hausbooten unter

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