Materialmangel belastet Handwerk

Das Handwerk in Hessen hat sich vom Corona-Schock etwas erholt. Materialengpässe belasten allerdings die Branche. Das hat Folgen für Kundinnen und Kunden.

Wiesbaden - Handwerkskunden in Hessen müssen sich vielfach auf längere Wartezeiten und höhere Preise einstellen. Materialengpässe könnten dazu führen, dass Termine und Kalkulationen nicht eingehalten werden könnten, Aufträge storniert werden müssten oder gar nicht angenommen werden könnten, berichtete Wolfgang Kramwinkel, Vizepräsident des Hessischen Handwerkstags, am Mittwoch in Wiesbaden. „Engpässe gab und gibt es insbesondere bei Holz, Dämmstoffen, Stahl, PVC-Rohren, Aluminium, Farben und Lacken.“

Die teils randvollen Auftragsbücher konnten Kramwinkel zufolge wegen des Materialmangels oft nicht in gewohntem Tempo abgearbeitet werden. Manche Betriebe hätte im vergangenen Jahr schlechtere Geschäfte gemacht als 2020, weil sie die „exorbitanten“ Preissteigerungen so nicht an Kunden hätten weitergeben können.

Die Handwerkskonjunktur insgesamt verzeichnete nach der Corona-Krise 2020 im vergangenen Jahr eine leichte Erholung, wie Handwerkstag-Präsident Stefan Füll berichtete. Bei Befragungen der Handwerkskammern beurteilten 80 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend (2020: 71 Prozent). „Das Niveau der boomenden letzten zehn Jahre konnte allerdings noch nicht wieder erreicht werden“, sagte Füll. Noch immer seien durchschnittlich 20 Prozent der Betriebe in einer schlechten konjunkturellen Lage.

Innerhalb des Handwerks gibt es dabei große Unterschiede. So zeigten sich beispielsweise Kfz-Betriebe weniger zufrieden mit der Geschäftslage als Bau- und Ausbaubetriebe oder gewerbliche Dienstleister.

Sorgen bereitet der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel, der sich den Angaben zufolge verschärfte. Lediglich 11 Prozent der Handwerksbetriebe berichteten im Quartalsschnitt 2021 demnach von einem Personalzuwachs, bei 16 Prozent sank die Zahl der Beschäftigten, bei 73 Prozent blieb sie stabil. Die Zahl der neuen Lehrverträge habe bei weitem noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht.

Eine genaue Prognose für das laufende Jahr gab Füll nicht ab: „Mit jeder neuen Virusvariante müssen Prognosen wieder kassiert werden.“ Die Unsicherheiten durch die Pandemie seien immer noch besorgniserregend. „Von der Nachfrageseite her sprechen allerdings viele Faktoren für eine deutliche Belebung der Handwerkskonjunktur, wenn die Corona-Maßnahmen wieder zurückgenommen werden können.“ dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare