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Mehr Flüchtlinge und Corona: Leichtbau-Unterkünfte

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Rundgang Erstaufnahmeeinrichtung Hessen
Ein Zimmer in einer Unterkunft. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die Zahl neu ankommender Asylsuchender in Hessen steigt. Gleichzeitig muss in den Erstaufnahmeeinrichtungen wegen der Pandemie auf Abstand geachtet werden. Um dennoch genügend Platz zu haben, setzt das Land auf Leichtbau-Unterkünfte. Eine Dauerlösung soll das nicht sein.

Gießen - Mit neu aufgestellten Unterkünften in Leichtbauweise reagiert das Land Hessen auf die steigenden Zugangszahlen von Asylsuchenden zu Pandemiezeiten. „Wir brauchen mehr Unterkünfte, zum einen wegen Corona“, erläuterte der Gießener Regierungspräsident Christoph Ullrich, dessen Behörde für die Erstaufnahme von Flüchtlingen zuständig ist. „Und zum anderen wegen der höheren Belegung, die wir insgesamt haben an den Standorten.“ Derzeit leben in Hessens Erstaufnahmeeinrichtungen rund 6000 Menschen, im Herbst 2019 waren es etwa 1600.

Bei einem Rundgang am Montag in Gießen stellte das Regierungspräsidium (RP) die sechs neuen Leichtbauhallen vor, die vorübergehend auf einer Freifläche aufgebaut wurden. Als Faktoren für den gestiegenen Platzbedarf sowie die wachsende Zahl von Asylsuchenden führte Ullrich unter anderem an: Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen müssten die Unterkünfte luftiger belegt sowie Quarantäne-Räume vorgehalten werden. Angesichts gesetzlicher Änderungen blieben Neuankömmlinge länger in der Erstaufnahme, zeitgleich erreichten wieder mehr Asylsuchende, unter anderem via Belarus, Hessen. Im Bundesland gibt es mehrere Erstaufnahmeeinrichtungen. Gießen ist der größte Standort.

„Eigentlich waren wir auf erhöhte Zugänge vorbereitet“, so Ullrich. Und mit nur ein oder zwei der genannten Faktoren wäre man auch „locker mit den Standorten hingekommen“. Nun müsse aufgestockt werden. Die Leichtbau-Hallen bieten dem RP zufolge jeweils Platz für etwa 100 Betten. Mit Zelten seien die Konstruktionen, die über abgetrennte Bereiche verfügen, nicht zu vergleichen, betonte Ullrich.

Das RP nutzt bereits fünf Jugendherbergen vorübergehend als Flüchtlingsunterkünfte. Außerdem werden derzeit Liegenschaften, darunter frühere Kasernen, in Darmstadt, Friedberg, Fuldatal und Bensheim hergerichtet, um mehr Kapazitäten zu schaffen. Doch bis diese für die Erstaufnahme von Flüchtlingen genutzt werden können, wird es noch etliche Wochen dauern.

Die Leichtbau-Unterkünfte ermöglichen in der aktuellen Lage eine hohe Flexibilität und überbrücken die Zeit bis zur Fertigstellung der anderen Standorte, wie Manfred Becker sagte, der zuständige Abteilungsleiter beim RP. Diese seien rasch errichtet und man könne damit sehr schnell auf kurzfristig erhöhte Flüchtlingszugänge reagieren. Klar sei aber, dass es sich nicht um eine Dauerlösung handele. „Das sind jetzt Überbrückungsmaßnahmen, die zwingend erforderlich sind, die wir sehr gut einsetzen und nutzen können.“ Sie stellten in Gießen allerdings sicher, „dass wir jederzeit aufnahmefähig sind. Das ist immer ganz wichtig“.

Die Erfahrung aus dem Jahr 2015, in dem viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, helfe in der aktuellen Situation, sagte Abteilungsleiter Becker weiter. „Wir versuchen unsere Erfahrungswerte, die wir damals gesammelt haben, jetzt wieder umzusetzen.“ dpa

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