Direktor der Frankfurter Uniklinik zu Corona-Lage
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Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt.

Mehr Infizierte erwartet: aber weniger schwere Fälle

Der Direktor der Frankfurter Uniklinik erwartet steigende Corona-Fallzahlen, aber keine neue Überlastung der Intensivstationen. Derzeit sei die Lage in den hessischen Kliniken bei den Covid-19-Patienten „ziemlich entspannt“, sagte Prof. Jürgen Graf. Man habe landesweit konstant rund 50 Patienten auf Intensivstationen und 100 auf Normalstationen. „Alle liegen schon länger in den Kliniken, es kommen nur vereinzelt Patienten dazu.“

Frankfurt/Main - Die Frage sei allerdings, wie lange das so bleibe. Die Entwicklung in den Nachbarländern sei beunruhigend, auch die umfangreiche Lockerung in Großbritannien findet Graf „nicht nachvollziehbar“. Dazu komme die Saisonalität des Erregers, der im Herbst und Winter aktiver sei.

Dennoch bestehe Hoffnung, dass die Situation in diesem Jahr eine andere sein könnte als im vergangenen: „Was sich geändert hat, ist der Anteil der Hospitalisierten an den Infizierten“, erklärte Graf. Will heißen: Auch wenn mehr Menschen sich mit dem Virus anstecken, werden weniger von ihnen schwer krank.

„Grund sind die Impfungen“, sagte Graf. Zwar könnten sich auch doppelt Geimpfte infizieren, „aber die Impfung schützt vor schwerem Verlauf und Tod“. Die Frage, ob die Kliniken erneut ans Limit kommen, hänge daher vor allem am Impftempo. Für die Herdenimmunität ist Graf eher nicht optimistisch: „Eine Impfquote von 85 Prozent oder mehr ist gegenwärtig in weiter Ferne, wenn man ehrlich ist.“ dpa

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