Peter Kohlgraf
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Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz.

Mehr weiblicher Blick: Bistum Mainz bekommt Frauenkommission

Schon seit vielen Jahrhunderten gibt es das Bistum Mainz. Nun lässt es sich erstmals auch von einer Frauenkommission beraten. Bischof Kohlgraf sagt, womöglich bekämen auch andere Oberhirten Lust auf die Gründung eines solchen Gremiums.

Mainz - Erstmals berät eine Frauenkommission den Mainzer Bischof. Die zwölf Frauen für dieses Gremium wurden bei einer digitalen Frauenversammlung an diesem Samstag gewählt, wie das Bistum Diözese mitteilte. Es liegt in Teilen von Rheinland-Pfalz und Hessen. Bischof Peter Kohlgraf betonte: „Ich kann mir vorstellen, dass wir einen wichtigen Beitrag leisten für den Synodalen Weg (Reformprozess der katholischen Kirche) hier in Deutschland, und auch weltweit.“ Vielleicht bekomme dann manch anderer Bischof ebenfalls Lust, eine Frauenkommission zu gründen.

Seelsorgedezernent Hans Jürgen Dörr verglich laut Mitteilung die Frauenkommission mit einem Kind, das geboren wird: „Wir kommen uns vor wie Hebammen, die bei der Geburtsvorbereitung helfen. Dabei geht es nicht um uns, sondern um die Kommission, der wir einen Raum geben.“ Dörr ergänzte: „Die Kirche braucht unbedingt einen weiblichen Blick, das Auge und die Sichtweise der Frauen und ihr verantwortungsvolles Engagement auf allen Ebenen.“ Die konstituierende Sitzung des neuen Gremiums ist am 15. September geplant. Dann soll auch eine Vorsitzende gewählt werden.

Viele Katholikinnen und Katholiken kritisieren schon seit Jahren eine Ungleichbehandlung von Frauen in der Kirche und fordern mehr Gleichberechtigung. Als Aufgabe der neuen Frauenkommission nennt das Bistum unter anderem „Reflexion und Ausarbeitung von Schritten“ darüber, wie sich eine „Beteiligung von Frauen sowie Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen und in den Strukturen fördern und umsetzen lässt“.

Die Frauenkommission wurde für zwei Jahre gewählt. An der Online-Versammlung beteiligten sich laut Bistum unter dem Motto „Frauen* handeln hier und jetzt!“ 260 Frauen aus „allen Bereichen von Kirche und Gesellschaft“. Bischof Kohlgraf wies dabei darauf hin, dass die Gleichberechtigung der Frau nicht allein ein kirchliches Thema sei. Etwa bei Aspekten wie gleiche Bezahlung, Gewalt gegen Frauen oder Pflege von Angehörigen. „Das sind Themen in unserer Gesellschaft, bei denen Frauen oft noch auf dem zweiten Rang sind, und das kann einfach nicht sein“, betonte der Oberhirte laut Mitteilung. An die Frauen gewandt ergänzte Kohlgraf: „Deshalb lade ich Sie ein, die Themen einzubringen, die Sie als wichtig erachten.“

Die Rolle der Frauen im pastoralen Leben gehört derzeit neben dem Segnungsverbot des Vatikans für homosexuelle Paare, dem Pflichtzölibat und der Aufarbeitung von Fällen sexueller Gewalt zu den umstrittensten Themen in der katholischen Kirche. Ende Februar hatten Anhängerinnen der katholischen Reformbewegung „Maria 2.0“ Plakate mit ihren Forderungen an die Türen von Kirchen in Mainz und Umgebung geschlagen. Sie forderten mehr Gleichberechtigung, die Aufklärung von sexuellem Missbrauch, die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Anerkennung unterschiedlicher Lebensformen. dpa

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