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Ein Justizbeamter (l) nimmt einem Angeklagten im Landgericht die Handschellen ab.

Urteil

Messerattacke auf Ex-Frau - Lebenslange Haft für Todesengel

Nach einer Messerattacke mit 21 Stichen gegen seine Ex-Frau ist ihr Mann zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Hanau befand den 49-Jährigen am Dienstag schuldig wegen versuchten

Der Vorsitzende Richter Peter Graßmück wundert sich über das "Desinteresse" des Angeklagten. Es geht immerhin um versuchten Mord. Er blickt ihm bei der Urteilsverkündung ernst ins Gesicht und verdeutlicht: "Sie haben große Schuld auf sich geladen und ihre Familie zerstört." Doch der kleingewachsene Mann mit den kurzen, grauen Haaren starrt bei der Verhandlung im Hanauer Landgericht vor sich. Das am Dienstag gesprochene Urteil nimmt er ungerührt zur Kenntnis. Es lautet: lebenslange Freiheitsstrafe.

Nach einer Messerattacke mit 21 Stichen gegen seine Ex-Frau kommt es nicht überraschend. Das Landgericht Hanau befand den 49-Jährigen für schuldig wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Der Mann hatte seiner geschiedenen Frau (46) am Morgen des 5. Januar vor ihrem Wohnhaus in Hanau aufgelauert. Mit der für die Tat auf einem Flohmarkt gekauften 15 Zentimeter langen Klinge attackierte er sie ohne große Vorrede. Sie rechnete nicht mit dem Angriff im Morgengrauen. In einer Hand trug sie einen Beutel für die Mülltonne.

Zwar versicherte der Angeklagte wiederholt, er wollte die Frau nur verletzten. Doch das nimmt ihm das Gericht nicht ab. Graßmück betonte, er habe mit "Vernichtungswillen" gehandelt. Eine Zeugin sagte, er haben wie im "Dauerfeuer" auf die Frau eingestochen.

Im Krankenhaus überlebte das Opfer nur dank einer Notoperation. Zehn Blutkonserven zu je einem halben Liter wurden benötigt. Dass die Mediziner überhaupt noch eine Chance hatten, lag auch daran, dass die Rettungsleitstelle in Hanau nicht weit entfernt vom Tatort liegt. "Wären die Notärzte zwei, drei Minuten später eingetroffen, wäre es vermutlich zu spät gewesen", sagte Richter Graßmück. Dass die Frau noch lebt, sei ein "glücklicher Zufall".

Dass die Notärzte wiederum überhaupt noch eine Chance hatten, etwas für das geschundene Opfer tun zu können, liegt vermutlich an mutigen Nachbarn. Sie gingen gegen den auf seine Ex-Partnerin einstechenden Mann vor. Eine Frau drosch ihm eine Dachlatte auf den Kopf und vertrieb den Angreifer. Damit habe sie dem Opfer vermutlich das Leben gerettet und große Zivilcourage bewiesen, lobte Oberstaatsanwalt Dominik Mies.

Nach der Tat hatte sich der Mann, der sich in Drohungen an das Opfer als "Todesengel" dargestellt hatte, zufrieden festnehmen lassen. Er hatte sein Ziel erreicht, sich an seiner emanzipierten Frau zu rächen. Tot ist sie zwar nicht, wie er ihr vielfach gedroht hatte. Doch die Frau ist körperlich und seelisch gezeichnet. "Sie ist fertig und sagt, nur noch für ihre Kinder zu leben", erklärt Graßmück.

Bei einer Vernehmung bei der Polizei gab der Mann die Messerattacke zu. Der Grund: Er habe nicht akzeptieren wollen, dass sich die dreifache Mutter von ihm getrennt hatte. Opfer und Täter stammen aus der Türkei. Vor Gericht schwieg der Mann weitgehend, entschuldigte sich aber am Ende noch für die Tat.

Nach Ansicht von Oberstaatsanwalt Mies war es eine "abscheuliche Tat", die geplant und auf "bestialische Weise" realisiert wurde. Der Angeklagte habe aus Eifersucht, einem übersteigerten Ehrgefühl und verletztem Stolz gehandelt, weil sich die Frau im Jahr 2015 von dem spielsüchtigen, alkoholkranken und gewalttätigen Mann getrennt hatte.

Laut Staatsanwaltschaft beging er die Tat heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen. Das Gericht sah es genauso. Auch deswegen schloss sie sich der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage an, eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhängen. Nichtsdestotrotz will der Angeklagte in Revision gehen, wie seine Verteidigerin Andrea Wetz der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Die Anwältin versuchte auch geltend zu machen, dass ihr Mandant unter anderem unter einer depressiven Störung leidet. Das Gericht sah deswegen aber keine verminderte Schuldfähigkeit. Auch seine Steuerungsfähigkeit sei nicht eingeschränkt gewesen. Er habe die Tat geplant und eiskalt umgesetzt, befand das Gericht.

(dpa)

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