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Viel Verkehr gibt es auf Hessens Autobahnen, hier am Offenbacher Kreuz. Nicht nur dort soll umgebaut und der Verkehrsfluss verbessert werden.

Startschuss noch in diesem Jahr

600 Millionen Euro für weniger Stau: Hessen baut Autobahnkreuze aus

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Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch hatte schon zu Beginn dieses Jahrtausends von einem staufreien Hessen bis 2015 geträumt. Nun haben wir 2017, und noch immer bilden sich auf den Autobahnen des Rhein-Main-Gebiets im Berufsverkehr lange Staus. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir weckt nun neue Hoffnungen.

Die hessische Landesregierung will „in den nächsten Jahren sämtliche Autobahnkreuze im Rhein-Main-Gebiet ausbauen“. Das sagte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) im Gespräch mit dieser Zeitung. Mit einem Investitionsvolumen von 600 Millionen Euro sollen das Westkreuz und das Nordwestkreuz Frankfurt sowie das Offenbacher, das Wiesbadener, das Darmstädter und das Bad Homburger Kreuz umgebaut werden. „Das verbessert den Verkehrsfluss und erhöht zugleich die Verkehrssicherheit“, erklärt der Minister.

Das Geld stamme aus Bundesmitteln. Gemäß der Planungen zu der neu zu gründenden Bundesverkehrsstraßengesellschaft werde das Land nur einen Teil der Planungskosten zu stemmen haben.

Einen großen Teil der Arbeiten werde die Planungsgesellschaft von Bund und Ländern, DEGES, übernehmen, weil das Riesenprojekt die Planungs- und Baukapazitäten von Hessen Mobil übersteige. „Die Verträge dafür sind so gut wie unterschriftsreif“, gab Al-Wazir bei einem Besuch in unserem Verlagshaus bekannt. Weitere Details will der Minister demnächst der Öffentlichkeit vorstellen.

Nach dem Muster des Frankfurter Kreuzes, das nicht in dem Projekt enthalten ist, weil es erst kürzlich umgebaut wurde, sollen die Streifen zum Ein- und Ausfädeln an den Autobahnkreuzen dem gestiegenen Verkehrsaufkommen angepasst werden. Die Maßnahmen seien im Einzelnen von Kreuz zu Kreuz unterschiedlich.

Der grüne Verkehrsminister setzt aber nicht nur auf einen Ausbau der Autobahnen, um der steigenden Mobilität in der Region zu begegnen. „Wir brauchen in einer wachsenden Region vor allem attraktive Schienenangebote, wenn wir dem Dauerstau begegnen wollen“, betont er. In die Straßeninfrastruktur sei auch schon in den vergangenen beiden Jahren so viel Geld investiert worden wie nie zuvor. Der Schwerpunkt liege auf „Sanierung und Erhalt“.

Neben den Regierungsparteien CDU und Grüne hat auch die hessische SPD das Thema Infrastruktur für sich entdeckt und will mit weiteren Forderungen unter anderem an den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes in nächsten Landtagswahlkampf ziehen.

Minister Al-Wazir sieht das gelassen: „Es ist die Aufgabe der Opposition zu klagen. Das habe ich auch gemacht, als ich in der Opposition war. Man muss aber auch immer sagen, wie man es besser machen kann und wie man es bezahlen will. Das haben die Grünen in der Opposition nach meinem Gefühl besser gemacht“, sagt Al-Wazir. Dennoch gebe es nach wie vor einen guten Gesprächsfaden zwischen ihm und SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel. Ein Rot-Grünes Bündnis sei deshalb in Zukunft keineswegs ausgeschlossen.

Lesen Sie das gesamte Interview mit dem hessischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, in dem er auch über seine Gewissenskonflikte rund um den Flughafenausbau spricht, auf Rhein-Main & Hessen

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