Bauen

Millionen Wohnungen könnten auf Dächern entstehen, Hessen zögert

Bei der Schaffung von Wohnraum könnte die Erweiterung von Gebäuden nach oben eine größere Rolle spielen.

Die Bundesregierung will mit einer Bauoffensive gegen Wohnraumknappheit vorgehen. Eine Idee ist dabei die Aufstockung bereits vorhandener Häuser. Auf Dächern könnten so „Millionen neuer Wohnungen entstehen“. Auch in Hessen? Was sich in der Theorie einfach anhöre, sei leider nur schwierig umsetzbar, sagte Jens Duffner, Pressesprecher der Nassauischen Heimstätte. Sie ist Hessens größte Wohnungsgesellschaft und verwaltet rund 63 000 Wohnungen. Denn für die Aufstockung von Häusern gebe es viele Details zu bedenken, die passen müssen.

„Erstmal muss das Gebäude dafür die baulichen Voraussetzungen erfüllen, die Bausubstanz und die Statik müssen eine Aufstockung zulassen“, erläutert Duffner. Viel gravierender sei aber die Vorschrift, bei Aufstockung zusätzlichen Parkraum schaffen zu müssen. Dies lasse sich in Ballungszentren wie Frankfurt oder Kassel meist nicht umsetzen. Stattdessen müsse man über Tiefgaragen nachdenken. „Da sind wir an einem Punkt, wo die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist“, sagt Duffner.

In diesem Punkt hat die Landesregierung aber bereits nachgebessert. Seit Juli können Kommunen laut Hessischer Bauordnung bei Aufstockung von Wohnraum ganz oder teilweise auf die Schaffung zusätzlicher Stellplätze verzichten.

Dennoch bleibt die Nassauische Heimstätte mit der Aufstockung von Wohnraum eher zurückhaltend. In Darmstadt habe man dies bei zwei Gebäuden getestet, als Pilotprojekt, wie Duffner erläutert. Nach einem erfolgreichen Projekt vor zwei Jahren im benachbarten Stockhausenweg war im vergangenen Jahr der Brunnenweg 55-59 in Darmstadt-Eberstadt an der Reihe.

Dort passten alle Faktoren: Es entstanden durch die Aufstockung sechs neue Wohnungen mit insgesamt 418,44 Quadratmetern Wohnfläche. Die drei Zweizimmer- und drei Dreizimmer-Wohnungen haben jeweils Größen zwischen 56 und 78 Quadratmetern „Unsere Erfahrungen sind dabei recht gut. Deshalb wollen wir dies jetzt auch mit einem Gebäude in Frankfurt angehen. Das ist allerdings noch in der Planung“, so Duffner. Aufstockungen werden also in Hessen wohl keine große Rolle bei der Schaffung von Wohnraum spielen. Vielmehr setzt die Landesregierung auf Neubauten und damit verbundene Akquirierung von Bauland.

Die Herausforderung ist groß: Nach Prognosen werden bis 2040 in Hessen mehr als 500 000 Wohnungen zusätzlich gebraucht. Davon entfallen 86 Prozent allein auf Südhessen. In Nordhessen ist vor allem der Großraum Kassel betroffen, in Mittelhessen die Universitätsstädte Marburg und Gießen.

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