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Strahlende Siegerin in Gießen: Am 20. Januar wurde die 25-jährige Derya Sipahi aus Frankfurt in einem Einkaufszentrum zur ?Miss Hessen? gewählt. Foto: dpa

Porträt

"Miss Hessen" Derya Sipahi möchte andere motivieren

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Gedanklich nur mit Make-up und dem Laufsteg beschäftigt? Fehlanzeige. „Miss Hessen“ Derya Sipahi ist eine ernsthafte und disziplinierte 25-jährige Unternehmensberaterin. Ihren Titel sieht sie als Möglichkeit, mit Menschen aus vielen Bereichen in Kontakt zu treten. Und sie verrät, warum sie nicht noch einmal an einem Schönheitswettewerb teilnehmen würde.

Dass sie einmal aus der Rolle fällt, das scheint bei Derya Sipahi schwer vorstellbar. Die 25-jährige Unternehmensberaterin, die seit dem 20. Januar „Miss Hessen“ ist, wirkt ebenso reif wie kontrolliert. Und obwohl sie sehr schlank und sportlich ist, scheint sie nicht auf Äußerlichkeiten konzentriert zu sein.

„Ich benutze sonst gar kein Make-up. Deswegen dauert das Abschminken bei mir auch länger“, erklärte sie etwa im Miss-Germany-Camp auf Fuerteventura den Umstand, dass sie an einem Abend lieber auf ihrem Zimmer blieb, als zu tanzen. Herumgackern oder -hüpfen schien ihr viel ferner zu liegen als manchen ihrer Altersgenossinnen. Sie mag klassische Musik und den Humor von Dieter Nuhr, liest Sachbücher zur Digitalisierung. Sie analysiere gern, betont sie. Dass sie eine sehr fleißige und ehrgeizige Schülerin war, glaubt man ihr sofort.

Irgendwann gern Kinder

Dennoch ist sie gesellig, pflegt Kontakte aber lieber im echten Leben als auf sozialen Netzwerken. Erst seit kurzem ist sie auf Instagram vertreten, postet dort nur Bilder über ihre Tätigkeit als Schönheitskönigin. Privates verrät sie nicht, geht mit allen Informationen darüber auch im Gespräch sehr vorsichtig um. Ob sie einen Freund hat? Dazu möchte sie öffentlich nichts sagen – nur dass „privates Glück ihr wichtig ist“.

Aber Kinder, so viel verrät sie doch, möchte sie auf jeden Fall irgendwann haben. „Vor zwei bis drei Jahren war das noch kein Thema für mich, jetzt ist das anders.“

Dass ihre Familie ihr viel bedeutet, klingt durch. Für den jüngeren ihrer beiden Brüder sei sie früher immer eine Ansprechpartnerin gewesen. Ihre Mutter habe sie „motiviert, bei den Wettbewerben mitzumachen“, erinnert sie sich. „Ich habe aber nicht wirklich damit gerechnet zu gewinnen. Das war überraschend.“ Und es geschah gleich zwei Mal. Derya wurde am 26. August 2017 „Miss Taunus“ und dann im Januar „Miss Hessen“.

Dabei ist Derya – der Name bedeutet „Ozean“ – eigentlich Kosmopolitin. Die Tochter einer Türkin und eines Deutschen, in Siegen geboren, zog in ihrem Leben schon „etwa 20 Mal um“. Heute wohnt sie mitten in Frankfurt, ist von dieser Stadt begeistert.

Nach ihrer Wahl zur „Miss Hessen“ stand fest, dass sie sich auch um den Titel der „Miss Germany“ bewerben würde – das bedeutete vier Wochen intensive Vorbereitungen. Ihre Arbeit als Unternehmensberaterin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG musste in dieser Zeit ruhen. „Ich habe an einem Sonntagabend meine Chefin deswegen kontaktiert“, erinnert sie sich. „Sie war sehr überrascht, hat sich aber auch für mich gefreut und mich unterstützt.“

Dass nun eine andere „Miss Germany“ geworden ist, trägt Derya mit Fassung und der ihr eigenen Selbstdisziplin. „Ich bin mit meiner Teilnahme und dem Verlauf des Wettbewerbs nach wie vor zufrieden“, erklärte sie am Tag nach dem Sieg der 23-jährigen Anahita Rehbein. Allerdings sagt sie auch: „Noch mal würde ich nicht an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen. Nicht weil ich negative Erfahrungen gemacht habe. Aber einmal reicht aus.“

Ihre Zeit ist kostbar

Nun kann sie ganz normal weiterarbeiten, was für eine „Miss Germany“ mit all ihren Verpflichtungen tatsächlich schwierig geworden wäre. Als „Miss Hessen“ sei es ihr selbst überlassen, was sie umsetze. Sie habe vor, mit Menschen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Soziales in Kontakt zu treten, erläutert sie ihre Pläne. „Ich will sehen, wo ich mich am besten einbringen kann.“ Auf jeden Fall möchte sie ihren Titel, ihre Zeit für etwas Sinnvolles verwenden, „denn Zeit ist sehr kostbar“.

Wie für ihren Bruder wäre sie gern Ansprechpartnerin für viele junge Menschen und möchte ihnen dabei helfen, sich zu verwirklichen, herauszufinden, was sie glücklich macht. Für sie selbst sei das nie ein Problem gewesen, räumt sie ein. „Es klingt vielleicht komisch, aber ich hatte immer ein Ziel vor Augen und muss mich immer auf ein Ziel hinbewegen“, sagt sie. Einfach nur von etwas zu träumen, das sei nichts für sie.

Aber wohin soll die Reise ihres Lebens nun gehen, auf der sie so unbeirrt voranschreitet? Derya Sipahi antwortet wieder mit der ihr ganz eigenen Mischung aus Charme, Entschlossenheit und Zurückhaltung. „Mein persönliches Ziel behalte ich für mich, bis ich es umgesetzt habe.“

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