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Welche Rolle spielte Markus H. bei der Vorbereitung auf den Mord von Walter Lübcke wirklich? 

Rechtsextremismus

Mordfall Lübcke: Welche Rolle spielte der zweite Verdächtige Markus H. wirklich?

Im Mordfall Lübcke soll der zweite Verdächtige Markus H. den mutmaßlichen Haupttäter moralisch unterstützt haben - brisante neue Erkenntnisse.

Kassel - Beim rechtsextremistischen Mordanschlag auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke soll der Mitbeschuldigte Markus H. eine größere Rolle gespielt haben als bislang bekannt. Das geht aus dem jetzt bekannt gewordenen Beschluss hervor, mit dem der Bundesgerichtshof (BGH) eine Beschwerde des 43-Jährigen gegen seine Untersuchungshaft abwies.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen, so schreiben die Bundesrichter in ihrem Beschluss vom 22. August, habe es Markus H. „spätestens ab Juli 2016“ nicht nur für möglich gehalten, dass der mit ihm eng befreundete Hauptverdächtige Stephan E. einen politischen Entscheidungsträger töten werde, „um diesen für seine liberale Linie in der Flüchtlingspolitik abzustrafen“. Er habe auch dessen Ziele und Motive geteilt und ihn „im Willen zur Tatbegehung bestärkt“.

Markus H. wie Stefan E. seit vielen Jahren in der rechtsextremistischen Szene in Kassel aktiv

Markus H., der wie E. seit vielen Jahren in der rechtsextremistischen Szene in Kassel aktiv ist, war ursprünglich festgenommen worden, weil er den Erwerb der späteren Tatwaffe bei einem illegalen Waffenhändler vermittelt haben soll. Damit lässt sich nach Ansicht des BGH der Vorwurf der Beihilfe zum Mord allerdings nicht mehr begründen. Denn die Kontaktanbahnung sei schon deutlich vor jener Bürgerversammlung im Oktober 2015 in Lohfelden erfolgt, die E.’s mörderischen Lübcke-Hass erst begründet haben soll. Der CDU-Politiker hatte damals mit klaren Sätzen zu den Werten dieses Landes die Wut der gesamten deutschen Rechten auf sich gezogen.

Das Gericht hält Markus H. jedoch für dringend verdächtig, den Mordanschlag unterstützt zu haben,indem er dem Täter „Zuspruch und Sicherheit“ vermittelte – auch wenn er in dessen konkreten Tatplan wohl nicht eingeweiht gewesen sei. „Psychische Beihilfe“ nennen das Juristen. Konkret geht es um Gespräche, in denen sich die beiden Männer darin bestärkt haben sollen, dass man „was machen“ müsse. Worte, die Stephan E. auch gewählt haben soll, als er seinem Freund von der Auskundschaftung des Wohnhauses Walter Lübckes berichtet habe.

Welche Rolle spielte Markus H. bei der Vorbereitung auf den Mord an Walter Lübcke wirklich?

Es geht um den Schützenverein, in dem E. auf Betreiben von Markus H. Mitglied wurde und gemeinsam mit ihm Schießübungen durchführte, auch mit 9-mm-Patronen wie bei der Tat. Es geht um rechte Demonstrationen, die die zwei Kameraden noch in jüngerer Zeit zusammen besucht haben sollen – eine brisante Information, hieß es doch von den Sicherheitsbehörden bisher, dass E. seit 2009 völlig unauffällig gelebt habe.

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Auf Initiative von Markus H. sollen die beiden Verdächtigen schon die Bürgerversammlung in Lohfelden zusammen besucht haben. Und gemeinsam sollen sie anschließend beschlossen haben, das von Markus H. gedrehte Handyvideo der Veranstaltung bei Youtube zu veröffentlichen, um den Hass auf Lübcke anzuheizen. Ein Team von Anfang an also. Mit klarer Rollenverteilung, wie eine frühere Lebensgefährtin von Markus H. laut BGH-Beschluss den Ermittlern sagte: Ihr damaliger Freund sei der „Denker“ gewesen, Stephan E. der „Macher“. 

Bekannten Szene-Anwalt Björn Clemens vertritt Markus H. vor Gericht

Sie berichtete aber auch, dass Markus H. für den Fall, dass er einmal unheilbar erkranken sollte, über einen Selbstmordanschlag auf „möglichst viele“ Ausländer nachgedacht habe. Und in seiner Wohnung fanden die Ermittler ein Exemplar der Hetzschrift „Umvolkung“ von Akif Pirincci, in der der Name Lübcke mit einem Textmarker gelb markiert war.

Anwaltlich vertreten wird Markus H. übrigens von einem bekannten Szene-Anwalt: Björn Clemens aus Düsseldorf ist Mitglied im Bundesvorstand der geschichtsrevisionistischen „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) und tritt nicht nur regelmäßig als Verteidiger von Neonazis vor Gericht auf, sondern auch als Redner auf rechtsextremistischen Veranstaltungen. Im November 2018 gastierte er bei der Kasseler Burschenschaft Germania.

Von Joachim Tornau

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