Serienkiller unter Verdacht

Mordfall Tristan aufgeklärt?

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Die hessische Landespolizei ist wahrscheinlich einem brutalen Serientäter auf die Spur gekommen: Ermittler vermuten, dass Manfred S. fünf Frankfurter Prostituierte umgebracht hat. Auch der gewaltsame Tod des Schülers Tristan Brübach im Stadtteil Höchst könnte auf das Konto des 2014 verstorbenen Mannes aus Schwalbach gehen.

Sollte sich die Theorie der hessischen Landespolizei bewahrheiten, wäre es eine kriminalistische Sensation: Ermittler gehen davon aus, dass Manfred S. aus Schwalbach seit dem Jahr 1971 fünf Frankfurter Prostituierte und vielleicht sogar den 13 Jahre alten Schüler umgebracht hat. S. starb im August 2014 im Alter von 67 Jahren. Im Folgemonat entdeckte ein Angehöriger in einer von S. angemieteten zwei Plastiktonnen, in der Teile einer Leiche steckten. Die Polizei fand heraus, dass es sich bei der getöteten Frau um eine zum Todeszeitpunkt 43 Jahre alte, drogenabhängige Prostituierte aus Frankfurt handelte.

Weil der Verdacht aufkam, dass Manfred S. in der Vergangenheit noch weitere Menschen umgebracht hat, gründete das Landeskriminalamt (LKA) im Frankfurter Polizeipräsidium die Arbeitsgruppe (AG) „Alaska“, der auch der Leiter der Frankfurter Mordkommission angehört. Bei einer sogenannten operativen Fallanalyse verglichen die Ermittler den Schwalbacher Fall mit verschiedenen ungeklärten Tötungsdelikten und suchten nach wiederkehrenden Mustern, etwa beim Vorgehen des Täters. Tatsächlich identifizierten die Ermittler vier Altfälle mit ermordeten Frankfurter Prostituierten, die eventuell in einem Zusammenhang mit S. stehen. Zwei dieser Fälle stammen aus dem Jahr 1971, je einer aus den Jahren 1991 und 1993.

Wie das LKA mitteilte, wurde darüber hinaus auch der Fall Tristan Brübach aus dem März 1998 in die Überlegungen einbezogen. Der Mord an dem 13 Jahre alten Schüler im Stadtteil Höchst ist das wohl bekannteste, unaufgeklärte Tötungsdelikt der jüngeren Frankfurter Geschichte. Zwar wäre der Mord an einem Kind ein ganz anders geartetes Verbrechen als die Prostituiertenmorde, aber die Ermittler verweisen darauf, dass diesem „scheinbaren Widerspruch mehrere, teilweise sehr spezielle Tathandlungen gegenüberstehen, die sich so oder so ähnlich auch bei den anderen Opfern finden“.

Eine offenkundige Parallele zwischen dem Schwalbacher Fall und dem Fall Tristan ist die „Bearbeitung“ der Leiche mit Schneidewerkzeug: Tristans Mörder schlug und würgte den Schüler bis zur Bewusstlosigkeit, schnitt ihm die Kehle bis zur Halswirbelsäule durch und ließ den Körper ausbluten. Dann trennte er Fleischstücke aus dem Gesäß und einem Oberschenkel des Jungen, setzte das Messer am Schambein an und schälte die Hoden heraus. Die herausgetrennten Körperteile verstaute der Täter in Tristans Rucksack und verschwand.

Sollte sich der Schwalbacher Manfred S. posthum tatsächlich als Serienmörder erweisen, würde sich die Frage stellen, wie er seine dunkle Vergangenheit über Jahre und Jahrzehnte hinweg geheim halten konnte. Nach außen hin scheint der Familienvater nämlich kein in sich gekehrter Sonderling gewesen zu sein. Stattdessen war er gesellig, spielte mit anderen Musikern Klarinette und Saxofon und hatte vor allem ein Faible für den Jazz. Alles spricht für ein Doppelleben.

Heute Nachmittag wollen Vertreter des Landeskriminalamts und der Frankfurter Polizei im LKA weitere Einzelheiten zu den Ermittlungen der AG „Alaska“ und dem mutmaßlichen Serienmörder bekanntgeben.

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