Masern-Angst in Hessen: Fragen und Antworten

Das müssen Sie zu den Masern wissen

In Hessen sind 27 Menschen an den Masern erkrankt: Auch im Raum Rhein-Main dürfen deshalb Schüler und Lehrer nicht an ihre Schulen, in Weilburg hat sogar eine Grundschule vorübergehend dicht gemacht. Aber was sind die Masern eigentlich? Und wie kann man sich schützen?

Eine Schule in Weilburg am Montag: Ein Kind hat die Masern. Deshalb fällt der Unterricht vorerst aus. Eine Sicherheitsmaßnahme. In den letzten Tagen sind 27 Menschen aus Hessen an den Masern erkrankt. Auch an zwei Schulen in Frankfurt und einer Berufsschule in Hofheim dürfen etliche Schüler und ihre Lehrer vorübergehend nicht mehr am Unterricht teilnehmen: Zu hoch ist die Ansteckungsgefahr. Hessen hat Angst vor der Masern.  Aber was ist das eigentlich für eine Krankheit?

Was sind Masern?

Masern (lateinisch: morbilli)  sind eine    Sie trifft hauptsächlich Kinder, aber auch Erwachsene ohne ausreichende Impfung oder Immunität können an ihr erkranken. Die Masern brechen in Deutschland immer mal wieder für eine begrenze Zeit aus. Oft nur regional, manchmal aber auch bundesweit: Wie dieser Tage, in denen insgesamt rund 43 Fälle bekannt geworden sind. Die Gesamtzahl der Erkrankungen in Deutschland pro Jahr   : Das Robert Koch-Institut (RKI) geht für das Jahr 2016 bislang von etwas mehr als 300 Fällen aus, im Jahr 2015 habe es hingegen 2465 Masernerkrankungen gegeben, im Jahr davor sind es nur 442 Fälle. Seit 2001 unterliegen die Masern der Meldepflicht. Trotzdem vermutet das RKI, dass tatsächlich viel mehr Menschen an Masern erkranken, als bekannt ist: Einige Masernkranke seien nie in ärztlicher Behandlung gewesen, andere wurden doch nicht gemeldet.

Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es, die Zahl der Erkrankungen auf etwa einen Fall pro eine Million Einwohner zu drücken.  Letzten Endes will sie die Krankheit aber ausrotten. Das ist nicht unmöglich: Weil sich der Erreger nur unter Menschen verbreitet, könnte der Virus irgendwann aussterben, wenn nur genügend Menschen geimpft wären (etwa 95 Prozent). Historisch gesehen  ist der Kampf gegen Masern so oder so durchaus erfolgreich: Seit 40 Jahren impfen Ärzte in Deutschland gegen die Krankheit an und haben seitdem die Zahl der Erkrankungen deutlich reduziert.

Weltweit sind Masern immer noch ein großes Problem:  In Entwicklungsländern tritt die Krankheit wesentlich häufiger auf als etwa in Mitteleuropa. In Asien oder Afrika verlaufen die Masern noch öfter schwer oder gar tödlich, berichtet das RKI.

Angesteckt mit Masern: Wie ist das passiert?

Ein flüchtiger Kontakt reicht schon aus: Ein Niesen, ein Huster oder einfach ein Gespräch genügen, ein winzig kleines Tröpfchen „fliegt“ vom Kranken zu seinem Gegenüber. Und der steckt sich an. Das nennt man Tröpfcheninfektion. Über die Schleimhäute und die Atemwege gelangen die Viren dann in den Organismus des gesunden Menschen.

 

Masern sind hochansteckend – neun von zehn Personen, die vorher nicht geimpft waren, erkranken, nachdem sie Kontakt mit dem Virus hatten. Und die Träger des Virus sind nicht immer gleich als solche zu erkennen. Schon fünf Tage bevor sichtbare Symptome, wie beispielsweise roter Hautauschlag, auftreten, können Kranke den Virus weitergeben.

 

Sind Kinder oder auch Erwachsene dann nicht ausreichend geimpft - oder womöglich schon immun aufgrund einer früheren Masernerkrankung - ist es fast sicher, dass die Krankheit ausbricht. Die Wahrscheinlichkeit liegt laut RKI bei rund 95 Prozent.

Wie zeigen sich die Masern?

Es dauert ein Weile, bis die Masern ausbrechen: Typischerweise treten die ersten Symptome erst circa zehn Tage nachdem man sich angesteckt hat auf: Fieber, Schnupfen und Husten. Häufig sind die Masernkranken auch müde, fühlen sich schlaff oder haben rote, tränende Augen. Achtung, es besteht Verwechslungsgefahr mit anderen Krankheiten, wie etwa einer Grippe. Aber die sogenannten Koplik-Flecken verraten Masern schon in dieser frühen Phase: Misstrauisch sollte man werden, wenn man kleine weiße Flecken mit roten Rand an der Mundschleimhaut entdeckt.

Die charakteristischen bräunlich-rosa Masernflecken auf der Haut treten nochmals etwa zwei oder drei Tage später auf. Häufig zuerst im Gesicht oder hinter den Ohren, später breitet sich der Ausschlag über die Arme aus.

 

Nach fünf bis sechs Tagen beginnt dann normalerweise der Heilungsprozess: Die Haut erholt sich, andere Beschwerden verschwinden langsam. Wer die Masern einmal überstanden hat, ist für den Rest seines Lebens sicher: Das Immunsystem bildet Antikörper gegen die Krankheit – man kann nicht nochmal an den Masern erkranken.

Wie gefährlich sind die Masern?

Die meisten Menschen überstehen die Masern ohne große Probleme. Aber: Während einer Maserninfektion ist das Immunsystem geschwächt. Das bedeutet, dass die Infizierten anfälliger für andere Krankheitserreger sind. Einige Masernkranke erleiden gefährliche beispielsweise eine Lungenentzündung (5 Prozent der erkrankten Kinder), eine Mittelohrentzündung (10 Prozent der erkrankten Kinder) oder schlimmstenfalls eine lebensgefährliche Gehirnentzündung (0, 1 Prozent der erkrankten Kinder).   Laut Statistischem Bundesamt sterben im Jahr ein bis zwei Menschen in Folge einer Masernerkrankung, schreibt die . Für Kinder, die jünger als fünf Jahre sind, ist eine Masernerkrankung besonders gefährlich. Das gleiche gilt für Erwachsene: Bei ihnen ergeben sich im Krankheitsverlauf häufiger Komplikationen oder die Erkrankung verläuft schwerer.

Wie werden die Masern behandelt?

Medikamente oder eine spezielle Therapie gegen die Masern gibt es nicht. Das RKI empfiehlt allein Bettruhe. Wie man am besten mit der Krankheit umgeht, ergibt sich je nach Verlauf der Erkrankung im Einzelfall – im Zweifel hilft sowieso der Arzt. Oft können aber fiebersenkende Medikamente oder Mittelchen gegen Husten helfen, die Symptome zu lindern.

Wie kann man sich schützen?

Vor Masern schützt nur eine Impfung. Das RKI empfiehlt: Das erste Mal sollten Eltern ihre Kinder nach knapp einem Lebensjahr impfen lassen. Genauer im Alter zwischen 11 und 14 Monaten. In Ausnahmefällen ist eine Impfung auch früher möglich. Rund vier Wochen nach der ersten sollte dann die Zweitimpfung erfolgen: Idealerweise ist das Kind dann 15 bis 23 Monate alt. Hat man als Kind zwei MMR-Impfungen erhalten - das sind kombinierte Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln - ist man für das ganze Leben geschützt.

 

Bis die Kinder alt genug sind geimpft zu werden, könnten sie von der sogenannten Herdenimmunität profitieren: Sind die Menschen im Umfeld des Kindes ausreichend geimpft, wird es wahrscheinlich nicht an Masern erkranken.

 

Die Impfung schützt allerdings nicht vollständig. Selbst nach der zweiten Impfung besteht ein Restrisiko, trotzdem Masern zu bekommen: Aus hundert geimpften Patienten stecken sich noch zwischen einem und acht Patienten an, obwohl sie ausreichend vorgesorgt haben. Andererseits erwischen die Masern rund 90 Prozent derer, die gar nicht geimpft waren, aber in Kontakt mit dem Virus gekommen sind.

Erwachsene können die Impfung nachholen. Selbst wenn sie nicht mehr wissen, ob sie möglicherweise bereits geimpft sind. Man kann nicht überimpfen, hat das RKI gegenüber . Bei Menschen, die vor 1970 geboren sind, gehen die Ärzte derzeit so oder so davon aus, dass sie bereits gegen die Masern immun sind.

Ist die Impfung gefährlich?

Schwere Komplikationen nach der Impfung sind extrem selten und nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Die Impfung kann aber durchaus unangenehm werden. Es können kleinere Nebenwirkungen auftreten: Die Einstichstelle kann dick werden und weh tun, Patienten können vorübergehend Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden erleiden.

 

Manche Impfpatienten bekommen auch Fieber oder schwachen Hautausschlag: Symptome, die der eigentlichen Masernerkrankung ähnlich sind. Diese sogenannten Impfmasern sind im Regelfall aber weder ansteckend, noch gefährlich.

 

Es gibt übrigens keinerlei wissenschaftlichen Beweise, dass eine MMR-Impfung die Entwicklung von Autismus fördert.

Mit Material von dpa. 

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