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Mit schöner Regelmäßigkeit entwickelt sich ein scheinbarer Routine-Job für Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) zur tödlichen Falle. Bild: HR / Bettina Müller

Tatort-Kritik

„Murot und das Murmeltier“: Immer wieder auf ein Neues

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Der Ausnahme-Kommissar aus Wiesbaden klemmt in einer Zeitschleife fest: Ein Experiment mit überraschendem Resultat.

Für den leidgeprüften LKA-Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) kommt es diesmal richtig dicke. Nicht nur, dass er schon morgens durch einen Anruf seiner Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) aus dem Schlaf gerissen wird, weil ein Banküberfall mit Geiselnahme dringend seiner Anwesenheit bedarf. Er stolpert auch über einen Pantoffel und bekommt Kaffee auf seine Hose geschüttet.

Und am Ende eine tödliche Kugel verpasst. Um gleich darauf wieder durch einen Anruf seiner Assistentin aus dem Schlaf gerissen zu werden… Also, wir sind, wie der Titel schon andeutet, in der mindestens zweiten Version des Hollywood-Hits „Und täglich grüßt das Murmeltier“ im deutschen Fernsehen angekommen. Die andere war „Wer aufgibt, ist tot“ von 2016.

Tatort macht das ewig Gleiche zum Thema

Ein Freitagsfilm, auch von der ARD. Und wie dort Handelsvertreter Lohmann sieht sich nun Kommissar Murot in einer Zeitschleife gefangen und versucht natürlich alles, um seinem unabwendbaren Schicksal zu entkommen. Aber vergeblich: Immer wieder dröhnt laute Mucke aus einer Nachbarwohnung, fällt eine junge Läuferin über einen Schnürsenkel, kommt am Ende der Sensenmann.

Immer irritierter reagieren seine Kollegen deswegen am Einsatzort darüber, mit wie viel Vorwissen der Kriminaler den Fall zu lösen gedenkt. Zunehmend verzweifelter, wütender, genervter reagiert Murot. Mitunter erinnert er weniger an einen Kommissar als an den gestressten Killer im Krimi-Schwank „Die Filzlaus“. Aber auch eine Flucht in die ländliche Idylle bringt keine Erlösung.

Thema wird im Tatort nicht überstrapaziert

Mit anderen Worten: Es ist ein ziemlich schrilles Stück TV-Unterhaltung, was der Wiesbadener „Tatort“ mit seinem mittlerweile siebten Murot-Stück hier abliefert. Nach dem vergleichsweise ernsthaften „Es lebe der Tod“, der über weite Strecken wie ein Thriller daherkam, darf der Wiesbadener Sonntagskrimi im Anschluss an dessen Vorgänger-Filme „Im Schmerz geboren“ und „Wer bin ich“ nun wieder hemmungslos experimentieren.

Aber, große Überraschung: Diesmal kann das Ergebnis durchaus überzeugen. Regisseur und Autor Dietrich Brüggemann zeigt dankenswerterweise keine Ambitionen, einen überkandidelten Kunstfilm abzuliefern. Er ironisiert den TV-Krimi und seine Motive von Episode zu Episode stärker und verlässt sich mit Erfolg auf Tukurs Potential als Komödiant.

Dieser Murot-Tatort ist pure Unterhaltung

Brüggemann verzichtet auch auf jeden Erklärungsversuch, tiefschürfende Analysen und belässt es beim Geiselnehmer, der ähnlich schräg auftritt wie der ganze Film, auf Andeutungen. In Letzterem steckt das Potential zu einem Psycho- und Sozialdrama, aber dieser Teil der Geschichte bleibt weitgehend außen vor. Aber gerade das daraus resultierende Selbstzweckhafte macht diesen Murot-Film zu einem großen Vergnügen.

Dass die Murmeltier-Masche nicht ausläuft, dafür sorgen die US-Filmemacher aber auch selbst. Nachdem das Erzählmuster sich in „Happy Deathday“ im Horror- und Schlitzerfilm wiederfindet, hatte kürzlich dessen Fortsetzung „Happy Deathday 2u“ Premiere. Nicht auszuschließen also, dass auch „Murot und das Murmeltier“ noch nicht auserzählt ist.

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