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ARCHIV - Der Rapper Kollegah zündet sich am 03.12.2015 vor der Verleihung der 1Live Krone in der Jahrhunderthalle in Bochum (Nordrhein-Westfalen) auf dem Roten Teppich eine Cohiba-Zigarre an. (zu dpa "Diskussion um Rap-Nacht Rüsselsheim" vom 01.02.2017) +++(c) dpa - Bildfunk+++

OB lädt Kollegah zu einem Gespräch ein

Nach Absage der Rap-Nacht plant Rüsselsheim Ersatzkonzert

Die Stadt will nach eigenen Angaben "sehr zeitnah" mit den angefragten Künstlern über mögliche Konsequenzen der Absage verhandeln. Auf beiden Seiten gebe es Klärungsbedarf wegen des finanziellen Schadens, sagte ein Sprecher.

Nach der Absage einer für den Hessentag geplanten Rap-Nacht hat der Rüsselsheimer Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) den Rapper Kollegah zu einem Gespräch eingeladen. Der Musiker habe die Einladung angenommen, schrieb Burghardt im sozialen Netzwerk Twitter. Kollegah selbst war am Freitag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. In der ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" sagte Kollegah am Donnerstagabend, er fühle sich sabotiert.

Die Stadt will nach eigenen Angaben "sehr zeitnah" mit den angefragten Künstlern über mögliche Konsequenzen der Absage verhandeln. Auf beiden Seiten gebe es Klärungsbedarf wegen des finanziellen Schadens, sagte ein Sprecher.

Bei dem Konzert im Juni hätten neben Kollegah auch die Rapper Azad, Farid Bang, Eko Fresh sowie Lumaraa und Der Asiate auftreten sollen. Die Stadtverordnetenversammlung der Hessentagsstadt hatte am Donnerstagabend in einer knappen Abstimmung aber beschlossen, die Rap-Nacht zu kippen. Für die Absage hatten 18 Abgeordnete votiert und 17 dagegen, 6 enthielten sich.

Nach Aussage des Sprechers wird nun versucht, an dem Abend eine Ersatzveranstaltung anzubieten, um den "freien Slot in der Halle" zu füllen. Konkrete Zusagen von Künstlern gebe es aber noch keine, sagte er am Freitag. Inhaber von Tickets für die abgesagte Rap-Nacht könnten ihre Karten ab sofort zurückgeben, heißt es auf der Internetseite der Stadt. Der volle Kaufpreis sowie Vorverkaufs- und sonstige Gebühren würden erstattet.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland und andere jüdische Organisation hatten in einem "Offenen Brief" die Stadt aufgefordert, dem Hessentag keine Bühne für "Hass, Antisemitismus, Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit" zu geben. Erwähnt wurden Texte des Rappers Kollegah. Der Sänger wehrte sich am Donnerstag in einem Brief gegen die Vorwürfe.

Darin wies er die Anschuldigungen als "völlig aus der Luft gegriffen und haltlos" zurück. Die kritisierten Texte stammten aus 13 Jahre alten Rap-Veranstaltungen und seien teilweise noch nicht einmal von ihm selbst, sondern beteiligten Musikern gerappt worden.

"Die Tatsache, dass in meinen bislang 13 Jahren Musikkarriere nie der Vorwurf des Antisemitismus auch nur im Raum stand und dies erstmalig ausgerechnet jetzt, kurz nach meiner Wohltätigkeitsreise in Palästina geschieht, mutet sonderbar an, jedoch will ich hier keinen Zusammenhang unterstellen", heißt es in dem Schreiben.

Im vergangenen Jahr hatte es im Magistrat der Stadt Rüsselsheim schon einmal Streit über die geplante Veranstaltung gegeben. Das Gremium stoppte damals den Kartenvorverkauf - in Abwesenheit von Oberbürgermeister Burghardt. Die Stadtverordnetenversammlung gab jedoch grünes Licht. Mit ihrer Entscheidung am Donnerstag korrigierte sie jetzt ihr früheres Votum. Burghardt hatte die Absage empfohlen.

(dpa)

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