Neue Ausstellung „Katastrophe“: Blockbuster mit Faktencheck

Erdbeben und Meteoriteneinschläge auf der Kinoleinwand - das geht nach 90 Minuten zumindest für die Protagonisten gut aus. Und was sagt die Wisschenschaft? Kultur- und Naturforscher arbeiten in einer Ausstellung erstmals zusammen.

Frankfurt/Main - Es gibt viele Szenarien für ein Ende des Lebens auf der Erde, wie wir es kennen - Katastrophenfilme zeigen sie und sind dabei den Strömungen ihrer Zeit unterworfen. Das Deutsche Filmmuseum stellt das Genre, in dem Angst, Faszination und Heldentum eine Rolle spielen, in den Mittelpunkt seiner am Mittwoch beginnenden Ausstellung „Katastrophe. Was kommt nach dem Ende?“.

In der noch immer andauernden Corona-Pandemie, die das Leben von Millionen Menschen verändert hat, scheint das Thema aktueller denn je. „Purer Zufall“, sagte Museumsdirektorin Ellen Harrington am Dienstag. Denn ursprünglich sollte die Ausstellung bereits im vergangenen November beginnen und als Kuratorin Stefanie Plappert mit ihren Vorbereitungen begann, war Corona noch längst kein Thema.

Das „was wäre, wenn“ und das Nachdenken über den schlimmsten anzunehmenden Fall gebe es schon seit Jahrhunderten, sagte Plappert etwa mit Blick auf die mittelalterliche Malerei apokalyptischer Szenen. In Katastrophenfilmen gehe es aber nicht nur um große Emotionen, sondern auch um reale Gefahren, die die Menschheit bedrohten. Womöglich sind die Filme ja auch eine Art Schreckensbewältigung: „Wir setzen unsere Vorstellungen vom Allerschlimmsten in Bilder“, sagte die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).

So geht es in den vorgestellten Filmen um Erdbeben und Tsunami, um Klimawandel, Vulkanausbrüche und Meteoriteneinschläge, um die Rückkehr der Dinosaurier und die Warnungen der Wissenschaftler, dass etwa die Kosten im Falle des menschengemachten Klimawandels ungleich höher sein würden als die für seine Begrenzung.

Eine Besonderheit der Ausstellung ist die Kooperation mit dem Senckenberg Institut und Museum für Naturforschung: Teil der Ausstellung mit Filmplakaten oder Titelbildern von Nachrichtenmagazinen zu Katastrophenszenarien sind Videos mit Senckenberg-Wissenschaftlern, die wissenschaftliche Faktenchecks vornehmen: Können Dinosaurier durch Genmanipulation wiederbelebt werden wie in „Jurassic Park“? Kann Nordamerika plötzlich vereisen wie in „Day after tomorrow“? Gibt es eine echte Vorlage für „Godzilla“? Und was geschieht eigentlich bei einem Erdbeben?

Wendepunkte in den realen Entwicklungen, die von Forschern als Kipppunkte bezeichnet werden, gebe es tatsächlich, erklärte Brigitte Franzen, Direktorin des Senckenberg-Museums. Dies gelte etwa für den Anstieg der Meeresspiegel und seine Folgen auch in Europa. „Es gibt jetzt schon ein Szenario, dass 2045 ein britisches Küstenstädtchen evakuiert werden muss“, sagte sie. Hamburg und Bremen könnten dann einen Meter unter Wasser stehen. Das Unvorstellbare sei bereits in die Nähe des Vorstellbaren gerückt. Die zeitlichen Abläufe seien allerdings ganz anders als in einem 90 Minuten Blockbuster. Doch bei aller dramaturgischer Verknappung - „gibt es Punkte, die nicht so weit weg liegen.“

Hinzu kommt - mancher Katastrophenfilm ist mittlerweile schon ein bisschen in die Jahre gekommen, gerade mit Blick auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Fairerweise müsse gesagt werden, dass die in „Jurassic Park“ dargestellten Dinosaurier dem damaligen Stand der Forschung entsprachen, sagte etwa die Senckenberg-Biologin Irina Ruf in ihrem Faktencheck. „Heute würde man die anders rekonstruieren.“

„Es wäre auf jeden Fall langsamer und weniger dramatisch als im Film“, versicherte der Ökosystemforscher Thomas Hickler im Faktencheck zu „Day after tomorrow“ - nur um nach einer kurzen Pause hinzuzusetzen: „Aber es könnte schon schnell passieren.“ Eine Abkühlung Nordamerikas wäre bei einem Kollaps des Systems des Golfstroms infolge eines Schmelzens der Pole zwar möglich - aber nicht innerhalb so kurzer Zeit und mit so weit reichender Vereisung wie im Film.

Die Ausstellung „Katastrophe“ ist bis zum 9. Januar 2022 geöffnet. Begleitend gibt es nicht nur ein Filmprogramm, sondern auch einen Katalog, in dem Autoren über das Ende jenseits der Katastrophe nachdenken. Klimaschützer und Umweltaktivisten sind ebenso darunter wie Theologen und eine Bestatterin. dpa

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