Kriminalität

Das ist die neue Waffe im Kampf gegen Designer-Drogen

  • schließen

Es könnte die neue Wunderwaffe im Kampf gegen Designerdrogen im Knast sein: Im rheinland-pfälzischen Landeskriminalamt haben sie ein Messgerät für Legal Highs entwickelt. Auch Hessen hat schon Interesse angemeldet.

Das Gerät sieht aus wie ein Laserdrucker, vorsichtig schiebt der Beamte den kleinen Papierstreifen in den Slot an der Oberseite. Sekunden später leuchtet ein roter Alarm-Bildschirm auf: „THC, synthetische Cannabinoide“. „Das Zeug ist hochgefährlich“, sagt Jörn Patzak, „die Substanzen führen schnell zu psychischen Problemen, Aggression können sich binnen Sekunden entwickeln.“ Patzak ist Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich, und seine Hoffnungen ruhen auf dem neuen Ionscan 600: „Wir können damit Substanzen finden, die wir vorher nicht gefunden haben.“

Psychoaktive Substanzen, auch „Legal Highs“ genannt, sind seit einigen Jahren die neue große Drogengefahr in den Haftanstalten. Bei den sogenannten Designer-Drogen werden eigentlich legale Kräutermischungen mit synthetischen Zusatzstoffen vermischt, die einen Drogenrausch auslösen. „Die wirken an den Rezeptoren im Gehirn genauso wie Cannabis“, erklärt Patzak, doch im Gegensatz zu herkömmlichen Drogen wie Cannabis, Kokain oder Heroin sind die neuen Wirkstoffe für die Wärter kaum zu entdecken.

Die Wirkstoffe würden auf Briefen, Notizzetteln oder in Nasenspray versteckt zu den Gefangenen geschmuggelt, seien aber weder mit Schnelltest noch anderen herkömmlichen Methoden zu finden. „Die neuen Drogen bereiten uns erhebliche Kopfschmerzen“, sagt der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin, „die Leute nehmen es zu sich, wissen aber gar nicht, was es ist – und die behandelnden Ärzte auch nicht.“ Seit geraumer Zeit laufe deshalb die Suche nach einer Möglichkeit, die psychoaktiven Substanzen aufzuspüren, nun sei die „Wunderwaffe“ womöglich gefunden: der Ionscan 600.

Den Geistesblitz hatten sie im Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz: Man habe ein Ionen-Scangerät genommen, wie es auch an Flughäfen zur Sprengstoffentdeckung eingesetzt werde, und modifiziert, erklärt LKA-Chemikerin Sonja Metternich. Der Clou: Das Gerät wurde mit einer Datenbank gefüttert, die rund 670 „Legal Highs“ umfasst. „Das war ein harter Weg“, sagt Metternich, nun verfüge das LKA aber über ein bundesweit einmaliges Messverfahren.

Seit sechs Wochen wird der Ionscan 600 in der JVA Wittlich im Einsatz getestet, schon jetzt habe man vier gerichtsfest verwertbare Treffer, schwärmt Patzak. Reagiert das Gerät positiv, müssen die Proben zwar noch zur Verifizierung ins LKA geschickt werden, doch bislang habe sich jeder Fund bestätigt. „Wir werden ein Dunkelfeld, das bisher in den JVAs einfach nicht zu sehen war, mit diesem Gerät aufhellen können“, sagt Patzak.

Das Verfahren bleibe allerdings aufwendig, sagt Metternich, die Datenbank müsse ständig aktualisiert werden – knapp 700 Legal Highs sind derzeit registriert, doch wöchentlich kommen neue hinzu. Die Datenbank werde in Zusammenarbeit mit sieben anderen Bundesländern sowie Bundeskriminalamt und Zoll aktuell gehalten. Das Interesse anderer Bundesländer an dem Gerät sei hoch, auch Hessen habe schon Bedarf angemeldet. Rund 45 000 Euro kostet ein Ionscan 600 in der Anschaffung,

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare